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Schlammlawine ergießt sich in Oderwitz

Starkregen hat in der Nacht zum Montag Erde von einem Feld Hunderte Meter weit eine Straße entlang gespült. Und das ist nicht das einzige Ereignis im Kreis Görlitz.

Großreinemachen nach der Überflutung am Montagmorgen: Gernot Fünfstück karrt Schlamm von seinem Grundstück am Langen Garten in Oberoderwitz.
Großreinemachen nach der Überflutung am Montagmorgen: Gernot Fünfstück karrt Schlamm von seinem Grundstück am Langen Garten in Oberoderwitz. © Jana Ulbrich

Oderwitz. Am Morgen steht Gernot Fünfstück im Schlamm. Knöcheltief ergießt sich die breiige, braune Masse über sein Grundstück. Und nicht nur über Fünfstücks. Die gesamte Straße am Langen Garten in Oberoderwitz ist von Schlammmassen überflutet. Hunderte Meter weit haben sie sich in der Nacht zum Montag vom angrenzenden Feld am Kühnelberg ihren Weg nach unten gebahnt. Das Getreidefeld war wenige Tage zuvor abgeerntet worden.

"Sowas hatten wir hier noch nie", schüttelt Gernot Fünfstück den Kopf und hievt die nächste vollgeschaufelte Schubkarre hoch. Er hat aufgehört zu zählen, die wievielte Karre das an diesem Morgen schon ist. Und immer noch ist kein Land zu sehen auf seinem Grundstück.

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Hartmut Junge vom Bauamt der Gemeinde hat alle verfügbaren Mitarbeiter des Bauhofs zusammengetrommelt. "Wir lassen erst einmal alles andere stehen und liegen", sagt er. "Hier wird jetzt jede Hand gebraucht." Denn der Schlamm wird trockener und immer fester, je länger er liegenbleibt. Deswegen muss das Zeug auch  so schnell wie möglich wieder weg. Feuerwehrleute sind mit zwei Radladern, einer Kehrmaschine und einem Lkw im Einsatz. Die Agrargenossenschaft will auch noch Fahrzeuge schicken.

Alle verfügbaren Mitarbeiter des Oderwitzer Bauhofs - hier im Bild Volker Weber - helfen den betroffenen Anwohnern bei der Schlammberäumung.
Alle verfügbaren Mitarbeiter des Oderwitzer Bauhofs - hier im Bild Volker Weber - helfen den betroffenen Anwohnern bei der Schlammberäumung. © Jana Ulbrich

Auch Bürgermeister Cornelius Stempel ist gleich am Morgen zu den betroffenen Anwohnern gekommen und verspricht, dass ihnen unkompliziert geholfen wird. "Das ist in so einer Situation doch selbstverständlich", sagt er. Die Mitarbeiter des Bauhofs schaufeln auf den Grundstücken der betroffenen Anwohner kräftig mit.

Die Feuerwehrleute und die Anwohner sehen müde aus. Schon kurz vor halb zwei ist die Nacht für sie alle zu Ende. Gisela Arlt, Fünfstücks Nachbarin, ist die erste, die wach wird und die Schlammlawine kommen sieht. 1.22 Uhr wählt sie den Notruf. "Es war schrecklich", sagt die 67-Jährige, die immer noch sehr aufgeregt ist. Ihr Haus ist eines von dreien an der Straße, in denen sich die Schlammmassen auch in Keller und Garagen ergossen haben.

Eine Schlammlawine hat sich in der Nacht zum Montag über die gesamte Straße am Langen Garten in Oderwitz ergossen. Am Morgen danach hieß es Großreinemachen.
Eine Schlammlawine hat sich in der Nacht zum Montag über die gesamte Straße am Langen Garten in Oderwitz ergossen. Am Morgen danach hieß es Großreinemachen. © Jana Ulbrich

"Die Anwohner hatten wirklich Glück im Unglück", sagt der Oderwitzer Gemeindewehrleiter Alexander Pollier. "Die Schäden beschränken sich vor allem auf die Gärten und Grundstücke. Es hätte schlimmer kommen können." Pollier spricht von einem "punktuellen Ereignis". Zu solchen lokalen Überschwemmungen nach Starkregengüssen müsse die Feuerwehr in letzter Zeit häufiger ausrücken, weiß der Wehrleiter. In dieser Nacht sind die Oderwitzer mit 28 Mann im Einsatz.

Die Kameraden, die auch tagsüber verfügbar sind, sind auch am nächsten Tag weiter vor Ort. Es sind tonnenweise Schlammmassen, die sich die gesamte Straße am Langen Garten und am Kühnelberg entlang ergossen haben. Gegen Mittag entscheidet der Einsatzleiter, noch weitere Feuerwehrleute zur Hilfeleistung zu alarmieren. "Es ist kaum zu schaffen", sagt Daniel Schädlich von der Oberoderwitzer Ortsfeuerwehr. Er schätzt, dass die Aufräum- und Säuberungsarbeiten noch bis zum Abend dauern werden.

In 24 Stunden fast eine Monatsmenge Regen

Der Lange Garten in Oderwitz ist in dieser Nacht nicht der einzige Einsatzort für die Feuerwehren aus dem Landkreis. Insgesamt 14 Notrufe sind bei der zentralen Rettungsleitstelle in Hoyerswerda eingegangen, unter anderen aus Leutersdorf, Kittlitz, Löbau, Bertsdorf-Hörnitz und Seifhennersdorf. Im Gegensatz zu Oderwitz seien das aber nur kleinere Schäden wie abgebrochene Äste und stellenweise überschwemmte Straßen gewesen. In Leutersdorf war ein Keller vollgelaufen.  

Vom Sonntag- bis zum Montagmorgen sind im Raum Löbau-Zittau örtlich bis zu 52 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. "Das ist fast schon eine ganze Monatsmenge, die da innerhalb von 24 Stunden heruntergekommen ist", sagt Sebastian Manns vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Normalerweise liegen die durchschnittlichen Regenmengen im August bei 70 Litern pro Quadratmeter.

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Auch am Montag rechnen Meteorologen für den Landkreis Görlitz  mit örtlichen  Starkregenschauern und Gewittern, bei denen Regenmengen von mehr als 10 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde fallen können. Die Unwetterzentrale Sachsen hat für den Landkreis die Vorwarnstufe Gelb, die dritte von sechs Warnstufen, ausgerufen.

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