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Saxonia-Besitzer wütend auf Landratsamt

Zwei Jahre lang wurde das Riesaer Hotel als Asylunterkunft genutzt. Der Zustand des Hauses sorgt jetzt für Streit.

Die Asylbewerber sind raus. Jetzt sucht Paul Kugler einen Käufer oder Pächter für das Hotel Saxonia. Der Stadt hat er es vergeblich als mögliches Obdachlosenheim angeboten. Es sei aber auch gut für einen Swingerclub geeignet.
Die Asylbewerber sind raus. Jetzt sucht Paul Kugler einen Käufer oder Pächter für das Hotel Saxonia. Der Stadt hat er es vergeblich als mögliches Obdachlosenheim angeboten. Es sei aber auch gut für einen Swingerclub geeignet. © Sebastian Schultz

Riesa. Von außen aus sieht das frühere Hotel Saxonia am Riesaer Bahnhof fast unverändert aus. Aber von innen. „In dem Zustand kann ich das doch keinem als Hotel anbieten“, sagt Besitzer Paul Kugler. Er zeigt auf die Edelstahlteile der Hotelküche, die demontiert verstreut im Gewölbekeller liegt. Er zeigt auf Löcher im Teppichbelag des Treppenhauses. Auf eine offenkundig rausgetretene Türzarge eines Hotelzimmers. Auf dunkle Flecken in der Auslegware, die sich in Fluren wie Zimmern finden.

Der Unternehmer aus Moers hatte das Traditionshaus nach mehreren Pächter-Wechseln 2015 ans Landratsamt vermietet – als Unterkunft für 84 Asylbewerber. Das brachte ihm 8 400 Euro Miete monatlich. Bis vor wenigen Tagen – Ende November lief der Mietvertrag aus, auch wenn die Bewohner schon im April auszogen. „Der Landkreis hatte lange genug Zeit, das Haus in Ordnung zu bringen“, sagt Kugler.

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Dieser Tage hatte er einen Termin im Landratsamt, drei Personen hätten ihm gegenüber gesessen. „So eine Sturheit habe ich noch nicht erlebt.“ Der Landkreis weigere sich, das Objekt nach dem Auszug in Ordnung zu bringen. Dabei habe er das 2015 mit dem damaligen Amtsleiter so besprochen. 

„Mein Sohn ist Zeuge, der kann das eidesstattlich versichern.“ Vereinbart gewesen sei, die Hotelküche zugunsten einer Reihe normaler E-Herde und Spülen zu demontieren – aber anschließend wieder zurückzubauen. Auch die Toilette, die zwischenzeitlich in einen Waschmaschinenraum verwandelt wurde, hätte in ihren Ursprungszustand gebracht werden müssen. 

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Bevor das Saxonia in Riesa als Asylquartier bezogen wurde, erlaubte das Landratsamt 2016 einen Einblick.

„Tatsächlich hat das Landratsamt nichts dergleichen gemacht – und nicht mal vorgerichtet, wie es eine Selbstverständlichkeit wäre. Jetzt stinkt das hier wie in einem Affenstall, alles ist dreckig und heruntergewirtschaftet. So habe ich das Haus nicht übergeben!“

Beim Landratsamt weist man die Vorwürfe zurück: Man habe nie zugesichert, Küche und Toilette in Ursprungszustand zu bringen. Alle Rechte und Pflichten seien schriftlich im Mietvertrag fixiert worden, sagt Dezernent Manfred Engelhard. „Von Rückbau war nie die Rede. Vielmehr hat sich der Landkreis vor Vertragsschluss auf ausdrücklichen Wunsch des Vermieters sogar verpflichtet, auf eigene Kosten das Saxonia durch Umbauten erst für den Mietzweck tauglich zu gestalten.“

Andernfalls wäre die Vermietung gar nicht infrage gekommen. Auch eine Endrenovierung habe nicht im Vertrag gestanden: Das Objekt sei als gebraucht und unsaniert angemietet worden. Teppichböden und Inventar seien derart alt, dass es Sache des Vermieters sei, sie zu erneuern. Das Angebot einer professionellen Teppichreinigung durch den Landkreis habe der Besitzer abgelehnt.

Kugler sieht das anders. Er will aber wegen schlechter Erfahrungen vor Gericht dennoch keine Klage einreichen. Nach wie vor bestehe er aber auf einer Zahlung von 8 000 Euro – so viel habe die Inventarversicherung gekostet, die er in der Zeit für das Saxonia abgeschlossen habe. Der Kreis habe ihm seinerzeit zugesichert, deren Beiträge zu übernehmen.

Auch das weist Dezernent Engelhard zurück. Das sei nicht vereinbart gewesen. „Die Dinge standen zwar nicht im Mietvertrag“, sagt Kugler. „Aber ich habe mich auf das Wort des Amtsleiters verlassen. Wem soll man überhaupt noch vertrauen, wenn nicht dem Amt?“

Der Besitzer sucht nach wie vor einen Käufer oder Pächter für das Hotel Saxonia: [email protected]

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