SZ + Meißen
Merken

So diskutiert Meißen über den Plossenausbau

Der Artikel zum Info-Abend am letzten Mittwoch hat zahlreiche Wortmeldungen ausgelöst.

 4 Min.
Teilen
Folgen
Die Wellen schlugen hoch am vergangenen Mittwoch im Meißner Ratssaal. Das Landesstraßenbauamt informiert über den Stand der Umleitungspläne für den Plossenausbau. Die SZ dokumentiert diesen Prozess in Auszügen.
Die Wellen schlugen hoch am vergangenen Mittwoch im Meißner Ratssaal. Das Landesstraßenbauamt informiert über den Stand der Umleitungspläne für den Plossenausbau. Die SZ dokumentiert diesen Prozess in Auszügen. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Die Überschrift „Meißner entscheiden über den Plossen“ ist eine journalistische Zumutung! schreibt Helge Landmann, Stadtrat BI. Kein Meißner entschied am Mittwoch über den Plossen. Die Meißner wurden in einer professionellen Inszenierung des Niederlassungsleiters Meißen vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zu einer Umleitungsvariante während der über zweijährigen Bauzeit an der Plossenauffahrt S 177 genötigt.

Das dem Stadtrat durch die Stadtverwaltung vor Jahren scheibchenweise übergestülpte Konzept des Ausbaus verteilt die Lasten des Eingriffs in keiner Weise solidarisch. Darin liegt der Geburtsfehler. Langsam macht sich allerdings etwas Einsicht breit, bezüglich der Endlichkeit der Ressourcen. 

Und so können wir mit einem Umdenken in der Staatsregierung rechnen. Deshalb sollten wir uns heute nicht auf Maximalforderungen verständigen, sondern gemeinsam eine bescheidene, solidarische und den komplizierten Standortbedingungen entsprechende Lösung anstreben. Wir kommen dabei freilich nicht umhin, die Tonnage bei rund 20 Tonnen zu begrenzen und über längere Bauzeiträume eine einseitige Benutzbarkeit des Streckenabschnitts zu sichern.

Für die tatsächlich notwendigen Sperrzeiten, bei stark reduziertem Verkehrsaufkommen, ist es ganz ohne Frage nötig, die kleinen Entlastungsstraßen Richtung Triebischtal und B 6 baulich moderat zu ertüchtigen. Den Siebeneichener Schlossberg in diese Betrachtungen mit einzubeziehen, ist außerordentlich gefährlich. Der Zustand des Schlossparks, als einer der frühesten und schönsten Landschaftsparks nach englischem Vorbild, kann im Moment überhaupt nicht befriedigen. Darin nun einfach eine Straße grundhaft auszubauen, geht überhaupt nicht, selbst wenn diese wirklich nur 3,50 Meter misst.

Völlig falsche Aussagen

Fraktion ULM/FDP/FB/CDU: Durch den überbetonten Begriff „Ausbau“ wird der Meißner Bürgerschaft glaubhaft gemacht, es handele sich um ein überdimensioniertes Projekt. Tatsächlich bezeichnet der Terminus hier nicht die Breite der Fahrbahn, welche mit sechs Metern eher unterdimensioniert ist. Lediglich in der Plossenkurve wird verbreitert. Der Eingriff in den Steilhang bleibt auf ein Mindestmaß beschränkt. Neu hinzu kommen stadtauswärts ein Rad- und Fußweg.

Völlig falsch war die Aussage des Landtagsabgeordneten Frank Richter am Mittwochabend, der Stadtrat habe beschlossen, die Tonnage nicht auf 20 Tonnen zu begrenzen. Der Stadtrat hat dafür keine Zuständigkeit. Der Stadtrat hatte in der Vergangenheit prüfen lassen, ob eine Tonnage beschränkt werden kann. 

Das Ergebnis der Prüfung war, dass aus rechtlicher Sicht nicht möglich ist, die Tonnage zu begrenzen. Die S 177 ist als Staatsstraße klassifiziert und entsprechend gewidmet. Mit dieser straßenrechtlichen Einstufung ist ihre Nutzung für jedermann im Rahmen der verkehrsrechtlichen Vorschriften gestattet.

Im vorliegenden Fall besteht nach Aussage der Polizei für den Bereich der Plossenkurve auch kein Unfallschwerpunkt mit Lastkraftwagen, sodass weder aus baulichen Gründen noch aus Gründen der Verkehrssicherheit eine Begrenzung zulässig wäre. Es besteht keine konkrete Gefahr.

Meinungen nicht wiedergegeben

Andreas Graff, Stadtrat Linkspartei. Die Berichterstattung in der SZ vom 7. Februar zur Informationsveranstaltung des Landesamtes Straßenbau und Verkehr sehen viele Leser und ich kritisch. Die Hauptkritik ist, dass die von den Bürgerinnen und gewählten Stadträten geäußerten Meinungen nicht wiedergegeben wurden. Obwohl Herr Wohsmann besonders zum Schluss der Information versuchte, ein Votum zur Umleitung über das Feld Querallee zu erreichen, gab es das von Beginn der Veranstaltung bis zum Ende der Veranstaltung nicht.

Hoher Aufwand für Umleitungsstrecken

Ute Czeschka, Stadträtin BI: Nach der Bürgerversammlung zum Plossen, in der die möglichen Umleitungsstrecken während der rund zweijährigen Bauzeit vorgestellt wurden, möchte ich meinerseits definitiv noch einmal die Option der einseitigen Sperrung neu diskutieren. 

Denn all die Umleitungsstrecken (Lercha, Siebeneichen, Polenz ...) sind nicht nur im Hinblick auf Natur- und Umweltschutz bzw. die Beeinträchtigungen unserer vielen Kleingärtner und anderer betroffener Bürger extrem problematisch, sondern sind aus meiner Sicht mit einem nicht unerheblichen baulichen und damit finanziellen Aufwand verbunden. 

Diesen könnte man besser für die Finanzierung eines ggf. auftretenden Mehraufwandes einer halbseitigen Sperrung verwenden. Das heißt den Vergleich hierzu würde ich vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr gern noch einmal dargestellt bekommen, bevor man über die Umleitungsstrecken final entscheidet.

 Die Aussage des Lasuv mir gegenüber vor einigen Monaten, dass eine einseitige Sperrung bautechnisch generell nicht geht, kann ich mir in einem so hochtechnologischen Land wie Deutschland mit all den großartigen Ingenieuren einfach nicht vorstellen.

 Zudem beweisen es regelmäßig die Schweizer und Italiener, dass Bauprojekte dieser Größenordnung mit einseitiger Sperrung auskommen. Dort ist aber sicher der klare Wille hierfür da. Das ist dann aber gegebenenfalls eben der kleine, feine, aber entscheidende Unterschied.