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Schmott für Schrott

Altes Metall ist kein Müll, sondern Geld wert. Für den Gewinn kommen Sammler bis nach Hause.

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Von Jana Mundus

Die Kaffeemaschine dampft nicht mehr, sie steht bei minus acht Grad Celsius draußen vor der Tür. Gleich daneben liegt ein rostiges Rosengitter, in dem sich einige alte Kabel verheddert haben. Es ist Sammeltag auf der Freiheit im Dresdner Westen. Den kündigte ein Zettel an, der vor ein paar Tagen in den Briefkästen der Anwohner lag. In vielen Dresdner Stadtteilen nichts Ungewöhnliches. Regelmäßig finden Hausbesitzer und Mieter solche Aufrufe in der Post, denn der Markt der mobilen Schrottsammlungen ist in der Stadt heiß umkämpft.

Wer hinter solchen Sammlungen steckt, bleibt meist unklar. Auf den wenigsten Zetteln ist ein Kontakt angegeben. Ein Schrotthandel aus der Nähe von Dresden ist eine Ausnahme, bei ihm sind Name und Telefonnummer auf dem Flyer abgedruckt. „Die ohne Kontaktdaten sind meist gewerblich gar nicht angemeldet“, erklärt eine Mitarbeiterin auf telefonische Anfrage. „Es gibt in der Branche eben schwarze Schafe.“ Öffentlich dazu äußern will sich die Firma aber nicht.

Aktuell sind 52 gewerbliche Schrottsammler bei der Stadt Dresden registriert. Wer mobil sammeln will, muss das drei Monate vorher bei der Landesdirektion anmelden. Die Sammler selbst kommen aus Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. „Weil die Gewerbeanmeldung nicht in Dresden ausgestellt sein muss, können hier auch Firmen aus anderen Städten sammeln“, erklärt Sigrun Harder, Sprecherin der Stadt. Die Bescheinigung über die Gewerbeanmeldung können sich Bürger von den Sammlern zeigen lassen.

Viel Schrott für wenig Geld

Der Schrott, den die mobilen Sammler abholen, landet zum Beispiel beim Schrotthandel Müller. „Zu uns kommen regelmäßig drei Sammler, die den Schrott an der Haustür abholen“, erklärt Geschäftsführer Felix Müller. Sie seien alle aus dem Großraum Dresden. Der Job sei ein harter. „Die meisten Menschen haben ganz falsche Vorstellungen davon, was für Eisenschrott oder Metall gezahlt wird.“ Je nach Menge liegt der Preis für Eisenschrott derzeit zwischen acht und 25 Cent pro Kilogramm, für Aluminium bei 70 Cent. Einzig der Ankaufswert für Kupfer liegt momentan auf einem historisch hohen Niveau, zwischen 4,40 Euro und fünf Euro pro Kilo. Wer mit Schrott Geld verdienen will, muss also möglichst viel sammeln. Das ist nicht immer einfach. „Einige haben mit Trittbrettfahrern zu kämpfen“, erklärt Felix Müller. Die würden die Straßen einfach eine Stunde eher abfahren und den Schrott einsammeln. „Das ist dann natürlich ärgerlich für die Sammler, die vorher Flyer gedruckt und verteilt haben.“

Neben den mobilen Sammlern kann auch jeder Dresdner seinen Schrott bei Metall- und Schrotthändlern abgeben und bekommt auch Geld dafür. Dort wird der Schrott dann sortiert. Das Metall wird an Schmelzwerke verkauft, der Eisenschrott an Stahlwerke. Felix Müller berichtet, dass ihm ab und an auch schon gestohlene Ware angeboten wurde. „Aber wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Wenn hier Leute mit Sachen auftauchen, bei denen wir ein ungutes Gefühl haben, informieren wir sie.“ Der eine oder andere Verdacht bestätigte sich in der Vergangenheit bereits. Dass die Skepsis durchaus begründet ist, meint auch die Polizeidirektion Dresden. „Der Buntmetalldiebstahl ist nach wie vor ein Thema in Dresden und der Region“, so Sprecher Marko Laske.

Stadt holt Sperrmüll zum Festpreis

Auch auf den städtischen Wertstoffhöfen wird der Schrott angenommen. Dass viele Dresdener ihn lieber an der Haustür abholen lassen, anstatt ihn selbst dorthin zu fahren, ist für die Stadtkasse allerdings unproblematisch. „Dresden hat Firmen mit dem Betreiben der Wertstoffhöfe beauftragt“, so Sigrun Harder. Sie vermarkten den dort gesammelten Schrott selbst. Die Erlöse sind bereits vorher in den Betreiberkosten einkalkuliert. Der Stadt entstehen so keine Verluste. Deshalb ist es auch kein Problem, wenn Sammler vor den Wertstoffhöfen noch Abfall ergattern können, den die Besitzer eigentlich auf den Hof schaffen wollten. „Am Ende des Tages hinterlassen die mobilen Sammler aber aussortierten Müll vor den Höfen“, so die Stadtsprecherin. Das sei dann ein Problem für die Sicherheit und Sauberkeit vor Ort. Auch die Stadt holt übrigens Sperrmüll an der Haustür ab – allerdings nach mehrwöchiger Voranmeldung und für 22 Euro Gebühr.