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Sandsteinwerke aus Insolvenz gerettet

Das Traditionsunternehmen bekommt die Chance auf einen Neuanfang. Verzichten müssen Gläubiger und Mitarbeiter.

© Marko Förster

Von Christian Eissner

In sein Büro an der Königsbrücker Straße in Dresden hat sich Helgi Heumann einen Baluster aus Sandstein gestellt. Das schwere Stück trägt eine Kübelpflanze und erinnert den Insolvenzrechtler an Arbeit. Zwölf Monate hat Heumann als Sanierungsgeschäftsführer darum gerungen, die Sächsischen Sandsteinwerke Pirna vor der Pleite zu bewahren. Er musste einen möglichen jahrelangen Rechtsstreit um die Millionen-Euro-Forderung eines Baukonzerns verhindern und sich mit insgesamt 285 Gläubigern einigen.

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Beides ist geschafft. Gestern stimmten 166 Gläubiger-Vertreter über den Insolvenzplan zur Sanierung des Unternehmens ab. Er wurde angenommen, mit nur einer Gegenstimme, teilt die Kanzlei Heumann mit. Laut dem vom Gericht bereits bestätigten Plan erhalten die Gläubiger ihre Forderungen zu 17 Prozent ausgezahlt – insgesamt knapp 700 000 Euro. Jene 30 Mitarbeiter, denen die Sandsteinwerke während der Insolvenz kündigten, bekommen laut Heumann in den nächsten Monaten die Abfindungen aus dem vereinbarten Sozialplan ausgezahlt sowie noch offene Restlohnansprüche.

Bereits vergangene Woche hatten sich die Sandsteinwerke und die BAM Deutschland AG geeinigt, den Streit um Leistungen am Neubau des Potsdamer Stadtschlosses beizulegen. Die BAM hatte den Sandsteinwerken im Herbst 2012 den Großauftrag für Fassaden-Elemente gekündigt, nachdem er zu rund 70 Prozent fertiggestellt war. Man stritt sich unter anderem um Zeitverzug. Beide Seiten beharkten sich gegenseitig mit hohen Ansprüchen von bis zu 4,5 Millionen Euro, die Schlossfassade vollendete ein anderes Unternehmen.

Die Einigung mit der BAM bezeichnet Heumann als einen „Sieg der Vernunft“. Die Sandsteinwerke bekommen Geld für ihre Arbeiten am Schloss – wohl weit weniger als erhofft – und garantieren im Gegenzug zehn Jahre lang für die Qualität ihrer Leistungen. Ohne die Einigung, sagt Heumann, wäre der Schritt aus der Insolvenz nicht möglich gewesen. „Wir können wieder frei am Markt agieren.“

Und auch verlässlicher, verspricht Helgi Heumann. Denn neben einer zeitweise schwierigen Auftragslage und der Konkurrenz durch Billigimporte hatten auch Fehler des früheren Managements das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geführt. Man habe deshalb Betriebsabläufe optimiert, den Vertrieb neu organisiert und die gesamte Produktion am Standort „Kleine Mühle“ in Pirna-Rottwerndorf konzentriert. Auch die Verwaltung soll bald dorthin ziehen. Den bisherigen Verwaltungssitz in der Pirnaer Bahnhofstraße wollen die Sandsteinwerke aufgeben.

Bei der Auftragsakquise gebe es ebenfalls Änderungen, erklärt Heumann. Das Unternehmen werde keine Aufträge mehr annehmen, bei denen es Subunternehmer brauche. Heumann: „Wir werden uns auf das konzentrieren, was wir können: Das Bearbeiten und Liefern von Sandstein.“ Die Auftragslage ist nach Angaben der Geschäftsführung gut. „Wir blicken zuversichtlich ins Jahr 2014“, sagt Sandsteinwerke-Geschäftsführer Johannes Roßrucker. „Wir haben gute Aussichten, einen größeren Sanierungsauftrag für das Schloss Sanssouci in Potsdam zu erhalten. Und der in unseren Steinbrüchen abgebaute Sandstein wird wohl auch am Neubau des Berliner Stadtschlosses Verwendung finden.“

Dass die Insolvenz abgewendet ist, haben die Sandsteinwerke nicht zuletzt auch ihren Mitarbeitern zu verdanken. Die derzeit 62 Festangestellten haben auf einen Teil ihres Lohns verzichtet – und werden das auch weiter tun. So wird dieses Jahr kein Weihnachtsgeld ausgezahlt und 2014 nur zu einem Drittel. Eine beschlossene Tariferhöhung wird nicht sofort wirksam, sondern schrittweise über drei Jahre.

Helgi Heumann selbst will noch im Unternehmen bleiben, bis im kommenden Jahr alle Zahlungen aus der Insolvenzvereinbarung erledigt sind. Ums operative Geschäft werde er sich aber nicht mehr kümmern, kündigt er an.