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Rummel auf dem Meißner Weihnachtsmarkt

Was hat ein Autoscooter auf dem Kleinmarkt zu suchen? Er passt nicht zum Fest, sagt ein Rechtsanwalt.

Von Peter Anderson

Der Anrungser kam unerwartet. Heftig hat er die Weihnachtsmarkt-Organisatoren vom Meißner Gewerbeverein durchgerüttelt. „Als Stadt Meißen dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wie unser Weihnachtsmarkt zu einem Weihnachtsrummel verkommt“, schreibt der ULM-Fraktionsvorsitzende im Meißner Stadtrat Wolfgang Tücks in einer Nachricht an Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos).

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Tücks, der als Rechtsanwalt oft Autofahrer erfolgreich in Bußgeldverfahren vertritt, geht hart mit den Autoscooter-Befürwortern ins Gericht: Ein so großes Fahrgeschäft habe nichts auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen, sagt der Kommunalpolitiker und fragt : „Was kommt in den nächsten Jahren noch dazu? Wie wäre es mit Schießbuden, Preisboxen, Hau-den-Lukas?“ Die Organisatoren des Gewerbevereins fühlen sich nach dieser Attacke, als wäre ihnen beim Autoscooter ein Fahrer mit vollem Karacho ins Heck gedonnert. Dabei wollten sie eigentlich nur das Beste für die Meißner Weihnacht. Eine Attraktion für Familien mit Kindern sollte den Markt beleben, sagt Gewerbevereinschef Uwe Reichel. Schließlich wurde ein Autoscooter ausgewählt.

Die Idee ist so ungewöhnlich nicht, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Bislang allerdings waren Fahrgeschäfte wie der Meißner Autoscooter vor allem in größeren Städten zu finden. So zum Beispiel in Erfurt, wo der Schausteller Fritz Krebs seit fast 30 Jahren zu den sogenannten Stammbestückern gehört. In Berlin, auf dem Weihnachtsmarkt zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke, zählt ein Autoscooter noch zu den harmlosen Attraktionen. Europas einzige Dunkel-Achterbahn sorgt hier neben Glühwein mit Schuss für Schwindelgefühl und Kribbeln im Bauch. Trotz dieser Beispiele aus anderen Städten, in Meißen driften die Meinungen weit auseinander. „Ich finde da nix Verwerfliches dran“, schreibt zum Beispiel Sven Richter auf der Facebook-Seite der Meißner SZ. Am wichtigsten seien zufriedene Nutzer, den Rest sehe er nur als Nebensache, argumentiert Richter.

Doreen Fischer findet das Schaugeschäft dagegen unpassend für den Weihnachtsmarkt. Es sei ja schließlich kein Weinfest, stellt sie bei Facebook fest. Gleichzeitig kritisiert sie den Umgang mit den Wochenmarkthändlern. Diese würden völlig ins Abseits gedrängt.

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke macht für den Rabatz um den Rummel-Rungser vor allem dessen Größe verantwortlich. Er nehme Parkplätze weg und passe einfach nicht in die überall beworbene romantische Meißner Altstadt-Weihnacht.

Der Vorwurf, nicht auf Tradition und Gediegenheit zu achten, ist unterdessen nicht neu. Nach dem diesjährigen Weinfest waren bereits ähnliche Stimmen laut geworden. Zu gigantisch, zu laut, zu wenig weinfesttypisch sei das Septemberwochenende abgelaufen, hieß es von einzelnen Wirten und Anwohnern. Der Gewerbeverein gelobte Besserung und versprach, künftig gegen Auswüchse vorzugehen.

Eine ähnliche Lösung böte sich beim Streit um den Rummel-Rungser auf dem Kleinmarkt an. Statt auf auswechselbare Attraktionen wie einen Autoscooter zu setzen, könnte ein kreativer und ausgefallener Familienspaß helfen, die Meißner Weihnacht weiter zu profilieren.

Großenhain bietet sich als Vorbild an. Hier investiert die Stadt alljährlich viel Kraft und Ideen in einen besonderen Knüller. So wurde eine ähnliche Fläche wie der Kleinmarkt in den vergangenen Jahren schon einmal mit viel Aufwand in eine Rodelbahn mitten in der Stadt verwandelt.

Gewerbevereinschef Uwe Reichel ist für neue Ideen offen und hofft, dass die Kritiker beim Umsetzen und Finanzieren kräftig mithelfen. Das sei nämlich bitter nötig. Die Stadt habe sich dieses Jahr wieder ein Stück aus der Organisation der Meißner Weihnacht zurückgezogen. Die Wichtelwerkstatt erhalte keinerlei Hilfe und Zuschüsse mehr. Auch für einen Baum auf dem Kleinmarkt habe es nicht gereicht.