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Sachsens Botschafter in New York

Udo Nothelfer soll verhindern, dass Amerika die Dresdner Vorzeigebranche abhängt – aber befristet und in Teilzeit.

© Bonss

Von Georg Moeritz

Der Mann muss wieder mal hohe Erwartungen erfüllen. Vor vier Jahren wurde der Physiker Dr. Udo Nothelfer zum Chef von Dresdens größter Fabrik befördert – der Mikrochipfabrik des US-Konzerns Globalfoundries. Doch nach acht Monaten war er den Spitzenjob wieder los, seine Nachfolgerin hielt sich nur sieben Monate. Nothelfer hat sich erst einmal selbstständig gemacht und auf seine Visitenkarten drucken lassen, was ehemalige Chefs gerne schreiben: Consultant, Berater.

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Jetzt hat der 52-Jährige eine neue Aufgabe: „Trüffelsucher“ sagt Sachsens Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Fiedler dazu. „Standortbotschafter“ heißt der Posten laut Verein Silicon Saxony, der mehr als 300 Hersteller und Dienstleister der Chip- und Softwarebranche in Sachsen vertritt.

Gestern wurde Nothelfer offiziell als künftiger Sachsen-Repräsentant in die USA geschickt. Er darf dort ein Büro im Forschungsinstitut CNSE in Albany nutzen – das ist die Hauptstadt des Bundesstaates New York, der viel Geld in den Wiederaufbau der Industrie steckt. Nothelfers ehemaliger Arbeitgeber Globalfoundries hat dort seine modernste Chipfabrik gebaut und seine Forschung dort konzentriert – nicht in Dresden.

Der Konzern müsste die besten sächsischen Forscher und Lieferanten eigentlich kennen. Aber darauf will sich der Freistaat nicht verlassen. Ein Dutzend sächsische Unternehmen haben Geld zusammengelegt, um ihren neuen Repräsentanten zu bezahlen. Der Freistaat übernimmt einen Teil der Kosten von 160 000 Euro, denn Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sich bei einer Reise voriges Jahr vom Aufschwung in New York überzeugt.

Die neue Aufgabe für den Unternehmensberater ist zunächst auf ein Jahr befristet, ein Praktikant soll Nothelfer unterstützen. Eine feste Wohnung in den USA will er nicht suchen, auch wenn er schon jahrelang „drüben“ gelebt habe. Jetzt wohnt der verheiratete Vater von vier Kindern wieder in seiner Heimat bei Ulm. Aber sein Herz schlage weiter für Dresden, sagte Nothelfer gestern. Er hat auch schon eine Liste mit Technologien, bei denen Mittelständler aus Sachsen Chancen in Amerika haben: Fäth und DAS Environmental Expert zum Beispiel im Umgang mit Abwasser und Abgasen aus den Chipfabriken.