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Sie bietet "Vintage-Mode" für die Lausitz

Bianca Engesser hat am Donnerstag auf der Görlitzer Straße in Löbau einen Second-Hand-Shop eröffnet. Auf 500 Quadratmetern gibt es gebrauchte Sachen ebenso, wie Neuware.

Bianca Engesser im neuen Vintage Geschäft in Löbau. Rund 4.000 Bekleidungsstücke hat sie im Angebot.
Bianca Engesser im neuen Vintage Geschäft in Löbau. Rund 4.000 Bekleidungsstücke hat sie im Angebot. © Matthias Weber

Es soll der größte Second-Hand-Shop in der gesamten Lausitz werden: In Löbau eröffnete am Donnerstag ohne großes Tam-Tam im Vorfeld die „Vintage Mode für Dich“. 7.000 Postwurfsendungen wurden zuvor in die Briefkästen der Löbauer und in umliegenden Orten verteilt, wie Unternehmerin Bianka Engesser berichtet.

Die Görlitzerin startet mit 500 Quadratmetern Verkaufsfläche auf der Görlitzer Straße im Gewerbegebiet – gleich neben dem Löbauer Schlafstudio. Aktuell hängen rund 4.000 Bekleidungsstücke zum Schnäppchenpreis auf der Stange. „Mehr als 500 verschiedene Marken haben wir im Angebot“, so die 48-Jährige. Das Angebot soll ständig wechseln. 

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Ein typischer An- und Verkauf allerdings ist die „Vintage Mode“ nicht. Ein solches Geschäftsmodell – zuletzt ansässig auf der Johannisstraße - geriet in Löbau in der jüngeren Vergangenheit mehrfach in die Schlagzeilen. Grund dafür: Der Betreiber war Teilnehmer eines Fernseh-Experiments. Ein privater Fernsehsender zahlte für ein Jahr in einer Summe die Hartz-IV-Leistungen. Die Teilnehmer verzichteten dafür in dieser Zeit auf staatliche Unterstützung und sollten mit den Finanzen eine Existenz aufbauen. Für den An- und Verkauf-Betreiber in Löbau hat das nicht geklappt. Der Laden ist wieder dicht. Ein anderer An- und Verkauf für Kindersachen in der Stadt schloss aus privaten Gründen vor knapp drei Jahren.

Bei der „Vintage Mode“ ist das Geschäftsmodell anders. „Wir kaufen von Privatleuten gar keine Sachen auf“, sagt Frau Engesser. Ihre Ware bezieht sie vom Großhandel. Die Lieferungen kommen aus Berlin und Baden-Württemberg. Ein Teil der Markenbekleidung ist Neuware, der andere Teil „Gebrauchtware von hoher Qualität“, wie Bianka Engesser betont. Insofern sei die Hoffnung groß, dass das Angebot gut angenommen wird.

Neu ist die Geschäftsfrau in der Branche keinesfalls. Sie blickt auf eine langjährige Erfahrung im Modebereich zurück. Seit zehn Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Sebastian Mathyl einen gewerblichen Internetshop für Klamotten auf der Verkaufsplattform Ebay. Um die 25.000 Artikel werden dort zum Verkauf angeboten. Sebastian Mathyl stammt aus Polen, lebt seit seiner Kindheit in Deutschland. Im polnischen Zgorzelec betreibt das Paar die Firma „Tex style“. 

„In Löbau ist die Vintage-Mode sozusagen davon die deutsche Niederlassung und auch hier in Deutschland beim Finanzamt angemeldet“, erklärt Frau Engesser. Vier bis fünf Arbeitsplätze sollen in Zukunft vor Ort in Festanstellung entstehen. Aktuell werde eine Unterstützung auf 450 Euro-Basis gesucht. „Interessenten können sich gern im Laden melden“, sagt die Geschäftsfrau. 

Die Entscheidung für Löbau als Standort begründen die Görlitzer damit, dass sie einerseits seit langer Zeit ein Ferienhaus in Ebersbach-Neugersdorf betreiben und die Region ihnen ans Herz gewachsen ist. „Wir wissen, dass die Menschen hier sehr nett und offen sind“, so Frau Engesser. In Löbau und den umliegenden Orten gebe es zudem ein solches Angebot bisher nicht. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg würden solche Angebote boomen. Für die Lausitz langfristig einen großen Standort zu etablieren, ist nun das Ziel der Geschäftsfrau.

Mit Kleidung, die nicht verkauft wird und übrig bleibt, will Frau Engesser außerdem Bedürftige unterstützen. Sie ist Mitglied im Verein Help World, der Altkleider, Schuhe und Spielzeug von Bürgern sammelt. Sammel-Container stehen unter anderem zum Beispiel in Reichenbach. "Wir geben die nicht verkauften Bekleidungsstücke an den Verein Help World für Bedürftige weiter“, erklärt die Unternehmerin ihre Verbindung zu dem Verein. Derzeit würde Bekleidung beispielsweise für ein Projekt in Tunesien und eins in Rumänien gesammelt. Vereinsvorsitzender ist Klaus Engesser, der Vater der Unternehmerin. 

Am Eröffnungstag ist der neue Laden zum Vormittag jedenfalls schon gut besucht gewesen. Zwischen den Kleiderständern wird nach Schnäppchen Ausschau gehalten. Die Anziehsachen sind bei den Angeboten für die Damen farblich sortiert. Herren- und Kinderbekleidung, Sportsachen, Tischwäsche und Schuhe gibt es auch. „Ich schaue mich heute erst einmal um“, sagt Besucherin Karin Schäfer. In der Tat brauche Löbau ein größeres Geschäft für Anziehsachen, findet sie. Ob der Mix aus gebrauchten Sachen und Neuware der richtige ist, werde die Zeit zeigen. 

„Für das eigene Portemonnaie ist Markenware eher nichts. Mir ist das zu teuer“, erzählt eine Seniorin, die anonym bleiben will. Vielleicht sei bei der „Vintage-Mode“ künftig das eine oder andere preiswerte Teil zu ergattern. Fündig geworden ist die Rentnerin bei den Tischdecken. Für weniger als zwei Euro hat sie ein schickes Teil gefunden. Wie Karin Schäfer auch möchte die Frau ab und an zum Stöbern vorbeikommen. 

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