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Sie bringt den Online-Bauernmarkt nach Bautzen

Regionale Produkte liegen im Trend, doch das Einkaufen ist oft aufwendig. Mit der Idee einer Dresdnerin wird das jetzt viel leichter.

Fanny Schiel bringt Erzeuger von regionalen Produkten und Konsumenten zusammen. In Dresden und vielen andren Städten funktioniert das Konzept schon. Nun sollen auch die Bautzener zu Marktschwärmern werden.
Fanny Schiel bringt Erzeuger von regionalen Produkten und Konsumenten zusammen. In Dresden und vielen andren Städten funktioniert das Konzept schon. Nun sollen auch die Bautzener zu Marktschwärmern werden. © Amac Garbe

Bautzen. Ein Supermarkt lebt davon, dass die Waren gut präsentiert werden. Auf Augenhöhe liegen die roten Äpfel. Die Schokoladentafeln sind so aufgetürmt, dass man an ihnen gar nicht vorbeilaufen kann. Das Ziel ist klar: Der Kunde soll kaufen – und zwar möglichst viel.

Beim Markt von Fanny Schiel sieht das anders aus. Prall gefüllte Obstauslagen und Regale voll mit Schokolade sucht man bei ihr vergeblich. Und dann noch die Öffnungszeiten. Während man in den klassischen Supermärkten beinahe rund um die Uhr seine Einkäufe erledigen kann, hat der Markt der Dresdnerin nur einmal pro Woche geöffnet – und dann auch nur für zwei Stunden.

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Was nach einer Reihe von Nachteilen klingt, ist in Wahrheit Teil eines besonderen Einkaufkonzeptes. Marktschwärmer nennt sich diese Idee, die Fanny Schiel nun auch nach Bautzen bringen möchte. Im Kern geht es darum, dass Kunden regionale Lebensmittel einkaufen können, ohne dafür erst zahlreiche Hofläden abklappern zu müssen. „Wir wollen Erzeuger aus der Region und Konsumenten zusammenbringen“, erklärt die 30-Jährige. Ein bisschen weiter muss man allerdings ausholen, will man das gesamte Konzept verstehen.

Gespräche statt Geld

Der Kunde bestellt online alles, was er für die nächste Woche braucht. Zum Beispiel ein paar Möhren, ein Stück Fleisch, Käse und Honig. An einem festen Wochentag erfolgt dann die Übergabe der Waren, die sogenannte Schwärmerei. Alle Erzeuger kommen mit der bestellten Ware zu einem Treffpunkt. Weil die Kunden schon vorab bezahlt haben, gibt es auf dem Markt keine Kassen und kein Bargeld, dafür Zeit für Gespräche mit den Produzenten.

Bei einem Auslandssemester in Frankreich hörte Fanny Schiel zum ersten Mal von dieser Supermarkt-Alternative. Später, als sie in Berlin studierte, kam die junge Frau erneut mit dem Modell in Kontakt. Als sie schließlich zurück nach Dresden zog, wuchs bei ihr der Wunsch, die Marktschwärmer auch zu Hause, in Sachsen populär zu machen. Damals wohnte sie noch im Dresdner Stadtteil Friedrichstadt. Dort wollte sie die „Schwärmerei“ starten. Doch der Anfang war nicht leicht. Fanny Schiel hatte damals einen Vollzeitjob und wenig Zeit. Das Marktprojekt konnte sie nur nebenbei verfolgen. 2016 war das. „Ich musste auch bei den Erzeugern anfangs viel Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sie sich.

Mehr Kunden, mehr Auswahl

Viele Produzenten verkaufen ihre Waren schon auf den Wochenmärkten. Aber das sei mit viel Aufwand verbunden, meint die Dresdnerin. „Dort stehen sie sich bis zu acht Stunden lang die Beine in den Bauch. Diese Zeit könnten sie besser auf ihrem Hof nutzen“, sagt Fanny Schiel. Hinzukommt: Bei einem Wochenmarkt wissen die Erzeuger nicht, wie viele Produkte sie an den Mann oder an die Frau bringen. Beim Modell der Marktschwärmer hingegen ernten die Hofbesitzer am Tag der „Schwärmerei“ nur so viel, wie sie am Abend verkaufen.

Seit dem ersten Markttag hat sich einiges getan. Inzwischen koordiniert die junge Frau hauptberuflich drei Standorte in Dresden. Immer mehr Kunden kommen vorbei. Gingen anfangs pro Standort und Woche etwa 30 Bestellungen ein, so sind es heute mehr als 120. Und auch das Angebot wächst. Rund um Dresden arbeitet Fanny Schiel mit 30 Erzeugern zusammen. Aus 300 bis 700 Artikeln können ihre Kunden inzwischen wählen. Nicht wenige, sagt sie, erledigen bei ihr den gesamten Wocheneinkauf. Auch Fanny Schiel hat ihr Kaufverhalten komplett umgestellt. „In einen normalen Supermarkt gehe ich so gut wie gar nicht mehr“, sagt sie. Nur Sahne kauft sie dort noch, weil es die bei ihr nicht gibt.

Koordinator gesucht

Die meisten Bauern, die mit den Marktschwärmern zusammenarbeiten, hat die Dresdnerin selbst besucht. Das sei das Beste an ihrer Arbeit meint sie. Zwar hat Fanny Schiel keinen landwirtschaftlichen Background. „Aber ich stelle viele Fragen und bekomme so heraus, ob ein Erzeuger zu uns passt.“ Wenn die Dresdnerin „uns“ sagt, dann meint sie die vielen Mitstreiter, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind. Entstanden ist ein Netzwerk, das Stück für Stück größer wird.

Die Marktschwärmer sind längst nicht nur in Großstädten wie Dresden oder Leipzig präsent. In Görlitz haben sie sich etabliert, Riesa und Plauen sind gerade im Aufbau. Besonders toll funktioniert das Konzept in Freiberg. „Es ist Wahnsinn, was dort abgeht“, sagt Fanny Schiel. Warum also soll das Konzept nicht auch in Bautzen funktionieren?

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In der Spreestadt stehen die Marktschwärmer noch ganz am Anfang. Im ersten Schritt suchen sie jetzt nach Erzeugern, die sich beteiligen wollen – und nach einem Raum, den sie einmal pro Woche für die Übergabe der Waren nutzen können. „Außerdem möchte ich jemanden in Bautzen finden, der das Ganze koordiniert“, sagt Schiel. Am Montag lädt sie Interessierte zu einem Treffen ein. Dann wird sie die Idee erläutern – und im besten Fall auch andere zum Schwärmen bringen.

Die Infoveranstaltung der Marktschwärmer findet am Montag, dem 27. Januar ab 18 Uhr in den Räumen des Innenstadtvereins, Bauerngasse 2 in Bautzen statt.

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