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Schlechtes Foto rettet Autofahrer vor Bußgeld

Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Messung korrekt war. Ein Rotlichtsünder hatte weniger Glück.

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Schneller, als sie glauben, tappen Autofahrer in Radarfallen. Die meisten zahlen treu und brav. Andere wiederum suchen nach Möglichkeiten, ihrer Strafe zu entgehen. So wie der Beschuldigte, der an einem Märztag vorigen Jahres auf der Dorfstraße in Diera schneller war als die Polizei erlaubt. Abzüglich der Toleranz kam er mit seinem Seat auf 51 Kilometer pro Stunde. Erlaubt sind 30. 80 Euro und ein Punkt in Flensburg waren die Konsequenz. Doch der Mann zweifelt die Messung an, zieht vor Gericht. Ein Gutachter wird bemüht. Doch auch der kann nicht hundertprozentig sagen, ob die Messung in Ordnung war. Das Radarmessgerät mit digitaler Bildaufzeichnung des Landratsamtes muss exakt parallel zur Fahrbahn aufgestellt sein. Nur so ist gewährleistet, dass der Einstrahlwinkel 22 Grad beträgt. Ist der Einstrahlwinkel größer oder kleiner, wird eine höhere oder niedrigere Geschwindigkeit als die tatsächliche angezeigt. Normalerweise lässt sich anhand des Fotos nachweisen, dass die Messung exakt war. Durch Fahrbahnmarkierungen oder Bordsteinkanten ist ersichtlich, ob das Messfahrzeug parallel zur Straße stand. Hier ist das aber nicht der Fall. Die Qualität des Fotos ist äußerst schlecht. Es ist verwaschen, hat keine Kontrastschärfe. Offenbar war an diesem Wintertag die Linse beschlagen. Hinzu kommt, dass es zu schneien begann. So ist keine Fahrbahnmarkierung mehr zu erkennen. Eine Schrägfahrt des Autos, die zu falschen Messergebnissen führen könnte, ist zwar auf dem Foto nicht zu erkennen, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Richterin Gritt Kutscher entscheidet zu Gunsten des Angeklagten und stellt das Verfahren ein. Die Kosten werden der Staatskasse auferlegt, seine eigenen Kosten muss der Angeschuldigte tragen. Kein Problem für ihn, denn die zahlt seine Rechtsschutzversicherung. Fehler habe der Mitarbeiter des Landratsamtes beim Messen offenbar nicht gemacht. „Vielleicht hätten Sie mit der Kontrolle aufhören sollen, als es zu schneien begann“, sagt sie ihm.

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