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Schwerter-Schokolade für das Königshaus

Dresden war einst ein Zentrum der Schokoladenherstellung. Zu den bekannten Firmen gehörte Riedel & Engelmann.

Von Monika Dänhardt und Uwe Hessel

Am 13. September 1933 wurde für eine Firma Bautsch von der Schwerter Schokoladenfabrik Riedel & Engelmann eine Rechnung über eine Kiste mit Katzenzungen, eine mit Marzipanschokolade und eine mit Schokoglückskäfern ausgestellt. Die fälligen 22,80 Mark beglich der Käufer dann am 21. September. Eingekauft hat er die Schokolade für sein Kolonialwarengeschäft auf der Bischofswerdaer Straße. Fabrik und Geschäft gibt es schon lange nicht mehr. Nur diese Rechnung hat jemand gefunden und ins Netz zum Verkauf gestellt. Eine etwas kuriose Erinnerung an jene Zeit als Dresden ein Zentrum der Schokoladenherstellung in Deutschland war.

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Eine Abbildung der Schwerter-Schokoladen-Fabrik als an die 250 Beschäftigte hier arbeiteten. Repro: André Wirsig/Sammlung Knaack
Eine Abbildung der Schwerter-Schokoladen-Fabrik als an die 250 Beschäftigte hier arbeiteten. Repro: André Wirsig/Sammlung Knaack © sammlung knaack

Die Firma Riedel & Engelmann gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Schokoladenherstellern hier an der Elbe. Sie besaß Werksverkaufsstellen, belieferte Dresdner Geschäfte und auch das sächsische Königshaus. Der königlichen Familie schmeckte die Schokolade so gut, dass sie der Firma schon um 1888 herum die Auszeichnung „Führen der Kursächsischen Schwerter“ verlieh. Eine große Auszeichnung schon zu Beginn der Firmengeschichte. Denn nur wenige Monate vorher, im September 1888, hatten Oswald Heinrich Riedel und Karl Rudolf Johannes Engelmann auf der Rosenstraße ihre „Chocoladen- und Zuckerwarenfabrik“ gegründet. So wurden die Schwerter Markenzeichen der Firma. Die Dresdner kauften „Schwerter-Chocolade“, „Schwerter-Cacao“. Sehr beliebt gerade zur Weihnachtszeit waren auch Figuren aus Schokolade. In dieser Beziehung fügte es sich günstig, dass ein anderer Dresdner, Anton Reiche, als Klempnergeselle seine Wanderjahre in Frankreich verbracht und dort die Herstellung von Schokoladenformen erlernt hatte. Nach seiner Rückkehr gründete er in Dresden die bedeutendste „Schokoladenformen- und Blechemballagenfabrik“ Deutschlands. So fanden die Kinder auf ihren Weihnachtstellern Weihnachtsmänner, Zwerge, Engel aus Schwerter-Schokolade, die in den detailreichen Formen der Firma Reiche gegossen worden waren.

1877 hatte sich in Dresden der Verband deutscher Schokoladenfabrikanten gegründet. Seine Mitglieder erkannten sehr bald, dass für gute Produkte auch richtig geworben werden muss. Eine Erkenntnis, die alle Hersteller der Schwerter-Schokolade nutzten. Noch heute sind Reklamemarken oder Schilder der Schwerter Schokoladenfabrik bei Sammlern sehr begehrt. „Schwerter Chocolade – Mein Geschmack“ ist beispielsweise auf einer Reklamemarke zu lesen, auf den Blechreklameschildern werben oft fröhliche Menschen für die süße Verführung.

1890 verlegten die Firmengründer ihre Fabrik von der Rosenstraße auf die Zwickauer Straße, Ecke Würzburgerstraße. Oswald Heinrich Riedel und Karl Rudolf Johannes Engelmann wurden nicht sehr alt. Riedel starb 1910 im Alter von 52 Jahren, Engelmann 53-jährig 1915. Danach kümmerten sich Prokuristen ums Geschäft, denn die Töchter der Gründer waren noch nicht volljährig. Die Prokuristen arbeiteten schlecht – und wohl auch in die eigene Tasche. 1935 ging die Firma in den Konkurs.

Eine neue, sehr erfolgreiche Ära der Schwerter-Schokolade begann mit den Kaufleuten Walter Knaack und Max Hensel, die die Firma erwarben und modernisierten. Schon 1936 konnten die Dresdner wieder Schwerter-Erzeugnisse kaufen, die Belegschaft wuchs auf 400 Angestellte. Krieg und Nachkriegszeit schrieben ihre eigenen Kapitel in die Firmengeschichte. Durch die erzwungene Eingliederung in das Kombinat VEB Elbflorenz verlor die Firma ihr Produktprofil. Heute erinnern ein Bürogebäude auf der Würzburger Straße mit den Kursächsischen Schwertern an der Fassade an die einst so erfolgreiche Schokoladenfabrik. Steffen Knaack, Enkel von Walter Knaack, hatte sich zu diesem Umbau entschlossen, nachdem die Idee der Wiederbelebung der Schokoladenherstellung nicht umsetzbar war.

Mehr über Dresden und die Schokolade erfahren Sie bis zum 2. März 2014 in der Ausstellung „Schokoladenstadt Dresden – Süßigkeiten aus Elbflorenz“ des Dresdner Stadtmuseums in der Wilsdruffer Str. 2, Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Fr 10–19 Uhr, Mo geschlossen,
Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 4 Euro), Kinder bis 7 Jahre frei