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Sensationsfund in Lauenstein

Bei der Sanierung vom Vorschloss findet ein Bauarbeiter einen Schatz. Der war fast Jahrhunderte gut versteckt.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Altenberg. Sie sind bis zu 440 Jahre alt und ein wertvoller Schatz: Bei Bauarbeiten im Schloss Lauenstein sind vor wenigen Tagen 236 Münzen gefunden worden. Sie stammen aus den Jahren zwischen 1574 und 1625, sagt Museumsleiterin Gabriele Gelbrich, die eine erste Expertise vornahm. Demnach stammt ein Großteil der Münzen aus Sachsen, der Schweiz und Nürnberg. Sie sind augenscheinlich allesamt in einem guten Zustand. „An einigen Münzen gibt es noch kleinere textile Anhaftungen, die darauf schließen lassen, dass diese in einem Geldsäckchen verstaut waren“, sagt sie.

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Wie der Schatz entdeckt wurde

Der Fundort Die Stadt Altenberg lässt derzeit einen Teil des einst herrschaftlichen Wirtschaftshofes von Schloss Lauenstein, das sogenannte Vorschloss, sanieren.
Der Fundort Die Stadt Altenberg lässt derzeit einen Teil des einst herrschaftlichen Wirtschaftshofes von Schloss Lauenstein, das sogenannte Vorschloss, sanieren.
Der Finder Robert Neßler vom Baubetrieb Zier an der Fundstelle. Er schaufelte Schutt in einen Eimer und bemerkte erst am Klimpern der Münzen, dass hier etwas Besonderes lag.
Der Finder Robert Neßler vom Baubetrieb Zier an der Fundstelle. Er schaufelte Schutt in einen Eimer und bemerkte erst am Klimpern der Münzen, dass hier etwas Besonderes lag.
Der Schatz 236 Geldstücke wurden gefunden. Bei dem Großteil handelt es sich um silberne Münzen, darunter Taler aus Sachsen, der Schweiz und Nürnberg.
Der Schatz 236 Geldstücke wurden gefunden. Bei dem Großteil handelt es sich um silberne Münzen, darunter Taler aus Sachsen, der Schweiz und Nürnberg.

Gefunden wurden die Münzen von Bauarbeiter Robert Neßler bei Arbeiten im Torhaus, das gerade saniert wird. Dort lagerten sie in einer früheren Wohnung, die sich direkt neben dem sogenannten Stuckzimmer befindet. Neßler hat die Schatulle mit den Münzen unter der Dielung entdeckt. „Ein großer Dank geht an den Arbeiter“, sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler). Denn dieser habe den Fund sofort gemeldet. Da Gabriele Gelbrich am Tag des Fundes – es war der 11. Juli – im Urlaub weilte, wurde der Fund zunächst gesichert. Fünf Tage später war die Museumsleiterin zurück und konnte eine erste Einschätzung vornehmen. Gabriele Gelbrich ließ sich den Fundort zeigen und dokumentierte ihn. „Leider war die Verfüllung im Zwischenboden bereits komplett entfernt. Der Finder konnte aber den Fundort noch lokalisieren“, sagt sie.

Wer die Münzen dort versteckt haben könnte, kann die Museumsleiterin nicht sagen. „Auf alle Fälle war der Schatz gut versteckt.“ Und auch das lässt sich schon sagen: Dem Besitzer muss etwas zugestoßen sein. Nur so war es möglich, dass der Schatz fast 400 Jahre unentdeckt bleiben konnte. Frau Gelbrich geht davon aus, dass die Münzen offenbar im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, der von 1618 bis 1648 dauerte, versteckt wurden. In dieser Zeit, konkret im Jahr 1632, waren laut Lauensteiner Chronik von Friedrich Böttcher etwa 500 kaiserliche Söldner zu Fuß und zu Ross aus dem nordböhmischen Aussig ins Müglitztal gekommen, um Lauenstein zu plündern. Die Stadtbewohner leisteten mit Unterstützung von Bürgern und Bauern aus der Herrschaft Lauenstein und der näheren Umgebung Widerstand und konnten die Plünderung verhindern. Die Angreifer mussten mit Verlusten – bei ihnen starben zehn Söldner – abziehen.

Allerdings rächten sich die Kaiserlichen an den Lauensteinern. Sie steckten sieben Scheunen und elf Vorstadthäuser in Brand. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Münzen im Zusammenhang mit diesem Ereignis versteckt wurden, sagt Frau Gelbrich. Es könnte aber auch ein wenig später passiert sein. Denn in den Folgejahren gab es in und um Lauenstein weitere Kampfhandlungen. Für das Museum ist dieser Fund auf jeden Fall ein Sensationsfund. „So etwas hatten wir noch nie“, sagt sie. Weitere Erkenntnisse erhofft sie sich von den Experten in Dresden. Denn dort werden die Münzen von den Fachleuten des Münzkabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen untersucht. „Ich habe bereits zum Direktor Kontakt aufgenommen.“ Die Münzen sind inzwischen auf den Weg nach Dresden.

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Unklar ist, wie es mit den Münzen weitergeht. Laut Gesetz gehört der Fund dem Freistaat. Möglicherweise kann das Schlossmuseum später einige der Taler zeigen. Bürgermeister Kirsten indes verknüpft mit dem Fund noch einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir zur Fertigstellung des Schlosses keine Geldsorgen mehr haben werden“, sagt er mit einem Augenzwinkern.