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Schandflecken verschwinden

Im früheren Großröhrsdorfer Lehrlingsheim sollen Wohnungen entstehen. In einer alten Fabrik an der Mühlstraße auch.

© Reiner Hanke

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Der Glanz des früheren Fabrikantenhauses gegenüber von Wreesmann in Großröhrsdorf ist schon lange verblasst, der Putz bröckelt. Der Gründerzeitbau soll sich architektonisch wohl an den venezianischen Stil anlehnen, heißt es unter Heimatkundigen.

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Dieses Fabrikgebäude an der Mühlstraße gehörte ursprünglich zum Bandhersteller C. F. Weidnitzer.
Dieses Fabrikgebäude an der Mühlstraße gehörte ursprünglich zum Bandhersteller C. F. Weidnitzer. © Reiner Hanke

Wenn von dem Gebäude an der Bischofswerdaer Straße 27 die Rede ist, dann aber meist als vom früheren Lehrlingswohnheim. Das war es bis 1997 und gehörte dem Landkreis. Der verkaufte den Bau Anfang des Jahrzehnts. Seitdem befand sich das Gebäude im Besitz eines norwegischen Eigentümers. Der hatte auch durchaus Pläne, erinnert sich Bürgermeisterin Kerstin Ternes. Auch das Großröhrsdorfer Pflegeheim Pro-Seniore war wohl als Partner im Gespräch. Doch der Kontakt sei abgebrochen und Stillstand eingetreten.

Erst jetzt kam wieder Bewegung in die Sache, als ein Verwalter den Auftrag erhielt, das Gebäude zu vermarkten. Das soll nun in den Besitz der NP Immobilienbeteiligungsgesellschaft als neuer Eigentümerin übergehen. Das Unternehmen hat neben dem Sitz Baden-Württemberg einen Standort in Dresden. So kann der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, Claus Neth, in der Landeshauptstadt und ihrer Umgebung seit 1993 eine Reihe von Referenzobjekten vorweisen, die erworben und saniert wurden. Darunter auch etliche Häuser aus der Gründerzeit.

In diese Reihe gehört auch das Großröhrsdorfer Gebäude. In der Liste der denkmalgeschützten Großröhrsdorfer Gebäude wird sie als gründerzeitlicher Putzbau mit Stilelementen der Neorenaissance beschrieben mit baugeschichtlicher Bedeutung. Im Jahr 1879 sei das Wohn- und Geschäftshaus Firma Gebler-Schöne errichtet, ist historischen Quellen zu entnehmen. Die Unternehmer waren in der Bänderbranche tätig. In dem Gebäude befand sich bis 1900 auch das Postamt.

Der Bau soll nun in altem Glanz erstrahlen. Die Stadt hofft, dass mit dem neuen Eigentümer nun die Sanierung in Sichtweite kommt. So gab der Rat auch seine Zustimmung, das städtische Gelände neben der Villa ebenfalls an den Investor zu verkaufen. Die unbebaute Fläche von etwa 1 200 Quadratmetern soll Raum für Parkplätze und Begrünung schaffen. Im Gebäude sollen Wohnungen entstehen. Die Stadt ist einerseits zuversichtlich, aber auch vorsichtig geworden. Für den Fall, dass sich doch nichts tut, sicherte sie sich als Verkäufer des Nachbargrundstückes die Rückübertragung.

Besser wäre es freilich, der Ausbau beginnt zügig. Etwa zehn Wohnungen sollen entstehen. Und Wohnraum werde gebraucht, schätzt die Bürgermeisterin ein. Außerdem seien die Bedingungen für Investitionen angesichts niedriger Zinsen besser denn je. Bei der städtischen Wohnungsgesellschaft sei kaum etwas frei. Vor allem werden größere Wohnungen gesucht, über 70 Quadratmeter. So tut sich zur Freude der Stadt noch mehr im Mehrfamilienwohnungsbau. Ein neues Mehrfamilienhaus entstehe an der Weststraße. Aber gerade alte Fabriken stehen derzeit offenbar für Wohn-Pläne im Fokus.

Schon ein Stück weiter als die Investition am Lehrlingswohnheim ist eine Sanierung an der Mühlstraße. Dort soll ein weiterer Schandfleck verschwinden. Der Gebäudekomplex einer ehemaligen Bandfabrik wird laut Stadt momentan entkernt. Auch dieses Gebäude steht schon lange leer. Früher wurden hier zum Beispiel Mieder- und Hutbänder hergestellt. Nach der Verstaatlichung zu DDR-Zeiten war schnell Schluss mit der Produktion. Ähnlich wie im Fall des Fabrikatenhauses an der Bischofswerdaer Straße, wurde der Bau ebenfalls zum Wohnheim umfunktioniert, allerdings für Gastarbeiter. Nach der Wende kam noch für einige Jahre eine Elektro-Firma hier unter. Auch in dieser Ex-Bandweberei sollen Wohnungen entstehen.

Das gilt ebenso für das Projekt in der ehemaligen Weberei Johann Christoph Gottfried Schöne (Bischofswerdaer Straße 101). Hier produzierte zuletzt Holthaus Meditex bzw. Temedia bis zur Verlagerung der Niederlassung nach Bischofswerda. In dem Gebäudekomplex sollen Wohnen und Arbeiten im historischen Industriebau Realität werden.