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Schuljahr startet erneut mit Lehrermangel

Die meisten Schulleiter in der Region Döbeln setzen auf Maskenpflicht im Schulhaus. Nicht jede freie Stelle im Schulbetrieb ist besetzt worden.

Abstand halten heißt es weiterhin an der Oberschule in Waldheim. Darauf weisen auch Schilder hin, die Leiter Jan Genscher angebracht hat.
Abstand halten heißt es weiterhin an der Oberschule in Waldheim. Darauf weisen auch Schilder hin, die Leiter Jan Genscher angebracht hat. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Am Montag startet das neue Schuljahr. Es ist im Corona-Jahr 2020 ein besonderer (Wieder-)Einstieg in den Schulbetrieb. Denn erstmals seit Mitte März dürfen auch an den weiterführenden Einrichtungen alle Schüler zurück ins Klassenzimmer. Natürlich mit entsprechenden Hygieneregeln: Hände waschen, Desinfizieren, Abstand halten. An einen Alltag wie vor Corona ist noch nicht zu denken. Hinzukommt in manchen Bildungsstätten der Lehrermangel. Denn längst nicht alle Stellen sind besetzt worden.

Gymnasium Döbeln: Kaum Reserven für Vertretungen

Was den Unterricht im Grundbereich angeht, sei das Gymnasium in Döbeln abgesichert, so Schulleiter Michael Höhme. Große Sprünge könne sich die Schule trotzdem nicht erlauben. Die Reserven für Ergänzungsbereich und Vertretungen seien gering. 

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„Zudem müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass schwangere Kolleginnen aufgrund der Pandemie-Situation nicht mehr im Präsenzunterricht eingesetzt werden können“, erklärte Höhme. Trotz allem könne der Start ins neue Schuljahr planmäßig beginnen. 

Ob die Schüler am Montag mit Maske die Schule betreten müssen, werde in dieser Woche noch abschließend geklärt. Sobald dies feststehe, wolle der Schulleiter auf der Homepage des Lessing-Gymnasiums dazu informieren. 

Einige seiner Kollegen hätten auch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen.

Gymnasium Hartha: Lehrer für Physik und Chemie fehlen

Zum ersten Mal habe es in Vorbereitung auf das neue Schuljahr schulscharfe Ausschreibungen gegeben, sagt Heike Geißler vom Martin-Luther-Gymnasium in Hartha. Vier Stellen habe sie ausgeschrieben, doch nur zwei seien besetzt worden. 

„Wir haben eine Lehrerin für Religion und Latein sowie eine Lehrerin für Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft und Spanisch bekommen“, informiert die Schulleiterin. Unbesetzt geblieben sind die Stellen für einen Physik- sowie einen Chemielehrer. Beide Fächer seien ohne Kombination ausgeschrieben worden. 

Geißler und ihr Team müssen nun improvisieren. Das bedeutet: fachfremder Unterricht. Unterstützend zur Seite stehen den eingesetzten Lehrern dabei auch Mentoren. Eine Chance, die freien Stellen zu besetzen, gibt es erst im nächsten Halbjahr. 

Die Schüler werden ab Montag im Schulhaus eine Maske tragen, im Unterricht darf diese abgesetzt werden. Über die konkreten Hygienemaßnahmen stimmten sich die Lehrer am Mittwoch ab. Die Eltern werden in einem Schreiben informiert. 

Die schmutz- und lärmintensiven Arbeiten in dem Schulgebäude seien beendet, sagt Geißler. Voraussichtlich im September könne der neue Multifunktionsraum in Betrieb genommen werden. Die Kabelverlegungen in den Zimmern für das neue Datennetz der Schule dauerten an.

Oberschule Waldheim: Endlich wieder Sportunterricht

Die Oberschule in Waldheim setzt ab Montag wieder auf den bereits bewährten Hygieneplan der Schule. Im Mai war eine Schülerin positiv auf das Virus getestet worden. Doch aufgrund der Hygienemaßnahmen habe sich niemand angesteckt, so Schulleiter Jan Genscher. 

Das Gebäude darf nur mit Mund-Nase-Schutz betreten werden. Die Hände sind zu desinfizieren. Beim Unterricht sowie auf dem Schulhof kann auf die Maske verzichtet werden. 

