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Siesta statt hitzefrei in Döbeln

An heißen Tagen fällt das Arbeiten besonders schwer. Deshalb lassen sich die Firmen einiges einfallen.

Claudia Dennhardt und ihre Kolleginnen von der Waldheimer Buchhandlung Dierbooks gönnen sich bei den heißen Temperaturen eine Siesta, also eine längere Mittagspause, wie sie in südlichen Ländern üblich ist.
Claudia Dennhardt und ihre Kolleginnen von der Waldheimer Buchhandlung Dierbooks gönnen sich bei den heißen Temperaturen eine Siesta, also eine längere Mittagspause, wie sie in südlichen Ländern üblich ist. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Auch, wenn ab und zu ein paar Regentropfen fallen, Temperaturen über 30 Grad stellen viele Berufsgruppen vor besondere Herausforderungen. In manchen Unternehmen sieht der Alltag deshalb etwas anders aus, als gewöhnlich.

Waldheimer Buchhändler legen eine längere Mittagspause ein

Die Mitarbeiterinnen von Dierbooks in Waldheim gönnen sich seit dieser Woche eine Siesta, wie sie in südlichen Ländern üblich ist. „Es sind Ferien, durch die Urlaubszeit haben wir weniger Personal und die meisten Kunden kommen vormittags“, erzählt Mitarbeiterin Claudia Dennhardt. Im vergangenen Jahr habe die Buchhandlung diese verlängerte Mittagspause bereits in der Frankenberger Filiale ausprobiert, und das habe gut funktioniert. So ist auch der Waldheimer Laden jetzt statt von 13 bis 14 Uhr, bereits ab 12 und bis 14.30 Uhr geschlossen. „Da wir alle in Waldheim wohnen, können wir in der Zeit nicht nur Mittagessen, sondern uns auch für die nächsten vier Stunden frisch machen“, sagt Claudia Dennhardt.

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Leisniger Fliesenwerker halten sich mit Obst und Wasser fit

Weniger relaxt geht es in der Kerateam Fliesenproduktions- und -vertriebs GmbH Leisnig zu. „Am Wochenende hatten wir in der Fertigung eine Raumtemperatur von 50 Grad“, sagt Produktionsleiter Heiko Burzinski. Die Brennöfen laufen rund um die Uhr. Aber die Mitarbeiter können sich in klimatisierten Pausenräumen erholen. Wenn es ganz heiß ist, gehe auch einmal eine komplette Schicht gemeinsam in die Pause, was sonst nicht üblich sei. „In Absprache mit ihrem Vorgesetzten können die Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze außerdem zwischendurch verlassen, um zu duschen“, so Burzinski.

Heiko Burzinski (links) und Robert Naumann erfrischen sich in der 50 Grad heißen Produktionshalle von Kerateam in Leisnig mit Melone.
Heiko Burzinski (links) und Robert Naumann erfrischen sich in der 50 Grad heißen Produktionshalle von Kerateam in Leisnig mit Melone. © Dietmar Thomas

An der Glasierstrecke herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. „Die ist fast genauso unangenehm, wie die Hitze an den Brennöfen“, meint der Produktionsleiter. Regnet es nicht, stehen deshalb die Dachfenster weit offen. Es habe auch Überlegungen gegeben, die Arbeitszeiten zu verlegen. Aber bei zwei Schichten zwischen 5.40 und 23.50 Uhr bleibt nicht mehr viel Spielraum. Erfrischen können sich die Fliesenwerker an drei Wasserspendern mit gekühltem Wasser, mit und ohne Sprudel. Außerdem gibt es oft frisches Obst, wie Wassermelonen.

Die Großweitzschener Bäcker verschieben ihre Arbeitszeiten

Heiß ist es auch in der Backstube der Bäckerei Körner in Großweitzschen. 200 bis 250 Hitzegrade schlagen den Bäckern entgegen, wenn sie die Ofentüren öffnen. Durchzug soll ein wenig Abkühlung bringen. Aber ganz umgehen lassen sich die höheren Temperaturen nicht“, sagt Juniorchef Patrick Seyffarth. Die Kühlung laufe jetzt permanent. Getränke stehen bereit, und ab und zu gibt’s auch ein Eis. Erst vor Kurzem sei die zweite Schicht auf 5 bis 13 Uhr verschoben worden. Jetzt hätten die Kollegen darum gebeten, doch schon um 3 Uhr beginnen zu können.

