merken
PLUS Wirtschaft

"Wollt ihr schon mal für eine Zeit ohne Clubs üben?"

Er ist einer der bekanntesten Technoclubs Deutschlands. Doch seit der Corona-Krise kämpfen die Betreiber des Sektor Evolution in Dresden ums Überleben.

Die Betreiber des Sektor R(Evolution) in Dresden, Simon "Tim" Grothe (links) und Patrick Eisermann (rechts), versuchen alles, ihren Club zu retten. Einfach wird das nicht.
Die Betreiber des Sektor R(Evolution) in Dresden, Simon "Tim" Grothe (links) und Patrick Eisermann (rechts), versuchen alles, ihren Club zu retten. Einfach wird das nicht. © Daniel Krüger

Dresden. Seit 11 Jahren feiern sie jedes Wochenende bis in die Mittagsstunden. Bis zu 1.000 Besucher zählt der Technoclub Sektor Evolution im Dresdner Industriegebiet von Freitag bis Sonntag im Schnitt. 

Und „der Sektor“ ist längst über die Grenzen der Landeshauptstadt bekannt: Besonders die aufwendigen Motto-Dekorationen, die bei jeder Veranstaltung ausgetauscht werden, haben die einstigen Fabrikhallen zum Anziehungspunkt vieler Einheimischer und Partytouristen aus aller Welt werden lassen.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Doch seit der Corona-Krise ist im Sektor nichts mehr wie zuvor. Die letzte Veranstaltung am 14. März, eine Woche vor dem Lockdown, musste abgesagt werden. 

Seitdem sind die beiden festen Mitarbeiter des Betreiberduos Simon Grothe und Patrick Eisermann in Kurzarbeit. Im Innenraum sehe es momentan düster aus. „Alles ist eingestaubt“, erzählt Grothe im Gespräch mit Sächsische.de.

Keine Reserven: "Sofort in neue Ideen investiert"

Die letzten Wochen und Monate seien Grothe und Eisermann damit beschäftigt gewesen, alternative Konzepte für den Betrieb zu entwerfen – und Anträge zu stellen. Das Überleben sichern, sich nicht unterkriegen lassen, trotz Krise mal wieder mit Menschen zusammenkommen. „Wir haben gefühlt sogar mehr Arbeit als vor Corona“, sagt Grothe.

Doch finanziell hat das Virus die Betreiber kalt erwischt. Reserven habe es nie wirklich gegeben, das Konzept sei auch ohne Corona immer am Limit kalkuliert. „Unser Hauptfokus liegt im Normalbetrieb, den Gästen jedes Wochenende eine neue Kulisse zu bieten, was sehr viel Arbeit macht und auch nicht ganz günstig ist. Und wenn Geld übrig war, wurde es sofort wieder in eine neue Idee bzw. das Material dafür investiert“, sagt Grothe. 

Muss der Sektor bis Jahresende schließen?

Über die Runden gekommen sind Eisermann und Grothe bisher nur durch Kredite und Hilfsgelder. „Wir haben die Soforthilfe von der Stadt Dresden und vom Bund bekommen, dazu einen kleinen Kredit aufgenommen“, erzählt Grothe. Der gebürtige Berliner und sein Dresdner Geschäftspartner seien auch vollkommen von diesen Finanzspritzen abhängig.

Gerade einmal vier Monate gibt Grothe seinem Club noch – wenn keine Unterstützung mehr kommt. „Nach heutigem Kontostand müssten wir den Sektor ohne Zuschüsse bis Jahresende schließen“, sagt er. Bisher hätten sich Grothe und Eisermann glücklicherweise nicht verschulden müssen, auch hat der Vermieter eine Stundung angeboten. „Über Jahre würde er das natürlich aber auch nicht machen“, sagt Grothe.

Hilferuf an Stammgäste: "Wollt ihr das wirklich?"

Seit Anfang August haben Eisermann und er einen Biergarten im Außenbereich geöffnet, der zwar „umso schöner“ sei, aber keinen wirklichen Gewinn abwerfe. „Wir machen das, um die ganzen Leute zu unterstützen, die sich eigentlich als Kellner und Securitys über Wasser halten“, sagt Grothe. Der Optimismus, dass es irgendwann weitergeht – er ist noch nicht verschwunden.

Am Dienstag hat die sächsische Regierung verkündet, dass Tanzlokale auch nach der neuen Corona-Schutzverordnung zu bleiben müssen. Währenddessen registriert die Polizei bundesweit immer mehr illegale Raves und vermeintliche Privatfeiern.

Eisermann und Grothe haben deshalb über die sozialen Medien einen Aufruf gestartet. Gerade jetzt bräuchten die Stammclubs die Solidarität ihrer sonstigen Stammgäste. 

„Schaut mal, ob ihr, statt der coolen Privatparty, dem Rave am See oder dem Bier auf der Couch, nicht doch lieber in eurem zweiten Wohnzimmer vorbeikommt, um nachzusehen, ob es noch steht. Oder wollt ihr wirklich schon mal für eine Zeit ohne Clubs üben?“, fragt der Beitrag. Die Männer vom Sektor zumindest hoffen auf ein lautes Nein. 

Mehr zum Thema Wirtschaft