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Geld für abgeschobenen Schauspieler

Falak S. musste kurz vor der Premiere des Zittauer Theaterstücks "Endland" nach Afghanistan zurück. Dort muss er sich versteckt halten, weil ihm Folter droht.

Szene aus dem Stück "Endland", für das Falak (Mitte) bis zu seiner Abschiebung geprobt hatte.
Szene aus dem Stück "Endland", für das Falak (Mitte) bis zu seiner Abschiebung geprobt hatte. © Theater/Pawel Sosnowski

Es ist eine gute Nachricht: Die erste Spende konnte jetzt nach Afghanistan gesendet werden. Über einen sicheren Kanal hat Falak S. das Geld erhalten. Das ist nicht selbstverständlich. In Afghanistan ist alles unsicher und gefährlich. In Corona-Zeiten ist es noch viel schlimmer. Die Abgeschobenen werden dafür verantwortlich gemacht, dass dieses Virus ins Land gekommen ist. "Falaks Leben ist wirklich in Gefahr", berichtet Katja Schreier, die regelmäßig Kontakt zu dem jungen Afghanen hat. "Keiner darf wissen, dass er wieder da ist." Aus diesem Grund halte er sich auch versteckt. Und deshalb sei es auch besser, nicht seinen vollen Namen zu nennen, so Katja Schreier weiter. Damit die afghanischen Behörden nicht auf ihn aufmerksam werden.

Wie gefährlich es sein kann, weiß Katja Schreier von den Berichten einer Frau, die selber zwei abgeschobene junge Männer in Afghanistan betreut. Einer dieser Männer wurde gefoltert, als man bei ihm sein Handy mit Kontakten nach Deutschland fand. Auch Falak könnte das drohen, hat er doch auch deutsche Kontakte auf seinem Telefon. Und nicht nur den von Katja Schreier. Der junge Afghane ist immer noch in der WhatsApp-Gruppe des Zittauer Theaterjugendclubs (TJC). Falak, der 2015 nach Deutschland gekommen war und seitdem fleißig Deutsch gelernt hatte, engagierte sich seit drei Jahren im TJC.

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Drei Tage vor der Premiere abgeschoben

Mit den jungen Darstellern sollte Falak jetzt im Stück "Endland" auf der Zittauer Bühne stehen. Doch drei Tage vor der Premiere wurde der 21-Jährige abgeschoben. "Er hatte uns kurz vor zehn angerufen und mitgeteilt, dass er ab heute nicht mehr in Deutschland ist", erinnert sich Patricia Hachtel, die den Theaternachwuchs betreut und bei "Endland" Regie führt. Man habe sofort alles versucht, die Abschiebung zu verhindern. Ohne Erfolg. Wenige Stunden später hobt der Flug nach Kabul ab.

Auch Schauspielchefin Dorotty Szalma setzte sich persönlich für Falak ein. Sie sei traurig und enttäuscht, dass die Abschiebung nicht verhindert werden konnte. Den hiesigen Behörden wolle sie aber keine Vorwürfe machen, betont Frau Szalma. So war die Polizistin, die Falak verhaften musste, mit ihr sogar zur Ausländerbehörde gegangen.

Wenn sie schon die Abschiebung nicht verhindern konnten, so wollen die Theaterleute dem jungen Afghanen doch helfen, zu überleben. In Afghanistan gebe es kaum Möglichkeiten, Geld zu verdienen, weiß Katja Schreier, die auch Schauspielerin ist. Sie hatte deshalb einen Spendenaufruf für Falak gestartet. Erstmal kann das Geld nur bar gesammelt werden, bis eine bessere Lösung gefunden ist. So könnte ein gemeinnütziger Verein ein Spendenkonto einrichten. Etwa 150 Euro sind im Monat nötig, um eine Bleibe mieten und Essen kaufen zu können. Dorotty Szalma hofft, dass viele mithelfen, den abgeschobenen Jungschauspieler zu helfen.

Abschiebungen wegen Corona gestoppt

Falaks Rolle in "Endland" soll unbesetzt bleiben - um auf der Bühne zu demonstrieren, was die Abschiebung von gut integrierten Geflüchteten hinterlässt: eine Lücke in der Gesellschaft.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Premiere Mitte März abgesagt werden. Bis Ende Mai wird sie nicht nachgeholt, da bis dahin das Theater alle Vorstellungen abgesagt hat. Ob  "Endland" in dieser Spielzeit überhaupt noch auf die Bühne kommt, ist derzeit unklar. Wann auch immer die Premiere stattfindet, Falak wird kaum dabei sein können. Abgeschobene haben meist ein Einreiseverbot für etwa drei Jahre, erklärt Katja Schreier und fügt hinzu, dass es danach ein Ding der Unmöglichkeit sei, ein Visum zu bekommen.

Bitter findet Katja Schreier, dass Falak am 11. März abgeschoben wurde. Eine Woche später wurden wegen der Corona-Pandemie vorerst alle Rückführungen gestoppt. 

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