merken
PLUS Döbeln

Schlechte Karten für Dauercamper

An der Talsperre Kriebstein sind die permanenten Stellflächen heiß begehrt. Auf zwei Plätzen gibt es sogar Wartelisten.

Bernd (links) und Rita Grau sowie ihr langjähriger „Zeltnachbar“ Michael Triemer campen seit fast fünf Jahrzehnten auf dem Platz in Lauenhain. Später soll der Stellplatz einmal von ihren Kindern oder Enkeln übernommen werden.
Bernd (links) und Rita Grau sowie ihr langjähriger „Zeltnachbar“ Michael Triemer campen seit fast fünf Jahrzehnten auf dem Platz in Lauenhain. Später soll der Stellplatz einmal von ihren Kindern oder Enkeln übernommen werden. © Dietmar Thomas

Das Wochenende naht. Auf dem Dauercampingplatz in Lauenhain zieht Leben in die liebevoll hergerichteten Parzellen ein. Neben dem Fähranleger sitzt das Ehepaar Rita und Bernd Grau mit Nachbar Michael Triemer am Tisch und spielt Karten. „Das machen wir nicht jeden Tag, aber das Wetter hat nicht zum Fahrradfahren eingeladen. Da sind wir beim Skat hängengeblieben“, sagt Rita Grau. 

Direkt am Ufer der Zschopau genießen die Ruheständler aus Chemnitz die wärmenden Strahlen der durch die Wolkendecke brechenden Sonne. Sie blicken direkt auf den Fluss, auf dem gerade ein Paddler seine Bahn zieht. Die Grau’s sind ebenso wie ihr Nachbar Dauercamper. Mittlerweile seit fünf Jahrzehnten. Bernd Grau ist sogar der dienstälteste Camper auf dem Platz. Vor 50 Jahren hatte er im Alter von 15 Jahren mit einem kleinen Hauszelt begonnen. Zwei Jahre später lernte er auf dem Falkenhainer Campingplatz seine Ehefrau kennen.  „Eine glückliche Fügung sozusagen“, sagt diese lachend und fügt an: „Am 13. August 1972.“ 

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Ihnen habe es hier gefallen und so seien sie im Sommer immer nach Falkenhain zurückgekommen. Nach und nach entwickelte sich die Ausrüstung. Ein großes Zelt und ein Podest kamen hinzu. In den ganzen Jahren erlebten die Dauercamper auch Umgestaltungen des Platzes mit. „Früher musste im Winter abgebaut werden“, erzählt Bernd Grau. „Da war für Auf- und Abbau jeweils ein Wochenende weg, das war immer wie ein halber Umzug“, schildert seine Frau. Jetzt bliebe der nach der Wende angeschaffte Wagen und der Vorbau, der immer „bomforzionöser“ werde, stehen.

„Für 50 Euro Winterstandgebühr. Die zahlen wir gerne, denn dann können wir den ganzen Krempel hierlassen“, sagt Bernd Grau. In diesem Jahr konnte das Ehepaar ihr Freizeitdominzil erst einmal nicht nutzen. Doch seit es möglich ist, sind die Chemnitzer wieder vor Ort. Erst, um Ordnung zu schaffen, und jetzt, um wieder die herrliche Natur genießen zu können. Sich von dem Stellplatz zu trennen, daran verschwenden die Graus keinen Gedanken. Vielmehr ständen schon zwei Generationen in den Startlöchern, die den Stellplatz übernehmen wollen. „So ist es gedacht“, sagt Bernd Grau und Ehefrau Rita fügt an: „Aber wir nutzen es, so lange wir noch rumkrabbeln können.“

Dass die Standplätze in Falkenhain äußerst begehrt sind, kann auch die Platzwartin Angelika Hentzschel bestätigen. „Der Dauercampingplatz ist voll“, sagt sie und erklärt, dass sie bislang auch mit der Auslastung des normalen Campingplatzes zufrieden sei. Himmelfahrt und Pfingsten sei der Platz richtig voll gewesen, da habe sie sogar Camper wegschicken müssen. „Das mache ich nicht gerne, das war das erste Mal. Ich versuche immer, für die Leute ein Plätzchen zu finden“, sagt die Platzwartin. Jetzt würde es auch wieder mehr Anfragen geben, zumal seit Freitag die Duschen und die Campingküche benutzt werden dürfen. Corona habe, abgesehen von den Hygienemaßnahmen, nur wenige Auswirkungen gehabt. Eigentlich seien die Beschränkungen zur richtigen Zeit gekommen. „Die Sanitäranlagen sind seitdem hergerichtet worden“, sagt die Platzwartin. Damit sei sie sehr zufrieden.

Auch bei Platzwartin Kerstin Schubert auf dem Campingplatz Mittweidaer Aue sieht es für Interessenten in puncto permanenter Camping-Parzelle eher schlecht aus. „Es ist nichts frei, alle Plätze sind belegt“, sagt sie. „Es gibt schon Anfragen, aber wenn nichts frei ist, muss man warten, bis jemand seinen Platz altersmäßig abgibt.“ Dass nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen alle raus in die Natur wollten, hat die Platzwartin an den vielen Anfragen von Durchgangscampern in den vergangenen Wochen gemerkt. „Alle wollten kommen. Das Telefon stand gar nicht still. Leider musst ich vielen auch absagen, da der Platz relativ klein ist“, sagt Kerstin Schubert.

Ähnliche Erfahrungen machte Rolf Jordan auf dem Campingplatz in Kriebstein. „Seit wieder offen ist, war ganz schön Betrieb“, sagt der Platzwart. „Himmelfahrt und Pfingsten hat es richtig gebrummt“, fügt er an. Aufgrund der Corona-Bestimmungen waren die Gemeinschaftsräume und Duschen zwar noch geschlossen, doch die meisten Campingfreunde hätten das akzeptiert, und seien zufrieden gewesen. „Klar sind manche auch etwas verärgert, aber recht machen kann man es ohnehin nicht allen“, sagt der Verantwortliche des Platzes, auf dem auch Wohnmobile und Campingwagen anreisen. „Die haben ihre sanitären Einrichtungen dann ohnehin drin“, erklärt er, was es für die Campingfreunde in Zeiten der Corona-Beschränkungen schon ein Stück angenehmer machen würde.

Zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf zeigt sich auch der Geschäftsführer des die drei Campingplätze betreibenden Zweckverbandes Kriebsteintalsperre, Thomas Caro. „Mit Pfingsten und Himmelfahrt auf jeden Fall, jetzt könnte es etwas mehr sein“, sagt der Verantwortliche, der aufgrund der Corona bedingten Reisebeschränkungen allerdings mit reichlich Andrang im Sommer rechnet. „Ich denke, dass der Inlandstourismus davon profitiert“, sagt Thomas Caro und verdeutlicht noch einmal die Nachfrage der Talsperre für Dauercampingfreunde. „In Kriebstein wäre vielleicht noch etwas möglich, aber auf den anderen beiden Plätzen ist alles belegt. Da gibt es Wartelisten.“

Mehr zum Thema Döbeln