SZ + Sport
Merken

Schnell, erfolgreich, verliebt

Florian Wellbrock und Sarah Köhler stehen bei der am Freitag beginnenden Schwimm-WM im Fokus. Das neue deutsche Vorzeigepaar hat einiges vor.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Sein Block: Florian Wellbrock startet gleich doppelt - erst im Freiwasser, dann im Becken.
Sein Block: Florian Wellbrock startet gleich doppelt - erst im Freiwasser, dann im Becken. ©  Robert Michael

Von Jörg Soldwisch und Thomas Lipinski

Gwangju. Fällt Florian Wellbrock in ein Motivationsloch, greift er zum Laptop und gibt bei Youtube die Wörter "Wellbrock, Glasgow, Gold" ein. Dann klickt der Magdeburger auf das Video mit seinem famosen Triumph im EM-Finale 2018 über 1.500 Meter Freistil, und keine 15 Minuten später fließt wieder reichlich Adrenalin durch seinen Körper.

"Wenn ich total kaputt bin und nicht aus dem Bett komme, dann schaue ich mir morgens im Bad das Rennen noch mal an und weiß: Dafür lohnt es sich zu kämpfen", sagt er.

Das ist auch sein Motto für die am Freitag beginnende Schwimm-Weltmeisterschaft in Südkorea. Der 21-Jährige will zuerst im Freiwasser im Ocean Park von Yeosu über zehn Kilometer km das Ticket für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio buchen und möglichst eine Medaille holen. Anschließend kämpft er im Nambu University Municipal Aquatics Center von Gwangju über 800 und 1.500 Meter Freistil aussichtsreich um Edelmetall.

"Die Farbe habe ich im Kopf, wird aber nicht verraten", sagt Wellbrock. Der junge Mann, der kürzlich seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann erfolgreich abgeschlossen hat, weiß jetzt, wie süß Erfolg schmeckt. "Wenn man Europameister wird, dann macht das Lust auf mehr."

Seine härtesten Gegner Gregorio Paltrinieri und Michailo Romantschuk sind dabei auch seine größten Motivatoren. "Ich kann mich noch an die WM 2009 erinnern, als Paul Biedermann gegen Michael Phelps geschwommen ist. Das hat mich fasziniert", sagt Wellbrock. "Jetzt schwimme ich zwar nicht gegen Biedermann oder Phelps, aber gegen andere große Namen. Das ist ein tolles Gefühl. Das treibt einen jeden Tag an."

Mit dem Erfolg wächst auch die Verantwortung. Wellbrock geht als deutscher Vorschwimmer in die WM, ob er will oder nicht: "Ich werde oft gefragt, ob ich jetzt der neue Paul Biedermann bin. Für mich ist das nicht relevant. Ich mache auf der Tribüne nicht den Hampelmann oder schwinge irgendwelche Reden." Er wolle mit Leistung "das Team mitziehen und anspornen".

Daumen hoch: Sarah Köhler geht auch als aussichtsreiche Medaillenkandidatin an den Start.
Daumen hoch: Sarah Köhler geht auch als aussichtsreiche Medaillenkandidatin an den Start. © dpa/ Joel Marklund

Falls Wellbrock tatsächlich doppelten Erfolg haben, wäre das einmalig im deutschen Schwimmsport und ein wichtiger Fingerzeig für Olympia, denn auch in Tokio plant er den Doppelstart, den der ehemalige Bundestrainer Henning Lambertz aus Gründen der Trainings- und Belastungssteuerung für eine schlechte Idee gehalten hat - gut für Wellbrock, dass inzwischen sein Heimtrainer Bernd Berkhahn zum Team-Chef der deutschen Schwimmer ernannt worden ist.

"Jetzt treffen glücklicherweise andere Leute die Entscheidung", sagt der deutsche Rekordhalter. "Ich glaube, dass es für den Verband das Beste ist, weil ich schon gezeigt habe, dass ich beide Sachen gut drauf habe." Im Freiwasser ist er über die olympischen zehn Kilometer sogar noch ungeschlagen. Im Becken geht er über 800 und 1.500 Meter jeweils als Weltranglistenzweiter ins Rennen.

Dass seine Freundin Sarah Köhler als ebenfalls aussichtsreiche Medaillenkandidatin in Südkorea dabei ist, hilft ihm. Viel Platz für die Liebe bleibt bei der WM zwar nicht, "aber nach dem Rennen und Ausschwimmen können wir auch Pärchen sein". Auf die Fangfrage in der ZDF-Sportreportage, wer von beiden denn eine Medaille gewinnen sollte, wenn es nur eine gebe, nannte Köhler ihren Freund und Wellbrock sich. (sid)