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Schrein-Verehrung empört Nachbarn

Kurz vor einer Asienreise von US-Präsident Obama verschärfen rechte Politiker in Japan die Spannungen in der Region.

Tokio. Der Pilgergang von mehr als 140 japanischen Abgeordneten und Innenminister Yoshitaka Shindo zum umstrittenen Yasukuni-Schrein hat heftige Proteste in China und Südkorea ausgelöst. Die Huldigung in dem Shinto-Heiligtum, wo auch 14 hingerichtete Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg geehrt werden, belastet die Asienreise von US-Präsident Barack Obama, der heute nach Japan fliegt und danach auch Südkorea besucht. Chinas Staatsmedien sprachen von einem „Akt der Provokation“. Seoul verurteilte die „Verherrlichung der japanischen Kriegsaggression“.

Ein Fünftel der japanischen Abgeordneten beteiligte sich gestern an dem kollektiven Pilgergang in Tokio, darunter sowohl Politiker der Regierungspartei LDP als auch Oppositionsabgeordnete. Schon am Vortag hatte Japans rechtskonservativer Ministerpräsident Shinzo Abe in beiden Nachbarländern heftige Empörung ausgelöst, als er an dem Schrein eine Opfergabe machen ließ. Abe bot dem Schrein ein religiöses Ornament mit seinem Namen und seiner Amtsbezeichnung dar.

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Die Pilgergänge japanischer Politiker sorgen schon lange für Unfrieden und werden in China, Südkorea und Taiwan als Glorifizierung der japanischen Aggression empfunden. Der Schrein gedenkt der rund 2,5 Millionen, die in Kriegen für das Kaiserreich gestorben sind – darunter auch Kriegsverbrecher, die wegen Gräueltaten verurteilt wurden. Erst im Dezember hatte Abe den Schrein besucht. Die USA hatten sich daraufhin „enttäuscht“ gezeigt, dass Japan einen Schritt unternehme, der Spannungen mit den Nachbarländern verschärfen könnte. Dessen ungeachtet hatten Abes Staatsminister Keiji Furuya und Innenminister Shindo im April dort Opfergaben dargebracht.

China erhöht derweil den Druck auf Japan, indem es offenbar Klagen auf Entschädigung für japanische Kriegsverbrechen ermutigt, wie chinesische Experten meinten. So hatte ein Marinegericht die Beschlagnahme eines japanischen Containerschiffs in Shanghai wegen einer Entschädigungsklage verfügt, die auf Kriegszeiten zurückgeht. Der Fall sorgt für neue Spannungen zwischen Tokio und Peking. (dpa)