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Schmuggelte ein Pirnaer weltweit Heroin?

In seinem Magen soll ein Mann Drogen transportiert haben. Jeweils 1,2 Kilo pro Tour. Doch nur eine Tat räumt er vor Gericht ein.

© Symbolfoto: dpa

Hätte sich Mathias J. beim Einparken nicht so ungeschickt angestellt – wer weiß, wann er der Polizei ins Netz gegangen wäre. So aber fiel er der Besatzung eines Streifenwagens auf, als er dieses Jahr, in der Nacht vom 29. Januar, unweit seiner Wohnung in Pirna-Copitz versuchte, seinen Porsche Cayenne in eine Parklücke zu manövrieren. 

„Eigentlich war die Lücke so groß, dass man in einem Zug vorwärts oder rückwärts hätte hineinfahren können“, sagte einer der beiden Streifenpolizisten am Landgericht in Dresden. So sei es aber ein derartiges Vor und Zurück gewesen, dass der Verdacht entstand, der Fahrer des Geländewagens stünde unter Alkoholeinfluss.

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Doch dann bot sich den Polizeibeamten ein merkwürdiges Bild. Nicht nur, dass Mathias J. sichtlich nervös auf die Alkohol- und Fahrzeugkontrolle reagierte, auch hatte er Exkremente an seinen Händen, schilderte der Zeuge. Dann sei ihm ein gelbes Kügelchen, ein sogenanntes Bodypack, heruntergefallen. „Da stand dann ein Betäubungsmitteldelikt im Raum“, berichtete der Polizist weiter. Außerdem gab es Grund zur Annahme, dass sich ein Teil der Schmuggelware noch im Körper des 54-jährigen Deutschen befand.

Eine Röntgenuntersuchung im Pirnaer Krankenhaus bestätigte das dann auch. Insgesamt 924 Gramm Heroin hatte der Mann in seinem Körper nach Deutschland gebracht. Per Flug von Indien nach Wien, von dort aus mit dem Auto nach Pirna, wie er in einer ersten Befragung angab.

Weil er auch noch ein Messer dabei hatte, ist das als unerlaubte bewaffnete Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge angeklagt. Doch das ist nicht der einzige Tatvorwurf, weswegen sich der gebürtige Freitaler seit Mittwoch am Landgericht in Dresden verantworten muss. Unerlaubter Waffenbesitz, sowie unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln und Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln werden ihm zusätzlich angelastet.

Zum Verhandlungsauftakt vor der Großen Strafkammer in Dresden versuchte sich Mathias J., der einen Teil seiner Teenagerjahre im Freitaler Jugendwerkhof verbracht hatte, mit abenteuerlichen Geschichten herauszureden. So gab er an, lange Zeit in Asien, darunter auf den Philippinen, Thailand und Laos gelebt zu haben. Seinen Lebensunterhalt habe er mit Produktpiraterie bestritten, räumte er ein.

Dass er schon seit 2005 als Drogenkurier unterwegs gewesen sein soll, wies er von sich. Lediglich die Tat, bei der er erwischt worden war, gab er zu. Dass das alles war, glauben ihm weder Gericht noch Staatsanwaltschaft. Denn bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten, bei der auch verschiedene Waffen wie eine Luftdruckpistole, ein Elektroschocker sowie ein Würgeholz und diverse Zielvorrichtungen für Schusswaffen gefunden wurden, hatte die Polizei Computer und Handys beschlagnahmt.

Die anschließende Auswertung der Speichermedien zeigte, dass J. auch früher schon als Drogenkurier unterwegs gewesen sein muss. Neben umfangreichen Reisekostenabrechnungen, die der Angeklagte in Excel-Tabellen festgehalten hatte, wurde auch ein E-Mail-Entwurf gefunden, in dem Mengenangaben aufgeführt sind und in dem das jahrelange gute Geschäftsverhältnis zum Adressaten zur Sprache kommt.

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Als das Gericht Mathias J. dann schließlich einen sogenannten Deal anbot, wonach ihm bei einem umfassenden Geständnis nur eine Haftstrafe zwischen mindestens sieben Jahren, neun Monaten und maximal achteinhalb Jahren in Aussicht gestellt wurde, gab er schließlich zu, mehrfach für Dritte Heroin geschmuggelt zu haben, jeweils in einer Menge von 1,2 Kilogramm. Dafür will er pro Kurierflug 2 000 Euro bekommen haben. Hintermänner benannte er nicht. Am kommenden Freitag soll das Urteil gesprochen werden.

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