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Sammlung in Maßen und Massen

Maik Günthers Zollstockmuseum in Ulberndorf vermittelt Geschichte. Der Baumaschinist bewahrt auch Raritäten.

© Frank Baldauf

Von Peter Salzmann

Kunterbunt, dennoch säuberlich geordnet und gut sichtbar liegen sie in Regalen, in Drehsäulen, in Vitrinen und Schränken dicht an dicht. Treppenaufgang, Vorraum und das ehemalige Schlafzimmer in der ersten Etage platzen aus allen Nähten. 22 500 Zollstöcke aus aller Herren Länder – Australien, Amerika, Schweden, England, Portugal, Italien und Tschechien – hat der 50-jährige Baumaschinist Maik Günther zusammengetragen. Er liegt damit in der Rangliste deutscher Sammler an achter Stelle, Die Zahl werde sich nicht erhöhen, weil nur noch für Exoten Platz ist, sagt er.

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Der Baggerfahrer aus Ulberndorf weiß, wovon er spricht: „Die Messstäbe sind Zeitzeugen und haben längst weltweit die Sammler weltweit auf den Plan gerufen.“ „Die Männer auf dem Bau – sympathisch und schlau“ ist auf einem Exemplar zu lesen, das ihn an den Beginn seiner Leidenschaft im Jahr 2004 erinnert. „Die Vertreter der Firmen kamen auf die Baustellen und zogen die Zollstöcke als Werbegeschenk aus der Tasche.“ Der gebürtige Schmiedeberger hat vier Kinder und zehn Enkel. Einer von ihnen ist Maximilian Doblies, der als „Sachsens jüngster Zollstocksammler“ den Zollstock-Oskar erhielt und Opas Museum mal übernehmen will.

Die Sortimente können vielfältiger nicht sein. Die Geschichte der Tierwelt vom Urknall bis zur Endzeit, die 175-jährige Eisenbahnhistorie von der „Adler“-Lok bis zum modernen ICE, die Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften sind ebenso in Text und Bild verewigt, wie alle DDR-Banknoten, die Tour de France, selbstverständlich Dynamo Dresden und Energie Cottbus. Doch auch Zeitkritik ist auf den Schmiegen verewigt, wie die „verstellbaren Winkel zum direkten Übertrag von unbestimmten Winkeln auf Werkstücke“ in Sachsen genannt werden. Zu lesen: „Hartz IV – Der Einschnitt im Jahr 2005“. Auch die „Praxisgebühr“– längst wieder abgeschafft – wird nicht ausgespart.

Sichtlich stolz präsentiert Maik Günther Zollstöcke mit der Dresdner Frauenkirche oder mit Motiven von Dresden vor und nach dem Bombardement 1945. Sternzeichen und Bauernregeln für jeden Monat gehören zur Sammlung. Allemal lehrreich ist die Deutschlandkarte mit Motiven und Fakten auf 16 Zollstöcken, die mit den Bundesländern vertraut machen. Dass Maik Günther eigene Entwürfe mit Motiven der Weißeritztalbahn beisteuerte, kam nicht von ungefähr. „Denn die Bimmelbahn soll bald wieder bis Kipsdorf fahren“, sagt der Ulberndorfer hoffnungsvoll.

Seine Ehefrau Ilona lacht verschmitzt und zwinkert mit den Augen: „Alles Sondermüll, aber man lernt auf Börsen und Treffen noch andere Verrückte aus Belgien, Österreich und Deutschland kennen, die den gleichen Vogel haben“, witzelt die Verwaltungsangestellte, die ihren Mann unterstützt und begleitet, so nach Hof bei Riesa, nach Crailshaim und 2006 nach Köthen: „In diesem Städtchen fand der 20. bundesweite Zollstock- und Kulimarkt statt.“ Eine Erinnerungsmedaille, auch Pokale und Preise zählen zur Güntherschen Sammlung.

Maik Günther zeigt in Schaukästen seine Raritäten. Das älteste Exemplar stammt von 1880 und erinnert an die Gebrüder Wichmann, die in Berlin ein „Specialgeschäft für Zeichenbedarf“ betrieben haben. Auch alte Schuhmacher-, Hut-, Handschuh- und Whisky-Maße liegen friedlich nebeneinander, als hätte es in den Zünften in längst vergangener Zeit nie Konkurrenzkämpfe gegeben.

Nivelliergeräte samt Lot, dazu das kleinste Maßdreieck mit fünf Zentimetern fehlen ebenso wenig wie das Ein-Elle-Maß, mit dem der Tuchhändler die Meterware von den Stoffballen trennte. Maik Günthers Prachtexemplar ist ein Fünf-Meter-Zollstock mit der Aufschrift „Happy Birthday“, überreicht zu seinem 50. Geburtstag von Werbemittel-Müller. Eine Besonderheit sind auch Blindenzollstöcke und verschiedene Maße aus Zeiten, in denen in deutschen Landen Fuß- und Ingenieurmaße sehr unterschiedlich waren. Doch die Wertvollsten seien die Schweden-Meter, gefertigt aus Glasbirkenholz. Ein derartiger Zollstock gilt unter Experten als „Mercedes“ und wird hoch gehandelt.

Maik Günthers Gästebuch ist lesenswert. Sammler, Journalisten, Schüler, Handwerker und Studenten, auch Politiker wie Kurt Biedenkopf haben sich anerkennend verewigt. Darunter ist auch Günter Uhlig aus dem niedersächsischen Wiedensahl. Er ist der Weltmeister der Zollstocksammler. Treffend der Eintrag eines SZ-Redakteurs: „Unglaublich – im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben in Maßen.“

Kontakt: [email protected]

www.zollstock-museum.de