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Sachsen feiert sein zweites Welterbe

Die Bergbauregion im Erzgebirge erhält die begehrte Auszeichnung der Unesco. Einer kann sich besonders freuen.

Auch die Altstadt Freibergs ist Bestandteil der Bergbauregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Auch die Altstadt Freibergs ist Bestandteil der Bergbauregion Erzgebirge/Krušnohoří. © Marko Borrmann

Baku/Dresden. Am Samstag um 14.39 Uhr kam die lang ersehnte Nachricht aus Aserbaidschan: Die Bergbauregion im Erzgebirge wird ins Welterbe aufgenommen. In der Hauptstadt Baku tagte die Kommission der Unesco – und krönte das vor 20 Jahren begonnene Bemühen aus Sachsen und Tschechien endlich mit der weltweit renommierten Auszeichnung.

Insgesamt setzt sich die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří aus 22 Stätten zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite: 1. Hochmittelalterliche Silberbergwerke Dippoldiswalde 
Insgesamt setzt sich die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří aus 22 Stätten zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite: 1. Hochmittelalterliche Silberbergwerke Dippoldiswalde  © Landesamt für Archäologie Sachsen
2. Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald
2. Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald © Marko Borrmann
3. Verwaltungssitz Lauenstein 
3. Verwaltungssitz Lauenstein  © Marko Borrmann
4. Bergbaulandschaft Freiberg "Historische Altstadt" 
4. Bergbaulandschaft Freiberg "Historische Altstadt"  © Marko Borrmann
5. Bergbaulandschaft Hoher Forst bei Kirchberg "Mundloch Engländerstolln" 
5. Bergbaulandschaft Hoher Forst bei Kirchberg "Mundloch Engländerstolln"  © Jens Kugler
6. Schneeberg "Siebenschlehener Pochwerk" 
6. Schneeberg "Siebenschlehener Pochwerk"  © Marko Borrmann
7. Blaufarbenwerk Schindlers Werk 
7. Blaufarbenwerk Schindlers Werk  © Marko Borrmann
8. Montanlandschaft Annaberg-Frohnau "Blick auf Annaberg" 
8. Montanlandschaft Annaberg-Frohnau "Blick auf Annaberg"  © Jens Kugler
9. Bergbaulandschaft Pöhlberg "St. Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs" 
9. Bergbaulandschaft Pöhlberg "St. Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs"  © Jens Kugler
10. Bergbaulandschaft Buchholz "Halden von Schacht 116"
10. Bergbaulandschaft Buchholz "Halden von Schacht 116" © Jens Kugler
11. Historische Altstadt Marienberg 1 "Rathaus" 
11. Historische Altstadt Marienberg 1 "Rathaus"  © Marko Borrmann
12. Bergbaulandschaft Lauta 
12. Bergbaulandschaft Lauta  © Jens Kugler
13. Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf "Schachtgebäude Sauberger Haupt- und Richtschacht" 
13. Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf "Schachtgebäude Sauberger Haupt- und Richtschacht"  © Jens Kugler
14. Saigerhüttenkomplex Grünthal 
14. Saigerhüttenkomplex Grünthal  © Marko Borrmann
15. Bergbaulandschaft Eibenstock "Seifenhügellandschaft" 
15. Bergbaulandschaft Eibenstock "Seifenhügellandschaft"  © Jens Kugler
16. Bergbaulandschaft "Roter Berg" Erlahammer bei Schwarzenberg 
16. Bergbaulandschaft "Roter Berg" Erlahammer bei Schwarzenberg  © Jens Kugler
17. Bergbaulandschaft Uranerzbergbau "Schachtanlage 371" 
17. Bergbaulandschaft Uranerzbergbau "Schachtanlage 371"  © Marko Borrmann
18. Bergbaulandschaft Jáchymov 
18. Bergbaulandschaft Jáchymov  © Petr Miksicek
19. Bergbaulandschaft Abertamy - Bozí Dar - Horní Blatná "Christoph Stolln"
19. Bergbaulandschaft Abertamy - Bozí Dar - Horní Blatná "Christoph Stolln" © Jan Albrecht
20. Roter Turm des Todes 
20. Roter Turm des Todes  © J. Prudik
21. Bergbaulandschaft Krupka "Besichtigungsstrecke Alter Martin Stolln in Krupka" 
21. Bergbaulandschaft Krupka "Besichtigungsstrecke Alter Martin Stolln in Krupka"  © J. Watzek - Archiv der Stadt Krupka
22. Bergbaulandschaft Vrch Medník (Kupferberg) "Mundloch gelobtes Land Stolln"
22. Bergbaulandschaft Vrch Medník (Kupferberg) "Mundloch gelobtes Land Stolln" © Petr Miksicek

