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Selbstbedienung bei Eisglätte

Die steilste Straße von Radebeul soll sicherer werden. Die Stadt hat jetzt eine Streugutkiste für die Anwohner bereitgestellt.

© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Die meiste Angst hat Annerose Kopte vor Blitzeis. Denn dann kommt sie nicht mehr zu ihrem Haus. Zumindest nicht mit dem Auto.

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Dann kommt keiner mehr hoch am Knollenweg. Kein Postauto, kein Zeitungsbote, auch das kleine Müllauto nicht. Und kein Rettungswagen – was zum Glück noch nicht passiert ist, sagt die 75-jährige Radebeulerin. Koptes wissen, wie es ist, wenn das Auto unten stehenbleiben muss auf der Mittleren Bergstraße. Im vergangenen Winter war das, 14 Tage lang. Auch die Post war ausgebremst, sagt Gotthard Kopte.

Acht Häuser liegen an der Straße, die die steilste in ganz Radebeul sein soll. Vor einiger Zeit erst habe ihr das ein Polizist bestätigt, als in der Nähe ein Unfall passiert war, sagt Annerose Kopte. Wer hier lebt, wohnt idyllisch am Weinberg. Aber auch gefährlich, sobald Schnee und Eis zuschlagen. Mit dem Auto sei ihnen auf der abschüssigen Zufahrt zum Haus zwar noch nichts weiter passiert, sagt die Radebeulerin. Aber andere haben wohl Bekanntschaft mit dem Geländer am Straßenrand gemacht. Denn es war schon eingefahren.

Auf den Winterdienst brauchen die Anwohner nicht zu warten. Seit Jahren helfen sie sich selbst und streuen ihre Straße. An die Sandhaufen, die zu DDR-Zeiten dafür bereitlagen, kann sich Brigitte Naumann noch erinnern. Sie alle greifen auch heute zur Schaufel, wenn es nötig ist. Sogar die mit 85 Jahren Älteste unter ihnen, Helga Scheibe, kümmert sich um die Fläche vor ihrem Grundstück. Und ist froh über die Unterstützung der Nachbarn. Zu denen auch Weinbauverbandschef Bernd Kastler gehört. Er sorgt immer wieder mal dafür, dass gestreut wird, sagt Gotthard Kopte.

Doch auch die anderen Knollenweg-Bewohner wollen weiter etwas tun. Wie Lysann Göhler, die erst hergezogen ist. Was sie dafür vor allem benötigen, ist genügend griffbereites Streugut. Ihr Wunsch: Eine damit gefüllte Kiste am unteren Ende der Straße. Deshalb wandten sie sich an Jürgen Hartmann. Der sitzt für die Freien Wähler im Stadtrat und wohnt nicht weit vom Knollenweg entfernt. Vor einem Jahr habe er die Stadt bereits gebeten, eine solche Streukiste aufzustellen, sagt er. Da passierte allerdings nichts.

In der Ratssitzung Ende November wiederholte er seine Anfrage. Seit dieser Woche leuchtet der orangefarbene Deckel der Streugutkiste am Fuße der Straße. Was einige Anwohner gleich zu einem kleinen Treffen zusammenkommen lässt. Dort folgt dem Dank an Stadtrat Hartmann und die Stadt die Frage nach einer zweiten Kiste. Vielleicht kann die in der Kurve aufgestellt werden? Sonst müsste ja der Streudienst immer erst bis runter laufen, um Nachschub zu holen.

Dazu konnte OB Bert Wendsche (parteilos) noch nichts sagen. Es sei schon eine Besonderheit, dass Einwohner freiwillig die steile Nebenstraße streuen. Das gehe deutlich über die Anliegerpflichten hinaus. Doch ob und wie eine zweite Kiste hinkommt, das sieht der OB relativ kritisch. Auf jeden Fall müsse es erst einen Ortstermin mit dem Tiefbau geben.