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Schweinchen zum Anfassen

Die Sauenzuchtanlage in Nebelschütz gibt es seit 30 Jahren. Das ist der Grund für ein ganz seltenes Angebot.

Von Helmut Schippel

Das Schwein gilt als Symbol für Glück: So gibt es Glücksschweine oder Glücksferkel, Sparschweine oder Marzipanferkel. Doch nur noch wenige Menschen haben die Gelegenheit, ein lebendiges Ferkel oder Schwein zu sehen, wenn nicht sogar anzufassen. Die Sauenzuchtanlage in Nebelschütz bietet jetzt dazu die Gelegenheit. Am 14. Juni findet von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.

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Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Nur sehr selten öffnen solche Großanlagen wie die Nebelschützer ihre Türen für die Öffentlichkeit. Nach wie vor glauben viele Leute bei einem großen Schweinestall an einen unerträglichen Geruch. Andere setzen Massentierhaltung mit Tierquälerei gleich. Dass dem nicht so ist, wollen die Mitarbeiter und die Geschäftsführerin Monika Srocka unter Beweis stellen.

Vor 30 Jahren wurde die Anlage in Nebelschütz in Betrieb genommen. Im Gegensatz zu manch anderen Betrieben wurde der Übergang zur Marktwirtschaft gemeistert – und seither auch das unberechenbare Auf und Ab der Preise für Futter und Fleisch. Auch die Tarifentwicklung bei Wasser und Strom spielt in die Bilanz mit hinein.

Wenn der Besucher am 14. Juni in die Ställe blickt, wird er einen Teil der Tiere sehen. Insgesamt gibt es 2 000 Säue. Diese Muttertiere bringen pro Jahr ungefähr 45 000 Ferkel auf die Welt. Unter einzelbäuerlichen Bedingungen wäre das nicht zu leisten. Vor 50 Jahren ernährte ein Landwirt zehn Menschen. Heute muss er immerhin für 140 Personen aufkommen. Der Blick in die Boxen wird den Betrachter ob der Sauberkeit überraschen. Da wird mancher nicht zögern, die Hände zum Streicheln auszustrecken, vor allem bei den niedlich anzuschauenden Ferkeln. Niemand braucht zu befürchten, ansteckende Keime mit seinem Schuhwerk in die Anlage zu tragen oder sich gar selbst zu infizieren. So eine öffentliche Präsentation kann ein Betreiber wie die Sauzuchtanlage Nebelschütz nur selten leisten. Er muss den Stress der tragenden oder säugenden Muttertiere in vertretbaren Grenzen halten und letztlich auch die Sterilität der Ställe sichern.

Die Ferkel werden im Alter von 3,5 Monaten und mit einem Gewicht von 28 Kilogramm mit Lastkraftwagen nach Bayern gebracht, legen noch 90 Kilogramm zu und müssen dann ihr Leben lassen. Der Appetit der Deutschen auf Schweinefleisch ist groß, er übersteigt sogar das Maß der Vernünftigkeit. Mindestens ebenso unvernünftig ist, dass die Politik in Dresden und in Berlin dazu führte, dass schon bald nach der Wende alle großen Schlachtunternehmen in Sachsen geschlossen wurden. So fährt man also Nebelschützer Fleisch von Bayern zurück nach Sachsen und anderswo hin.

Spanferkel ist ein Renner bei Feiern

Die Sauenzuchtanlage Nebelschütz verarbeitet jährlich vier Prozent ihrer Ferkel und Säue in der eigenen Schlächterei. Die Produkte werden vor Ort und in der Kamenzer Verkaufsstelle angeboten. Ein mobiler Verkaufswagen ist an vier Tagen in der Woche auf nahe gelegenen Märkten präsent. Großer Beliebtheit erfreut sich der Lieferservice des Betriebes, denn Spanferkel mit Sauerkraut ist der Renner bei Familien- und Vereinsfeiern.

Was erwartet die Besucher der Schweinewelten am 14. Juni? Unter dem Motto „Sehen, anfassen und kosten“ wartet, ob gutes oder unangenehmes Wetter, auf den Besucher mancherlei vom Schwein, wie Steaks, Bratwurst und Spanferkelportionen. Trotz so viel Schwein in den Ställen und auf den Tellern kann man am Nachmittag Kaffee und Kuchen vom sorbischen Bäcker kaufen, während im Hintergrund ein Musikunterhalter zur Unterhaltung beiträgt. Wenn die Kinder genug vom Ferkelstreicheln haben, können sie sich auf einer Hüpfburg austoben. Wer sein Glück ausprobieren möchte, hat vielleicht Schwein und gewinnt bei der Tombola einen der zahlreichen Preise.

Jedermann ist also gern gesehen, vor allem auch jene, die in den letzten 30 Jahren die erfolgreiche Betriebsgeschichte mitgeschrieben haben. Gerade in der jüngsten Vergangenheit hat sich besonders viel getan im Betrieb. Das Äußere der Anlage wurde ansehnlicher, die Biogasanlage hat den Ammoniakgerüchen den Garaus gemacht und liefert samt der Photovoltaik mehr Strom, als der Eigenbedarf es erforderlich macht, und die Methoden der Fütterung und der Haltung sind weiter vorangeschritten. Davon kann man sich überzeugen ...