Für den Sportunterricht ist ein besonderer Hygieneplan vorgesehen. Sport gab es seit Mitte März nicht mehr. „Ich lege persönlich Wert darauf, dass der Sport nicht zu kurz kommt“, sagt Genscher. Personell sehe es an der Oberschule gut aus. 

Alle Stellen seien besetzt, der Unterricht könne voll abgedeckt werden. Neueinstellungen habe es nicht gegeben. Für fünf Wochen sei eine Praktikantin im Haus, die im Fach Gemeinschaftskunde/Geschichte unterstütze. 

Zudem ist Genscher froh über eine Referendarin, die das zweite Jahr in der Schule ist und in Englisch und Biologie unterrichtet.

Oberschule Hartha: Noch immer Schulleiterin gesucht

Wieder allein als kommissarische Schulleiterin im Einsatz ist im neuen Schuljahr Heike Brüssau von der Pestalozzi-Oberschule in Hartha. Dagmar Hardege, die im vergangenen Schuljahr neben ihrer Schule in Frankenberg auch in Hartha in der Leitung aktiv war, hat die Schule wieder verlassen. 

Wegen Corona sei die Suche nach einer Neubesetzung der Stelle nicht vorangetrieben worden, so Brüssau. Dies solle sich nun aber ändern. 

Beim Lehrpersonal gebe es aktuell eine Lücke im Bereich Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft. Hier müsse die Stundenanzahl für die achten und neunten Klassen in dem Fach reduziert werden, sagt Brüssau. 

Auf einen Mund-Nase-Schutz soll in der Schule vorerst verzichtet werden. „Das Treppenhaus ist breit genug“, begründet die Schulleiterin. Sollten die Abstandsregeln nicht eingehalten werden, sei eine Maskenpflicht denkbar.

Oberschule Leisnig: Referendare unterstützten Lehrer

Personell gut sieht es auch an der Oberschule in Leisnig aus. „Wir können vollumfänglich starten. Alle Stellen sind besetzt“, sagt Leiterin Kristin Dorias-Thomas. Zu den Kollegen gehörten auch drei Referendare, die im zweiten Lernabschnitt sind und damit einen eigenen Lehrauftrag annehmen können. 

Auch Dorias-Thomas hat ihre Kollegen noch einmal auf die Möglichkeit der kostenlosen Corona-Tests hingewiesen. „Einige haben die Möglichkeit bereits genutzt“, so die Leiterin. Am Mittwoch werde sie mit den Kollegen das Hygienekonzept für den Schulbetrieb noch einmal durchsprechen. 

Während der Pausen gebe es eine Maskenpflicht, außer auf dem Schulhof. In der Schule gelte, wie vor den Ferien, ein Einbahnstraßensystem.

Förderschule Waldheim: Ausgleich durch Landesamt?

Noch sind an der Förderschule in Waldheim nicht alle Stellen besetzt, sagt Schulleiter Heiko Felgener. Doch noch in dieser Woche könne es zu einer Teilabordnung durch das Landesamt für Schule und Bildung kommen. 

Dringend gebraucht werde ein Lehrer für das Fach Chemie. „Die Kollegin ist in den Ruhestand gegangen“, begründet Felgener. Doch Lehrer für das Fach, noch dazu mit sonderpädagogischer Ausbildung, seien rar. 

Im Schulgebäude bleibe die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bestehen. „Aber nicht im Klassenzimmer.“ An der Schule gebe es zudem seit Beginn der Pandemie eine Hygieneschutzbeauftragte. „Das ist unsere Schulassistentin. Sie nimmt die Schüler morgens in Empfang“, sagt Felgener.

Landesamt verweist auf laufende Einstellungsverfahren

Wie viele Lehrer konkret an Schulen im Altkreis fehlen, dazu machte das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) keine Angaben. 

„Erst kurz vor Schulstart wird das vorläufige Ergebnis des derzeit noch laufenden Einstellungsverfahrens durch das Sächsische Ministerium für Kultus bekannt gegeben“, informierte Kerstin Fechert vom LaSuB. 

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