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Salome ist runter vom Feld

Die Heidefarm Sdier baut auf 33 Hektar zehn Sorten Kartoffeln an. Die Ernte ist in vollem Gang. Hinterher ist Stoppeln erlaubt.

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© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Sdier. Es ist ganz schön zugig auf der Kartoffelrodemaschine. Die Frauen haben dicke Jacken an, einige tragen Schutzbrillen und ziehen die Kapuzen über den Kopf. An zwei Tagen stehen sie auf den beiden Maschinen der Heidefarm Sdier hier, hinter Niedergurig in Richtung Jeschütz. Auf einem 5,7 Hektar großen Feld werden Kartoffeln der Sorte Salome geerntet. Insgesamt ist die Fläche, die die Heidefarm dort gepachtet hat, 7,5 Hektar groß. Daneben schließen sich Felder von anderen Landwirtschaftsbetrieben an. Weitere Kartoffelfelder der Heidefarm befinden sich in Guttau sowie bei Klix in Richtung Spreewiese.

Es ist ein schwieriges Kartoffeljahr, sagt Philipp Schlachte, in der Heidefarm für den Pflanzenbau zuständig. Erst war es lange Zeit kalt. „Erst Ende April wurden die Kartoffeln in die Erde gelegt. Und durch die Kälte brauchten sie lange, bis sie gekeimt haben“, sagt Schlachte. Dann kam der Mai, der wieder sehr trocken war. Erst in der dritten Woche kamen sie aus der Erde. „Was wiederum Probleme bei der Unkrautbekämpfung bringt“, sagt Philipp Schlachte. Welches Mittel nimmt man, wann – da braucht es schon Erfahrung.

Wieder sind die beiden Rodemaschinen mit Traktoren über zwei Reihen Kartoffeln gefahren. Die Technik ist ausgeklügelt, allerdings auch alt. Die Traktoristen wissen, worauf es ankommt. Sie dürfen nicht zu schnell fahren. Und auf den Maschinen sind jeweils drei Frauen, die dann noch all das aussortieren, was die Erntemaschine noch nicht sortiert hat. Neben den Steinen kommt manchmal noch Kraut mit aufs Band. Aber auch kleine, grüne Kartoffeln werden aussortiert. Die grünen Stellen weisen darauf hin, dass die Kartoffel schon Licht abbekommen haben. „Die faulen dann im Lager“, sagt Philipp Schlachte.

Schutzbrille aufgesetzt

Sabine Wödl ist schon zum achten Mal beim Kartoffelroden dabei. Sie ist Hausfrau und hat ihre Mutter bis zu deren Tod zu Hause gepflegt. Auch die anderen Frauen arbeiten nur in der Erntesaison mit. Während Marianne Sarodnik schon Rentnerin ist, will Lydia Sickor erst studieren. Ihr Vater arbeitet bei der Heidefarm, sodass sie sich beim Ernten etwas dazuverdienen kann zur Finanzierung des Studiums. Die Frauen fangen meist früh um 7 Uhr an. Während ihnen das Mittagessen aufs Feld gebracht wird, haben sie ansonsten einen Beutel mit Essen und Trinken am Geländer ihrer Plattform zu hängen. „Ein Kaffee am Nachmittag wäre toll“, lacht Sabine Wödl. Zum Schutz gegen den Wind und den umherfliegenden Sand hat sie sich eine Schutzbrille aufgesetzt und die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Am Rande des Feldes steht ein Toiletten-Häuschen. Mit geübten Griffen sammeln die Frauen alles raus, was später nicht in die Paletten kommt. „Nur die ersten Tage ist einem ein bisschen schwindelig, dann gewöhnt man sich dran“, sagen die Frauen.

Mitte bis Ende Juni braucht die Kartoffel dann Wasser, damit der Knollenansatz gebildet werden kann. Also wurden die Felder bewässert. Was sich allerdings schon fast als zuviel erwies, da der Juli und August sehr nass waren. „Das ist viel Stress für die Kartoffel, da bildet sie weiße Pocken“, sagt Philipp Schlachte. Das „verwächst“ sich allerdings wieder. Komplizierter ist es, der Fäulnis vorzubeugen. Keine Schwierigkeiten gab es in diesem Jahr mit Schädlingen.

Beliebte Sorte

Einmal hin – einmal her, dann ist der Vorratsbehälter auf der Vollerntemaschine gefüllt. Die Traktoristen zirkeln ihre Anhänger an bereitgestellte Lkw-Hänger. Dort befinden sich jeweils neun Paletten, die befüllt werden. Jede Palette fasst etwa 1 350 Kilogramm. Die Kartoffeln sollen möglichst vorsichtig hineinfallen, denn jede Druckstelle führt beim Lagern zur Fäulnis. Wenn die Paletten voll sind, wird der Hänger abgeholt und ins Kartoffellagerhaus nach Sdier gebracht. Hier werden die Kartoffeln gelagert, aber auch gleich in Säcke gefüllt, damit sie im Hofladen verkauft werden können. Das Feld hinter Niedergurig brachte einen Ertrag von 270 Tonnen, also 270 000 Kilogramm. Geschäftsführer Udo Noack ist zufrieden. „Eine gute Ernte“, sagt er. Die Sorte Salome ist sehr beliebt bei den Kunden. Sie ist festkochend, gelbfleischig und von gutem Geschmack. „Das kommt gut an, die Sorte hat viele Fans“, sagt Philipp Schlachte. Im Hofladen werden verschiedene Sorten verkauft. Beliebt ist unter anderem auch die Adretta, die im Gegensatz zur Salome mehligkochend ist.

Als das Feld leer ist, fällt auf, dass noch immer Kartoffeln dort liegen. Die Mitarbeiter der Heidefarm haben nichts dagegen, wenn sich Anwohner oder auch die Landverpächter diese Kartoffeln holen. „Aber erst, wenn keine Technik mehr auf dem Feld ist“, bittet Udo Noack. Modernes Stoppeln zum Eigenverbrauch ist also erlaubt.

Der Hofladen der Heidefarm Sdier an der B 156 ist erreichbar unter 035934 7193.