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Sägewerk ist 170 Jahre in Familienhand

Ob es der älteste Betrieb in der Stadt Weißenberg ist, weiß Eberhard Schade nicht so genau. Aber der älteste Betrieb in Maltitz, zu dem Wasserkretscham gehört, ist er allemal, sagt der Besitzer des Sägewerks.

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© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Ob es der älteste Betrieb in der Stadt Weißenberg ist, weiß Eberhard Schade nicht so genau. Aber der älteste Betrieb in Maltitz, zu dem Wasserkretscham gehört, ist er allemal, sagt der Besitzer des Sägewerks. Denn das besteht in diesem Monat 170 Jahre. Schade hat eine Urkunde gefunden, auf der der Kauf der Brettschneide- und Ölmühle vom benachbarten Gasthof durch Johann Samuel Schade belegt ist. „Ob dort früher schon die Wasserkraft zum Antrieb der Sägewerksmaschinen genutzt wurde, weiß ich allerdings nicht“, sagt Eberhard Schade. Auch in Bibliotheken in Görlitz und Bautzen fand er nichts mehr.

Auch so mächtige Bäume schafft das Horizontalsägegatter von 1935. Eberhard Schade, der in fünfter Generation das Sägewerk in Wasserkretscham betreibt, hat damit auch die neue Wasserradwelle für die Riegel-Mühle Nechern gesägt. Das Sägewerk wird seit 170Ja
Auch so mächtige Bäume schafft das Horizontalsägegatter von 1935. Eberhard Schade, der in fünfter Generation das Sägewerk in Wasserkretscham betreibt, hat damit auch die neue Wasserradwelle für die Riegel-Mühle Nechern gesägt. Das Sägewerk wird seit 170Ja © Uwe Soeder

Auf einem kleinen Schild an der großen hölzernen Werkhalle steht „Wasserkraft ist unser Antrieb“. Dieser zweideutige Satz bringt den Schades über viele Jahre ihren Verdienst. Bis 1920 gab es zwei Wasserräder. Die wurden dann aber abgerissen und durch eine Francis Turbine der Firma Andrae u. Fellgner aus Zittau ersetzt. Bis heute treibt sie das Sägegatter an. „Allerdings nur, weil mein Großvater, mein Vater und ich sie immer gut gewartet und repariert haben“, sagt Schade überzeugt.

Die beiden Sägegatter – horizontal und quer – sind beeindruckende Maschinen. Wenn sie laufen, erfüllt ein ohrenbetäubender Lärm die Halle. Zu DDR-Zeiten, vor allem in den 70er/80er Jahren liefen die Maschinen fast ohne Pause, selbst am Wochenende. Warum das Sägewerk im Jahr 1972 nicht verstaatlicht oder einem landwirtschaftlichen Betrieb angegliedert wurde, weiß Eberhard Schade nicht zu sagen. Offenbar waren die damaligen Behörden mit ihren Verboten und deren Kontrolle nicht hinterhergekommen. Und so sägte sein Vater Werner Schade für die umliegenden LPG, die ständig Holz brauchten zum Bauen. 1979 stirbt Werner Schade, und Sohn Eberhard, der eigentlich Kfz-Schlosser von Beruf ist, betreibt das Sägewerk gemeinsam mit seiner Mutter weiter. 1996 übernimmt er es ganz – immerhin in fünfter Generation.

Einst sogar Flugzeugteile gefertigt

25 Angestellte, wie es sie bis zum Zweiten Weltkrieg gab, haben Schades aber nie wieder gehabt. Vor dem Krieg wurden sogar Flugzeugteile aus Holz gefertigt. Durch die Kämpfe um Weißenberg wurde das gesamte Sägewerk zerstört. Paul Schade baute es bis 1948 in mühsamer Kleinarbeit wieder auf. Dann hatte er auch viele Aufträge zur Beseitigung von Kriegsschäden. – Mit der Wende änderte sich auch die Lage im Sägewerk. Plötzlich konnte man überall Holz und Bretter kaufen. Man musste nicht mehr zusehen, wie man an das Holz kam, um es zum Beispiel, wie in den 80er Jahren, für den Dachstuhl des Eigenheims sägen zu lassen. Also gingen ab 1990 die sogenannten Lohnschnittarbeiten zurück. Und Eberhard Schade musste sehen, was er daraus macht. Deshalb gibt es nun auch die Möglichkeit, in Wasserkretscham Sägeblätter für Kreissägen oder Mähmesser schärfen zu lassen. Schade handelt auch mit Sägen und Zubehör. „Ich bin froh, dass mir viele Kunden und Partner die Treue halten“, sagt Schade. Seit einiger Zeit betätigt sich der 61-Jährige auch künstlerisch. Seine Sterne aus Holz oder auch Engel kommen gut an. Zum Kartoffelfest in Drehsa hatte er guten Absatz. Viel verkauft er an Durchreisende. Eberhard Schade stört es nicht, dass durch die enge Straße seines Dorfes der große Verkehr rollt. „Ich habe schon bis nach Südtirol und Österreich verkauft“, sagt er.

Zum Mühlentag präsentiert Eberhard Schade gern seinen Betrieb. Auch in diesem Jahr hat er das am Pfingstmontag wieder vor . Außerdem hat er einen kleinen Raum für Feiern ausgestaltet, der in der warmen Jahreszeit gern genutzt wird – unter anderem sogar für einen Gottesdienst am 29. Mai. Ob es das Sägewerk auch noch geben wird, wenn er in Rente geht, weiß Schade nicht. Sohn und Tochter haben jedenfalls kein Interesse daran. Er ist Informatiker bei Nürnberg und kommt gern mit den zwei Enkeln nach Hause. Sie ist Heilerziehungspflegerin in Großhennersdorf und wohnt in Görlitz.