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Schmöllns Pyramiden-Bauer

Heinz Brachvogel ist Bastler aus Leidenschaft. Mit seinen Arbeiten macht er gern auch anderen eine Freude.

Von Wolfgang Schmidt

Von wegen alles aus dem Erzgebirge! Dass sich auch ein Schmöllner darauf versteht, Pyramiden und Schwibbögen herzustellen, zeigt Heinz Brachvogel in der Vorweihnachtszeit. Nicht nur an seinem festlich geschmückten Wohnhaus. Auch zur Seniorenweihnachtsfeier an diesem Donnerstag wird er mit seiner Handwerkskunst beitragen, den Raum im Schmöllner Dorfgemeinschaftshaus festlich zu schmücken. Der Heimatverein richtet traditionell die Weihnachtsfeier aus. Heinz Brachvogel ist eines seiner Mitglieder.

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Schon als Kind hatte der heute 71-Jährige ein Faible für den Naturwerkstoff Holz. Er schnitzte gern. So entstand manche Pfeife aus den Ästen von Weidenholz, mit der er Vogelstimmen imitieren konnte. Folgerichtig war seine Berufswahl – er wurde Bau- und Möbeltischler. Jahrzehntlang arbeitete Heinz Brachvogel im VEB Holzverarbeitung Schmölln. Evelin Pacher, die er 1966 heiratete, hatte ihn ins Dorf geholt.

In einem nur acht Quadratmeter großen Raum – Schwiegervater Rudi Pacher hatte dort als Sattlermeister gewirkt – richtete er seine Werkstatt ein. Vorteilhaft auch, weil seine Ehefrau nur an die Wand des angrenzenden Zimmers kopfen muss, damit er zum Mittagessen kommt. Bohrmaschine, Drechselbank, Bandsäge und Werkzeuge mussten platzsparend angeordnet werden, dazu das Material Holz. Vor allem Sperrholz benötigt er für sein Hobby, meist vier Millimeter dick. Holz vom Baum der Pappel muss es sein. Es sägt und verschleift sich gut. „Wichtig bei dessen Auswahl ist, dass das mehrteilige geleimte Material sauber ist und an den Außenflächen keine Einschlüsse von Ästen hat“, sagt Heinz Brachvogel.

Unter seinen geschickten Händen entstehen Intarsienarbeiten, bei denen verschiedene Hölzer so in- oder aneinander gelegt werden, dass daraus Schmuckelemente werden. Zunehmend widmet sich Heinz Brachvogel aber auch dem Bau von Pyramiden und Schwibbögen. „Alle in Handarbeit“, betont der Schmöllner. Dabei ist ihm eine Bandsäge wichtiges Arbeitsmittel, obwohl schon über 40 Jahre alt. Mit den modernen Geräten aus den Baumärkten komme er nicht zurecht, sagt er. Mehrere hat er genutzt, aber wieder zurückgegeben. Die Pyramiden und Schwibbögen, darunter auch Doppelschwibbögen, bemalt Heinz Brachvogel nicht farbig. Er belässt die Flächen so, wie das Holz gewachsen ist, mit Maserungen und dem ursprünglichen Farbton. Während er die Doppelschwibbögen mit elektrischer Beleuchtung versieht, werden die hängenden Pyramiden mit Teelichtern bestückt. „Damit drehen sie sich besser“, sagt der Bastler.

Viele Pyramiden und Schwibbögen schenkte Heinz Brachvogel den drei Kindern sowie den Enkeln. Aber auch andere Verwandte und Freunde werden von ihm bedacht. Einige der Kreationen aber verbleiben immer im Haus, verpackt auf dem Spitzboden. Jetzt in der Vorweihnachtszeit wurden sie wieder geholt und von Ehefrau Evelin in die Fenster und in Wohnräumen aufgestellt. „Das Aufstellen ist nicht mein Part, sondern der meiner Frau“, sagt Heinz Brachvogel.

Als ehemaliges aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schmölln ist es für Heinz Brachvogel immer wieder ein Anliegen, die Kameraden bei der Ausrichtung des jährlichen Weihnachtsmarktes zu unterstützen. Regelmäßig sponsert er Schwibbögen für die Tombola. Und ans Aufhören mit dem Werkeln denkt er noch lange nicht. „Gelebte Hobbys sollte man immer haben“, sagt der Senior. Dazu gehört für ihn auch das Singen. Heinz Brachvogel singt gleich in zwei Chören der Region mit: im Chor 2000 Schmölln sowie im Männerchor Großdrebnitz.