Kunden freuen sich über angenehme Temperatur in Rosen-Apotheke Döbeln

Entspannt geht es in der Rosen-Apotheke Döbeln zu. „Die Klimaanlage läuft Tag und Nacht“, erklärt Apotheker Stefan Leutert. Deshalb herrsche eine gleichmäßige Raumtemperatur von 22 bis 23 Grad. Das freut die Kunden“, meint Leutert. Denen gebe er jetzt auch mal ein Erfrischungstuch mit. Einige verlangen nach Thermalspray fürs Gesicht. Einen größeren Absatz an Sonnenschutzmitteln registriert er bisher aber nicht. Für seine Kollegen stehen das ganze Jahr Äpfel bereit. „Und wenn es so heiß ist, holen wir auch mal ein Eis“, so der Apotheker.

Bei Omega Sorg in Waldheim gehört die Abkühlung zum Job

Einen der coolsten Arbeitsplätze in der Region haben die Mitarbeiter im Tiefkühlbereich von Omega Sorg in Waldheim. Allerdings müssen sie auch den größten Temperaturunterschied ausgleichen, wenn sie die Tiefkühle verlassen. Dort herrschen Minus 26 Grad, draußen sind es jetzt oft über 30.

Kai Dehmlow hat bei Omega Sorg in Waldheim einen der kältesten Jobs in der Region. Die Fachkraft für Lagerlogistik arbeitet im Tiefkühlhaus.
Kai Dehmlow hat bei Omega Sorg in Waldheim einen der kältesten Jobs in der Region. Die Fachkraft für Lagerlogistik arbeitet im Tiefkühlhaus. © Dietmar Thomas

Deshalb erfolgt die Erwärmung schrittweise. „Von der Tiefkühle geht’s ins Lager. Dort ist es auch kühl. Im Pausenraum ist es dann schon etwas wärmer“, erklärt Kathleen Dathe, Schichtleiterin im Lager. Bevor die Mitarbeiter ins Freie gehen, ziehen sie jetzt ihre wattierte Arbeitskleidung aus. Andererseits sei zu beobachten, dass andere Mitarbeiter, die sonst lieber draußen blieben, die Tiefkühlware jetzt selbst mit hineinfahren.

Bei der Hitze gebe es Wasser und immer mal eine Eisrunde. „Dabei werden auch die Mitarbeiter, die in der Kälte arbeiten nicht vergessen“, meint Kathleen Dathe. Die seien die Extreme, die ihr Job mit sich bringt, gewöhnt, und würden sich nach dem Wochenende freuen, wenn sie wieder ins Kühlhaus dürfen.

Für die Estler-Bauleute aus Hartha gibt’s Kopfbedeckung mit Schleier

Wenig Spielraum, dafür eine große Entscheidungsfreiheit haben die Mitarbeiter der Firma Estler Straßen- und Tiefbau aus Hartha. „Wo wir keine innerstädtische Baustelle haben, ist eine Arbeitszeitverlagerung möglich“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Estler. Seine Mitarbeiter erhalten Sonnencreme, Sonnenbrillen und eine Kopfbedeckung mit rückwärtigem Schleier. „Wenn es ganz heiß ist, beauftragen wir eine Lieferfirma, Eisbecher auszuteilen“, so Estler. Je nach Arbeits- und Wetterlage können die Tiefbauer auch selbst entscheiden, mal eine Stunde eher Schluss zu machen. „Ich kann mich auf meine Leute verlassen“, meint der Chef.

Die Dachdecker der Döbelner Firma Weimert hören auch mal eher auf

Ähnlich wie die Baufirma handhabt es Weimert Bedachungen in Döbeln. Auch dort können die Mitarbeiter, nach Absprache mit dem Chef, eher aufhören, wenn die Sonne zu sehr brennt. „Auf dem Dach werden es bis zu 60 Grad“, sagt Geschäftsführer Sebastian Weimert. Im Sommer wird die Arbeitszeit generell um eine halbe bis eine Stunde vorgezogen. Es gibt Wasser und vor den heißen Strahlen schützende Kleidung sowie zur Motivation Anfang September ein Sommerfest. Der einzige klimatisierte Raum sind die Fahrzeuge, mit denen die Arbeiter zur Baustelle fahren.

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