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Bald neue Häuser auf dem See?

Einwohner von Geierswalde laufen Sturm gegen den favorisierten Standort. Investor wird eine Alternative prüfen.

Ein denkbarer Standort für neue schwimmende Häuser könnte die graue Fläche am Südostufer des Geierswalder Sees sein.
Ein denkbarer Standort für neue schwimmende Häuser könnte die graue Fläche am Südostufer des Geierswalder Sees sein. © Archivfoto: Gernot Menzel

Geierswalde. Spannung lag in der Luft, als mehr als 20 Einwohner von Geierswalde in dieser Woche die Sitzung des Elsterheider Gemeinderates besuchten. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und 63 auf die Schnelle gesammelten Unterschriften zeigten sie ihre Ablehnung gegenüber einer am Geierswalder See geplanten Investition.

Die in Verden bei Bremen beheimatete Firma Floating Homes hat die Absicht, zehn schwimmende Häuser zur touristischen Nutzung als Ferienhäuser sowie zur dauerhaft privaten Nutzung zu errichten. Als denkbarer Standort wurde ein etwa 150 Meter breiter Abschnitt am Südwestufer zwischen der Windspitze und dem Leuchtturm-Hotel-Komplex ins Auge gefasst. Landseitig sollen ein Medienhäuschen und Flächen für Parkplätze entstehen. Um Baurecht zu schaffen, muss ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erstellt werden. Um damit beginnen zu können, bedurfte es eines Beschlusses des Gemeinderates.

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Widerstand gab es allerdings aus Geierswalde. Zwar wurde der Antrag von Gemeinderatsmitglied Christian Benusch, den Beschluss von der Tagesordnung zu nehmen und erst einmal ausführlich im Ortschaftsrat von Geierswalde über das Projekt zu informieren, von der Mehrheit der Gemeinderäte abgeschmettert. Die anwesenden Einwohner bekamen aber Gelegenheit, ihre Bedenken vorzutragen und auch Informationen zum Bauvorhaben selbst. Die Firma Floating Homes ist ein Tochterunternehmen der europaweit agierenden Matthäi-Baugruppe. Seit 2006 baut Floating Homes schwimmende Häuser. „Wir haben unser zweigeschossiges Musterhaus im Jahr 2006 im City-Sportboothafen Hamburg erstellt. 2008 folgte dann ein Konferenz-Floating-Home für das Mercure Hotel in Hamburg. Anschließend wurde 2013 die Perlenkette von Hamburg geschaffen. Hier haben wir sieben Floating Homes am Victoriakai-Ufer erstellt. Die Häuser sind Dauerwohnsitze und mittlerweile alle verkauft. Hinzugekommen sind in der Zwischenzeit dann noch weitere Ferienhäuser an der Ostsee in Großenbrode und Minde sowie, derzeitig im Bau befindlich, in Laboe“, erfuhr TAGEBLATT auf Nachfrage von Benedikt Fischer.

Mit der Gemeinde Elsterheide steht das Unternehmen seit rund zwei Jahren im Kontakt, hieß es in der Gemeinderatssitzung. Floating Homes sieht das Projekt als Innovation für das gesamte Gebiet. „Wir wollen nicht nur drei Häuser, sondern ein in sich stimmiges Projekt schaffen.“ Die Stimmungslage in Geierswalde ist den Vertretern des Unternehmens natürlich nicht entgangen. „Uns ist bewusst, welches Problem dort vorhanden ist. Wir versuchen, Lösungen dafür zu finden. Wir haben Ideen, die wir gemeinsam mit Ihnen umsetzen wollen“, wurde versichert.

Woraufhin die Geierswalder das Wort hatten und ihrem Unmut Luft machten. Seit zwei Jahren bestehe der Kontakt zur Gemeinde. Und bisher war es nicht möglich, den Ortschaftsrat zu informieren, lautete eine Kritik, die Bürgermeister Dietmar Koark (CDU) zurückwies. „Bisher haben wir immer zuerst den Aufstellungsbeschluss eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes gefasst und anschließend die Öffentlichkeit beteiligt.“ Er betonte das Wort „immer“. Auch macht er darauf aufmerksam, dass im Februar im Gemeinderat das Vorhaben besprochen wurde. Über diesen Weg hätte der Ortschaftsrat von Geierswalde informiert werden können. Allerdings hätte durchaus ein Kontakt zwischen dem potenziellen Investor und dem Ortsteil hergestellt werden können. Diesbezüglich räumt Dietmar Koark ein Versäumnis der Gemeindeverwaltung ein. Wobei, so merkte ein Bürger an, der Investor auch von sich aus längst den Kontakt zu den Geierswaldern hätte suchen können.

Was den Einwohnern Sorgen bereitet ist, dass ihr Dorf dem zunehmenden Tourismus nicht mehr Herr wird. Es gebe schon genug Ferienunterkünfte im Ort, hieß es in der Gemeinderatssitzung. Man wünsche sich sanften Tourismus. Es komme noch soweit, dass die Geierswalder einen Euro bezahlen müssen, um mal den großen Zeh ins Wasser stecken zu dürfen. Wieviel Tourismus verträgt das Dorf? Und warum müssen die geplanten schwimmenden Häuser ausgerechnet in dem Bereich nahe der Windspitze errichtet werden, wo es jetzt schon die größten Probleme gibt.

„Es geht nicht darum, das zu verhindern, sondern darum, wo es einen geeigneteren Standort gibt.“ Diese Aussage aus den Bürgerreihen ebnete schließlich den Weg für eine Kompromiss-Lösung. In den Beschluss wurde sinngemäß aufgenommen, dass durch Floating Homes ein Alternativ-Standort zum Bereich an der Windspitze vorrangig in die Prüfung einbezogen werden soll. Dieser Alternativ-Standort sei das Areal hinter dem ehemaligen Jetski-Zentrum an der Südböschung. Investor und Gemeinderat waren einverstanden. Die Einwohner von Geierswalde quittierten diese Entscheidung mit kräftigem Beifall.

Vier Haustypen hat die Firma Floating Homes im Angebot. Im Bild zu sehen ist die kleinste Variante mit 60 Quadratmetern Wohnfläche, einer 15 Quadratmeter großen Terrasse und einem optionalen Skydeck.
Vier Haustypen hat die Firma Floating Homes im Angebot. Im Bild zu sehen ist die kleinste Variante mit 60 Quadratmetern Wohnfläche, einer 15 Quadratmeter großen Terrasse und einem optionalen Skydeck. © Foto: Floating Home

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