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Bautzen

So verschwinden die Funklöcher in der Oberlausitz

Vor allem auf den Dörfern ist der Handyempfang schlecht. Deshalb werden jetzt Dutzende neue Antennen installiert.

Erst in diesem Jahr wurde der Funkmast in Weigsdorf-Köblitz gebaut. Seine Aufgabe: Ein Funkloch schließen und 5000 Leute mit LTE versorgen.
Erst in diesem Jahr wurde der Funkmast in Weigsdorf-Köblitz gebaut. Seine Aufgabe: Ein Funkloch schließen und 5000 Leute mit LTE versorgen. © Steffen Unger

Bautzen. In Großpostwitz mit dem Handy eine Mail zu verschicken, ist nicht leicht. Ein Video ins Netz zu stellen, ist eine schier unlösbare Aufgabe – zumindest mit dem falschen Mobilfunkanbieter. Ein Blick in die Netzabdeckungskarte von Telefonica, also O2, offenbart bei Großpostwitz orange eingefärbte Flächen: Mobilfunknetz eingeschränkt, 4 G gibt es nicht. Das O2-Funkloch bei Großpostwitz – es ist bei weitem nicht das Einzige im Landkreis Bautzen. Das soll sich jetzt verbessern. Die SZ hat nachgehakt.

Wie will der Freistaat gegen Funklöcher vorgehen?

Bereits kurz vor der Landtagswahl hat der Freistaat gemeinsam mit den drei Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland ein Maßnahmenpaket mit dem Namen „Zukunftssichere Mobilfunknetze in Sachsen“ beschlossen. Die Netzbetreiber sollen für besser ausgebaute Netze sorgen und sogenannte weiße Flecken erschließen. Im Rahmen des Pakts sollen bis 2022 mehr als 1 050 Mobilfunksendeanlagen mit 4 G/LTE neu errichtet werden. Der Freistaat möchte das fördern und stellt dafür Mittel von bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr bereit.

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Was sind denn eigentlich LTE und 4 G?

LTE steht für „Long Term Evolution“ – und ist im Endeffekt dasselbe wie 4G, also schnelles Internet. Letzteres steht übersetzt für die 4. digitale Generation und ist der Nachfolger des 3G-Netzes. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Geschwindigkeit der Datenübertragung. Ein Smartphone wählt von selbst das bestmögliche Netz, allerdings unterstützt nicht jedes Handy alle Netz-Generationen. Begonnen wird derzeit zudem in einigen Gebieten Deutschlands bereits mit dem Ausbau des 5G-Netzes. Auch in Sachsen will Vodafone noch in diesem Jahr fünf 5 G-Standorte installieren; Voraussetzung dafür ist ein ausgebautes LTE-Netz – und das ist im Kreis Bautzen noch an vielen Orten Mangelware.

Wie ist die Versorgungslage im Kreis Bautzen?

Ein Blick auf die Netzabdeckungskarten der einzelnen Anbieter beweist, was wohl den meisten auffällt, die häufiger im ländlichen Raum unterwegs sind: In den Städten ist die Mobilfunknetz-Versorgungslage noch recht gut, weiße Flecken gibt es vor allem in den weniger dicht besiedelten Gebieten. Wer zwischen Commerau, Malschwitz und Hohendubrau wohnt, hat es zum Beispiel mit der Telekom schwer. Das Netz der Telefonica ist zum Beispiel in Malschwitz, Obergurig, Kubschütz oder Großpostwitz schwach oder nicht vorhanden. Das Vodafone-Netz weist zum Beispiel weiße Flecken in der Nähe von Schirgiswalde-Kirschau und westlich von Kamenz auf. Insgesamt seien aber, so erklärt Vodafone, 96,4 Prozent der Bevölkerung an das 4G- und LTE-Netz angeschlossen. 104 Mobilfunkmasten betreibt das Unternehmen im Kreis Bautzen, 81 davon sind mit LTE-Technik ausgestattet. Telefonica und die Telekom machen dazu keine Angaben.

Wie wollen die Netzbetreiber nun gegen die Funklöcher vorgehen?

Am konkretesten wird bei dieser Frage abermals Vodafone. Insgesamt 54 LTE-Maßnahmen plant der Netzbetreiber in der Region. Eine komplett neue Mobilfunkstation will Vodafone in diesem Rahmen bauen. Von der 23 Mobilfunkstationen, die Vodafone betreibt, aber bislang noch nicht mit LTE ausgestattet sind, sollen zehn bis 2020 an das LTE-Netz angebunden sein. Die genauen Standorte stehen noch nicht fest, erklärt das Unternehmen – „wir werden diese zehn Stationen so auswählen, dass wir unser Ziel erreichen, möglichst die gesamte Bevölkerung im Kreis an das LTE-Netz anzubinden“, erklärt aber Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Auch darüber hinaus will Vodafone ausbauen: An 43 Stationen sollen sogenannte LTE-Erweiterungen angebaut werden. Zusätzliche LTE-Antennen werden an die Standorte montiert, die bereits das schnelle Netz ermöglichen – so sollen die LTE-Kapazität und die Surf-Geschwindigkeit gesteigert werden.

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Telefonica erklärt lediglich, den LTE-Ausbau vorantreiben zu wollen. Wo, wie und in welcher Größenordnung – das bleibt offen. Auch die Telekom macht keine detaillierten Angaben zum LTE-Ausbau, gibt aber bereits bekannt, dass das Unternehmen gerade einen neuen Mobilfunkstandort prüft. Zudem sucht das Unternehmen mit seiner Aktion „Wir jagen Funklöcher“ Gemeinden, die ein LTE-Funkloch haben, und bittet diese, sich zu melden – um dort LTE-Standorte zu errichten.

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