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Sicher in jeder Höhe

Fünf Jahre dauerte die Ausbildung. Jetzt kann eine besondere Einsatzgruppe der Bautzener Feuerwehr auch an extremen Orten Leben retten.

© Uwe Soeder

Von Stefan Schramm

Na klar, Seil und Helm sind Pflicht für einen gut ausgestatteten Höhenretter. Im vollgepackten Rucksack findet sich noch mehr Material: Bandschlingen, Seilrollen, Handschuhe, Steigklemmen und ein mitlaufendes Auffanggerät, das Abstürze verhindert – die Ausrüstung ist umfangreich, aber auch wichtig für die Eigensicherung und im Ernstfall fürs nackte Überleben. David Rüsch trägt sie mit Stolz. Der 33-Jährige ist stellvertretender Leiter des Höhenrettungsdienstes der Bautzener Berufsfeuerwehr, der seit Kurzem einsatzbereit ist.

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In schwindelerregenden Höhen, aber auch Tiefen, können die Kameraden aus der Kreisstadt nun Leben retten. Die Reichweite geben sie mit 120 Metern an. Dafür müssen sie zwei 60-Meter-Seile kombinieren. „Wir haben aber schon einen 100-Meter-Seilsatz bestellt, der hoffentlich kommende Woche bei uns eintrifft“, sagt David Rüsch. Wenn beispielsweise jemand auf einem Funkturm bewusstlos werde, können ihn die Bautzener Einsatzkräfte damit zunächst 100 Meter weit abseilen. Die übrigen 20 Meter bis zum Boden übernehme dann eine Drehleiter, in deren Korb die zu rettende Person abgesetzt werden würde.

Zudem kommen die Höhenretter bei der Beseitigung von Unwetterschäden an Türmen und Dächern sowie bei der patientengerechten Rettung beispielsweise an schwer zugänglichen Steilhängen zum Einsatz. Auch die Führer von Turmdrehkränen, Gerüstbauer, Mastenkletterer, Gebäudereiniger, Höhenarbeiter, Sportkletterer und selbst Tiere haben nun viel bessere Aussichten auf eine schnelle und professionelle Rettung. Denn bisher gestaltete sich die ganze Sache deutlich schwieriger: Die Bautzener mussten bei Höhenrettungseinsätzen Fachkräfte der Feuerwehr Dresden oder der Bergrettung Sebnitz hinzualarmieren. Bis die vor Ort waren, dauerte das seine Zeit. Mitunter ging es sogar abenteuerlich zu: Beim Bau des Kornmarkt-Centers war ein angetrunkener Mann wohl in Suizidabsicht auf einen Kran geklettert, bekam es oben aber mit der Angst zu tun. „Kameraden von uns sind damals zwar gesichert, aber ohne fachmännische Kenntnisse und Ausrüstung hochgeklettert und haben ihn gerettet“, erzählt David Rüsch.

Das sei der Ursprung der Überlegungen gewesen, eine eigene Höhenrettungsgruppe zu gründen. Erste Versuche gab es 2006. „Das war nur ein bisschen Abseilen und nicht der Rede wert. Seit fünf Jahren trainieren wir intensiv“, sagt David Rüsch. Die Ausbildung der Feuerwehrleute hat das Spezialunternehmen Höhensicherheitstechnik Hebold mit Sitz in Struppen in der Sächsischen Schweiz übernommen. Unter anderem mussten sich die Kameraden an die Höhen gewöhnen, in denen sie nun unterwegs sind. Geübt haben sie alle denkbaren Szenarien, zum Beispiel vor einem Jahr die Rettung aus einem Kran auf der Baustelle Am Ziegelwall. Auf dem Programm stand zudem die Rettung aus einem Schacht, denn auch in tiefen Gruben oder Brunnen könnten die Bautzener Feuerwehrleute zum Einsatz kommen. Sogar die der Legende nach uneinnehmbare Festung Königstein und die Staumauer der Talsperre Bad Gottleuba haben sie erklommen.

„Zweimal pro Monat üben wir, damit alles sitzt“, sagt David Rüsch. Er fungiert als Gerätewart der Truppe – oder amtlich als Sachkundiger zur Prüfung der Ausrüstung. Die hat nach jedem Einsatz zu erfolgen, einmal jährlich wird das gesamte Material einer Kontrolle unterzogen. Dann nimmt er vom Gurt bis zum Karabiner alles unter die Lupe. Der Malschwitzer fing 1997 als 16-Jähriger bei der Freiwilligen Feuerwehr Kleinbautzen an, seit zehn Jahren ist er Berufsfeuerwehrmann im „großen“ Bautzen. Vor sechs Jahren wurde er einer der nunmehr 14 Höhenretter – darunter sieben Gruppenführer, die selbst die Grundausbildung durchführen dürfen. „Wenn neue Leute eingestellt werden, müssen sie diese Ausbildung durchlaufen“, erklärt Rüsch.

Mindestens ein ausgebildeter Höhenretter ist immer im Dienst, bei Bedarf können andere, die gerade frei haben, hinzugezogen werden. Alle 14 Kameraden haben sich freiwillig für die Teilnahme am Projekt gemeldet, machen sonst beim ganz normalen Dienstgeschehen der Feuerwehr mit. „Mehr Geld gibt‘s dafür aber nicht“, so Rüsch. Jetzt fiel endlich der Startschuss. „Zu Jahresbeginn haben wir uns den Termin gesetzt, Anfang Juni einsatzbereit zu sein“, erinnert sich Rüsch. Das haben die Höhenretter auch geschafft: Die feierliche Indienststellung liegt unmittelbar hinter ihnen. Vor den Augen des Kreisbrandmeisters führten sie in der Feuerwache am Gesundbrunnenring eine Rettung mit der Schleifkorbtrage vor und simulierten am Schlauchturm eine Bergsteigerrettung.

Nun fiebern sie ihrem ersten Einsatz entgegen. „Wir sind gespannt, was es sein wird“, sagt David Rüsch. Bald steht erst mal eine weitere Übung an: am Schornstein des Kraftwerks in Teichnitz.Auf ein Wort