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Sie wirbt für Fairness auf dem Teller

Anne Ritter-Hahn aus Vierkirchen startet im September die Görlitzer Schwärmerei. Was sich nach Träumerei anhört, hat mit dem täglichen Essen zu tun.

Anne Ritter-Hahn kommt aus Melaune. Sie bringt Lebensmittelproduzenten aus der Region wie die Arnsdorfer Gärtnerei Jung, die Brotschmiede aus Görlitz, den Lindenhof in Pfaffendorf, die Mühle in Rennersdorf und weitere zusammen.
Anne Ritter-Hahn kommt aus Melaune. Sie bringt Lebensmittelproduzenten aus der Region wie die Arnsdorfer Gärtnerei Jung, die Brotschmiede aus Görlitz, den Lindenhof in Pfaffendorf, die Mühle in Rennersdorf und weitere zusammen. © Nikolai Schmidt

Anne Ritter-Hahn kann der Marktschwärmerei viel abgewinnen. Als sie noch im Landratsamt im Amt für Kreisentwicklung arbeitete, lernte sie eine Dresdnerin kennen. Die betreibt in der Landeshauptstadt drei Schwärmereien. Das wäre auch etwas für unsere Region, dachte sich die 33-Jährige aus Melaune, die derzeit zu Hause und in Elternzeit ist. 

„Es gibt hier eine ganze Menge an Erzeugern, die hochwertige Lebensmittel produzieren, aber mitunter Schwierigkeiten haben, die Ware an den Mann oder die Frau zu bringen“, sagt Anne Ritter-Hahn. Andererseits hörte sie aber schon von vielen Bekannten, dass sie es bald nicht mehr schaffen, freitags von Hofladen zu Hofladen zu fahren, um die Erzeugnisse aus der Region dort vor Ort zu kaufen.

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Die Görlitzer Schwärmerei soll hier Abhilfe schaffen, hat sich die Melaunerin vorgenommen. Und sie nimmt das selbst in die Hand. Zeit habe sie jetzt in der Elternzeit dafür, sagt sie. Zwar sind neben dem vier Monate alten Baby zwei weitere Kinder zu betreuen, aber sie wollte in der Elternzeit noch etwas anderes tun. Etwas, in das sie ihr Tourismusstudium an der Görlitzer Hochschule einbringen kann. Schließlich schloss sie es mit dem Master ab. Anne Ritter-Hahn sieht die Sache mit der Görlitzer Schwärmerei als Teil eines Findungsprozesses für sich selbst. Denn im Landratsamt hat sie befristet gearbeitet, weil sie eine Mutter in Elternzeit vertrat. 

Was Anne Ritter-Hahn, die aus Melaune stammt, nach ihrer eigenen Elternzeit machen will, muss sie erst noch herausfinden. Der Vertrieb von Lebensmitteln über das Internet in Form der Schwärmerei ist sozusagen für sie ein Testlauf. Sie will sich selbst ausprobieren, sehen, wie alles läuft. Wie es ihr gelingt, Erzeuger von Lebensmitteln zu akquirieren, sie zu überzeugen, diesen neuen Weg des Vertriebs zu beschreiten. Und sie will genügend Kunden gewinnen, die die Landwirtschaft in der Region unterstützen. „Wenn dann sowohl lokale Erzeuger als auch Kunden davon profitieren, umso besser“, sagt sie.

Das Prinzip der Schwärmerei ist einfach: Jemand organisiert sie, findet regionale Produzenten von Gemüse, Obst, Fleisch, Eiern, Milchprodukten, Brot, Honig und Feinkost, die mitmachen und präsentiert sie auf der Internetplattform der Marktschwärmer. Verbraucher können sich dort die lokale Schwärmerei aufrufen. Die Ware wird bis anderthalb Tage vor dem Abholtermin online bestellt und auch online bezahlt. Fürs Handy gibt es dafür eine App, die man sich kostenlos herunterladen kann. Ziel ist es, dass die Erzeuger zum Abholtermin ebenfalls vor Ort sind. „Nicht immer wird das klappen, denn auch sie haben Personalnot“, sagt die Melaunerin. Aber zum Start wollen alle da sein.

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Am 5. September geht es los. Dann können die Besteller ihre Waren zwischen 17 und 19 Uhr am Nostromo in der Cottbuser Straße in Görlitz abholen. Mit dem Verein Schall und Rauch, der das Nostromo betreibt, fand Anne Ritter-Hahn sehr entgegenkommende Partner. Sie stellen einen Raum mit Wasser- und Stromanschluss bereit. Verbraucher treffen dort die Menschen, die die Lebensmittel herstellen. „Kunden kommen dabei mit Produzenten ins Gespräch. Die Erzeuger erfahren von den Kunden, was sie sich wünschen und sie erhalten Informationen, wie ihre Ware ankommt“, erklärt Anne Ritter-Hahn. Die Kunden unterstützen als aktives Mitglied der Schwärmerei lokale Erzeuger, faire Preise und eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. „Und sie treffen Menschen aus ihrem nahen Umfeld, die ihr tägliches Essen machen – mehr Transparenz und Vertrauen geht nicht“, betont die Melaunerin.

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