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So findet man die Traumwohnung

Eine Dresdner Familie erzählt, wie sie es geschafft hat, vier Zimmer mit Garten zu bekommen.

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© René Meinig

Von Kay Haufe

Das Foto vermittelt Idylle: Luise Etzold, Patrick Ziegenbalg und Töchterchen Lara im Garten vor der großen Terrasse. Es ist Platz zum Spielen und für die neu angeschafften Kaninchen. Im Hintergrund sind die bodentiefen Fenster der Wohnung zu erkennen, die offene Küche im großen Wohnraum. „Das ist unsere Traumwohnung. Aber fragen sie nicht, wie schwer es war, die zu bekommen“, sagt Luise Etzold.

Im Januar haben sie und ihr Partner entschieden, erstmals in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Etzold wohnte bereits in Striesen. „Der Stadtteil war für uns gesetzt, weil Lara hier in den Kindergarten geht und die Infrastruktur einfach perfekt ist“, sagt die 30-Jährige. Striesen liege im Grünen und sei dennoch citynah, Elbe und Großer Garten seien zu Fuß erreichbar. „Das Beste ist, dass hier so viele Familien leben und immer Spielpartner für die Kinder da sind. Das soziale Umfeld ist entscheidend“, sagt die 30-jährige Etzold, die im Hotelgewerbe arbeitet.

Die Wohnungs-Prämissen hat das junge Paar klar umrissen: Vier Räume im Erdgeschoss, Gartennutzung und Einbauküche. Das Ganze für maximal 1 100 Euro warm. „Uns war klar, dass wir das nicht für 600 Euro bekommen“, schätzt der 29-jährige Ziegenbalg ein. Doch schon der erste Blick ins Internet zeigte, dass die erträumte Vierraumwohnung die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen war. „Es gab überhaupt nur Angebote über Makler. Manche Wohnungen standen lediglich fünf Minuten im Internet und waren dann sofort wieder raus. Natürlich haben wir uns bei allen gemeldet. Doch nur die wenigsten haben darauf überhaupt reagiert“, erinnert sich Ziegenbalg, der in der Lidl-Zentrale in Lampertswalde beschäftigt ist. Auf einige Makler wartete er über eine Stunde beim verabredeten Termin. Andere meldeten sich nach der ersten Kontaktaufnahme nie wieder. Auch Besichtigungen waren oft nur schwer vereinbar.

Tipps vom Makler

Persönliche Anschreiben, verwenden, weshalb die Wohnung perfekt ist.

Mappe mit allen wichtigen Daten zur Person oder Familie sowie den Einkommensverhältnissen bereithalten.

Termine zur Besichtigung oder für persönliche Gespräche nicht lange hinausschieben.

Klare Vorstellungen zu Größe, Ausstattung und Mietpreis äußern.

Kompromissbereitschaft zeigen bei kleinen Faktoren wie Höhe der Gartenhecke oder dem Hausgeschoss.

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Patric Berger von Esdi Immobilien war der Einzige, der aufgrund ihrer Nachfrage innerhalb von 24 Stunden zurückschrieb. Und er hatte die Traumwohnung für die beiden im Angebot. Doch für die 110 Quadratmeter im Neubau in der Kipsdorfer Straße inklusive top ausgestatteter Küche und 30 Quadratmeter Garten gab es 45 Mitkonkurrenten. Das hat er Etzold und Ziegenbalg auch sofort gesagt. „Es hat keinen Sinn, Hoffnungen zu wecken, die nicht erfüllt werden“, sagt der Makler. Deshalb telefoniert er mit den Interessenten und gibt die Grobdaten durch. Einige stiegen gleich bei der Quadratmeterzahl oder dem Preis aus. Im konkreten Fall blieben 35 Interessenten übrig, die die Wohnung nicht nur auf den Fotos, sondern direkt besichtigen wollten. „Ich mache mit jedem Einzelnen Termine, weil jeder andere Fragen hat“, sagt Berger. Zuvor hatte er die anderen Mieter im Haus kennengelernt, um abzuschätzen, welche Personen gut ins Haus passen würden. Berger wird für seine Arbeit mit zwei Monatskaltmieten vom Wohnungseigentümer bezahlt.

Luise Etzold und Patrick Ziegenbalg punkteten bei Berger, weil sie sämtliche geforderten Unterlagen mit Gehaltsangaben und persönlichen Daten stets dabeihatten und für das persönliche Gespräch mit dem Wohnungseigentümer sogar einen geplanten Kurzurlaub verschoben hatten. „Die Familie war mit zwei anderen Interessenten in der letzten Runde. Am Ende hat der Eigentümer gesagt, dass er sie am liebsten in seiner Wohnung hätte“, sagt Berger. Nicht zu vergessen: Sie akzeptierten die 1 275 Euro Warmmiete inklusive Tiefgaragenstellplatz.

Makler Berger weiß, dass die Mietpreise in Striesen in den letzten Jahren um mindestens 1,50 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind. „Insbesondere die Vierraumwohnungen, die Familien suchen, sind nicht unter neun Euro kalt pro Quadratmeter zu bekommen, egal ob Alt- oder Neubau.“ Und die Preise stiegen weiter.