Die Bergbauregion Erzgebirge/Krušnohoří gelte als herausragendes Zentrum wissenschaftlich-technologischer Innovation und als einzigartige Kulturlandschaft, erklärte das Welterbekomitee. Delegierte sprachen von einem „Meisterwerk menschlicher Kreativität“. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war eigens nach Baku gereist. Er lobte das Projekt als Beispiel für internationale Zusammenarbeit. „Glück auf!“, rief er in seiner Dankesrede. Jetzt gelte es, mit dem Welterbetitel die Attraktivität der Region weiter auszubauen. Das Erzgebirge könne dabei „fest auf die Unterstützung der Staatsregierung zählen“, sagte der Regierungschef in einem Video:

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Das Osterzgebirge jubelt

Auch in Altenberg ist die Freude riesig: Mitten ins Fest zur Einweihung des Mehrgenerationenparkes am Altenberg Bahnhof, platzte am Sonnabend die gute Nachricht. Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) war vorbereitet. Er wechselte fix die Kleidung und schlüpfte ins Bergmannshabit. „Das ist ein historischer Moment für Altenberg“, jubelt der Rathauschef. „Das ist unglaublich.“ Die Besucher gerieten außer Rand und Band und schmetterten gleich noch zusammen das Steigerlied. „Das war Gänsehautstimmung“, so Kirsten. 

Auf der Welterbeliste stehen Bergbaumuseum Altenberg, Besucherbergwerk Zinnwald, Schloss und Stadtkirche Lauenstein. Sozusagen das Last-Minute-Ticket hatte noch Dippoldiswalde gelöst. Seine hochmittelalterlichen Silberbergwerke gehören zu den 22 Bestandteilen des Welterbes der Montanregion. Zu verdanken ist das der Umsicht der Bergsicherung Freital und einer überaus engagierten Christiane Hemker vom Sächsischen Landesamt für Archäologie. Sie entdeckten europaweit einzigartige Bergbaufunde unter der Dippser Erde, erforschten diese und machten die Schätze mithilfe von Fördermitteln und der Stadt Dippoldiswalde der Öffentlichkeit zugänglich. Entsprechend groß ist natürlich auch hier die Freude.

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (re.) und der Leiter des Bergbaumuseums Christoph Schröder strahlen. Geschafft – endlich Welterbe! 
Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (re.) und der Leiter des Bergbaumuseums Christoph Schröder strahlen. Geschafft – endlich Welterbe!  © Egbert Kamprath

Zugleich verspricht sich die Tourismusregion mehr Aufmerksamkeit und Bekanntheit durch den Welterbe-Titel. „Der Wert unserer Region, der in der Kulturlandschaft steckt, ist uns oft nicht bewusst“, sagt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, die maßgeblich das Projekt mit vorangetrieben hat. „Durch die Weltmarke wird das aufgewertet.“ Kirsten weiß, dass gerade Menschen aus dem asiatischen Raum bei ihrer Urlaubsplanung gern im Internet nach dem Schlagwort Welterbe suchen. Das erhöhe die Chance, selbst mit in die nähere Auswahl zu kommen und zusätzliche Gäste – international wie national – ins Erzgebirge zu locken.

In Kretschmers Heimat in der Oberlausitz liegt das bislang einzige sächsische Welterbe, der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Dem Dresdner Elbtal war der Welterbetitel vor zehn Jahren aberkannt worden, wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke. Aufgrund dieser Erfahrung war die Regierung vor einigen Jahren noch skeptisch, ob der Welterbetitel die wirtschaftliche Entwicklung im Erzgebirge hemmen könnte. Aufgrund des durchdachten Konzepts konnten diese Bedenken aber ausgeräumt werden, erklärte Kretschmer vorige Woche in einem Interview mit der Freien Presse.

Das Neue Schloss im Fürst-Pückler-Park - dem bislang einzigen sächsischen Welterbe.
Das Neue Schloss im Fürst-Pückler-Park - dem bislang einzigen sächsischen Welterbe. © Matthias Hiekel/dpa

Das Erzgebirge ist die erste gemeinsame Welterbestätte von Deutschland und Tschechien. Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit fünf Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus, darunter zum Beispiel die Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald.

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Zur Entscheidung bei der Sitzung in Baku standen insgesamt 36 Anträge, davon drei aus Deutschland. Ebenfalls ausgezeichnet wurde das historische Wassermanagementsystem im bayerischen Augsburg. Dort spiegelten sich Erfindergeist und Technikgeschichte. Wassertürme, Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen gehören zu dem Ensemble. Der von Bayern und anderen Ländern gestellte Antrag für den Donaulimes scheiterte, nachdem die Regierung in Ungarn kurzfristig einen Teil der Stätten in Budapest von der Bewerbung gestrichen hatte. (SZ/mk mit dpa)

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