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Schluss für den Gesundheitstempel?

Anke Hänsel betreibt in Niesky die Sauna am Waldbad. Jetzt sucht sie einen Nachfolger. Sonst ist ab April 2015 zu.

© Jens Trenkler

Von Carla Mattern

Da muss doch was zu machen sein, damit die Sauna am Waldbad nicht schließt! Diese Meinung von Nieskyer Saunagängern fand jetzt sogar Gehör im Nieskyer Stadtrat. Frank Mrusek nutzte die Anwesenheit des Geschäftsführers der Stadtwerke Niesky, Holger Ludwig, aus, um zu fragen, ob stimmt, was in Niesky erzählt wird. „Ist Ende März im kommenden Jahr wirklich Schluss mit der Sauna?“, fragte der Stadtrat, der bis zur Neuwahl eines Oberbürgermeisters als Stellvertreter auch die Ratssitzungen leitet. Der Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Ludwig auf die Frage: „Frau Hänsel hat mitgeteilt, dass zum 31. März 2015 der Saunabetrieb eingestellt wird“. Saunafreunde hätten sich auch bei den Stadtwerken gemeldet und gesagt, dass sie erwarten, dass die Sauna geöffnet bleibt. Doch die Stadtwerke hätten sich bereits vor Jahren bewusst entschieden, die Sauna nicht selbst zu betreiben.

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Anke Hänsel macht das schon seit Jahren mit großer Begeisterung. Anfangs war sie für ihre Mutti Gudrun Poprawa in die Bresche gesprungen und hatte die Sauna am Waggonbau übernommen. Das war 2003. Fast alle Saunagänger sind dann mit ihr von der Sauna am Waggonbau in die Sauna am Waldbad gewechselt. Die hatte Anke Hänsel im Januar 2009 übernommen und die damals schon drohende Schließung damit abgewendet.

Mittlerweile sind fast 12 Jahre ins Land gegangen. Nicht nur zwischen den Saunagästen sind Freundschaften entstanden. „Ich sage immer, man muss Menschen mögen und darf keine Hemmschwelle haben“, so Anke Hänsel. Sie sagt schon jetzt: „Es wird mir sehr fehlen, meine Kundschaft aufzugeben“. Aber sie hat entschieden, dass der 31. März 2015 ihr letzter Tag als Saunabetreiberin sein wird. Was deshalb in Niesky erzählt wird, das ärgert die Frau aus See. Es stimmt vieles nicht, sagt sie. Es gibt einige Gründe, warum sie die Sauna abgeben will. Der wichtigste ist Sohn Albert. Er kommt nächstes Jahr in die Schule. Da kann sie nicht an mehreren Abenden in Niesky in der Sauna sein. „Das ist eine Muttisache, da muss ich handeln“, so Anke Hänsel.

Ein weiterer Grund: Die Steuer für Saunabetreiber wird von sieben auf 19 Prozent erhöht. Zählte Saunieren bisher wie das Anwenden eines Heilmittels und damit zur Gesundheitsvorsorge, soll es künftig besteuert werden wie Angebote aus dem Wellnessbereich. Diese Steuer auf die Gäste umlegen, das sei aber nicht möglich, ist sich Anke Hänsel sicher. In den vergangenen Jahren mit den immer weiter wachsenden Strompreisen hat sie schon die Eintrittspreise erhöhen müssen. Zehnerkarten kosten beispielsweise 90 Euro, Fünferkarten 50 Euro. Sie sind fünf beziehungsweise drei Monate gültig. So geht sie auf Kundenwünsche ein. Etwa 130 Stammkunden nutzen die Sauna am Waldbad, viele das ganze Jahr über, manche eher in der kalten Jahreszeit. Anke Hänsel hat sich darauf eingestellt. Über den Sommer ist an drei Tagen in der Woche die Sauna geöffnet, jetzt wieder an sechs Tagen. Unterstützt wird sie dabei von einer Angestellten.

Von Beruf ist die Frau aus See Agraringenieurin. Die 40-Jährige engagiert sich auch bei der Bürgerbewegung in Niesky, und hat bei der Ortschaftsratswahl im ersten Anlauf 145 Stimmen bekommen. Sie ist als Friedensrichterin aktiv, und arbeitet in der Physiotherapie Taubert einige Stunden täglich auch in der Anmeldung mit. Jetzt will sie sich beruflich noch einmal verändern, den an der Rostocker Uni gemachten Ingenieur in die Waagschale werfen, sich in Richtung Landwirtschaft orientieren.

Dass es in der Sauna am Waldbad weitergeht, das wünscht sie ihren Kunden und würde gerne an einen Nachfolger übergeben. Auch die Stadtwerke als Verpächter sind offen für Bewerber, die sich mit Ideen und Konzepten vorstellen und sich bereiterklären, die Sauna weiterzuführen. „Bisher steht allerdings keiner Schlange deswegen bei uns“, sagt Stadtwerke-Chef Holger Ludwig. Man werde die Sauna auch per Ausschreibung anbieten, kündigt der Stadtwerkechef an.

Es können sich ja die Saunafreunde zusammentun, einen Verein gründen und dann die Sauna gemeinsam betreiben, schlägt Holger Ludwig vor. Damit greift er einen Gedanken von Frank Mrusek auf. Der ist nicht nur Stadtrat, sondern auch seit vielen Jahren Saunagänger. „Ich kenne ein Beispiel im Oberland. Als die Gemeinde den Skilift nicht mehr betreiben konnte, gründeten die Skifreunde einen Verein. Theoretisch ist das auch für Niesky denkbar, damit die Sauna offen bleibt. Praktisch aber ist das ein Wunschdenken und unrealistisch“, sagt Frank Mrusek.