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Sozialstadt Pulsnitz schärft ihr Profil

Grundstein. Der Bau desHauses II des PflegeheimGmbH wurde gestern nunauch offiziell vollzogen.53 Plätze entstehen.

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Von Frank Oehl

Pulsnitz ist wahrlich nicht nur Pfefferkuchenstadt. In den 15 Jahren seit der Wende hat sich die 6 800-Seelen-Kommune vor allem auch auf dem Gebiete des Gesundheits- und Sozialwesens einen Ruf weiter über die Stadtgrenzen hinaus erworben. Dank der Wittgensteiner Kliniken, die hier immerhin zwei große Einrichtungen ganz erfolgreich betreiben. Und auch dank des Engagements weiterer privater Investoren in Sachen Pflegeversicherung. Neben Karpiuk & Söhnen (früher Karpiuk & Ziller) hat sich vor allem die Pflegeheim Pulsnitz GmbH profiliert. Gestern wurde offiziell der Grundstein für einen weiteren Heimneubau gelegt, dessen Silhouette am Wettinplatz freilich sogar schon über das Erdgeschoss hinausgewachsen ist.

3,5 Millionen Euro angefasst

Für den Investor, die Bauherren- und Verwaltungsgesellschaft soziale Dienste GbR mbH (was es alles gibt!), nahmen gestern Jana Gerigk und Henry Mülder auf sich, die vielen Interessenten aus der Stadt und aus der Region über das ehrgeizige Vorhaben zu informieren. Dabei überlappten sich die Feierlichkeiten gewissermaßen. Neben der Grundsteinlegung stand auch der 5. Geburtstag der Pflegeheim Pulsnitz GmbH, dem Heimnutzer, auf der Tagesordnung. „In dieser Zeit haben viele Senioren bei uns ein schönes neues Zuhause gefunden und sind unsere Mitarbeiter zu einem starken und hilfsbereiten Team zusammengewachsen“, hieß es. Und dies soll natürlich auch für den Neubau gelten. Er wird insgesamt 3,5 Millionen Euro kosten – plus jenen kompletten Euro-Münzensatz, der gestern nebst Baupläne, glückverheißenden Bergkristall-Splittern und der aktuellen Ausgabe der Sächsischen Zeitung in die Grundstein-Schatulle gelangte.

Bedürfnis nach Einbindung

Am Ende werden hier 53 neue Pflegeheimplätze entstehen – für Frauen und Männer „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“, wie es fachchinesisch heißt. Das Besondere: Die Bewohner werden in Hausgemeinschaften leben, was ihrem ungebrochenen Bedürfnis nach sozialer Einbindung Rechnung tragen soll. Die Betreuung nach den Pflegestufen 1 bis 3 ist natürlich auch arbeitsintensiv. Etwa 30 Arbeitsplätze entstehen neu, wenn im Herbst die Fertigstellung des von der Schneider System Bau GmbH geführten Bauvorhabens erfolgt ist. Als Leiterin fungiert Katrin Hermann, die sich gestern auch als Marketenderin bewährte. Schließlich galt es nicht nur die Schatulle geschickt zu vermauern, es musste – im Beisein des Landkreis-Sozialdezernenten Benedikt Ziesch und des Pulsnitzer Bürgermeister Erhard Rückwardt – auch zünftig angestoßen werden.

Grund zur Freude gibt es genug. Nicht nur wegen der privaten Investition an sich, sondern auch, weil die Stadt ihr soziales Profil auf diese Weise weiter schärfen kann. Schon jetzt gibt es gefüllte Wartelisten auf einen Heimplatz, und da sind – wie schon bisher – auch Interessenten aus dem weiteren Umfeld, ja sogar aus der Landeshauptstadt dabei. Sozialdezernent Benedikt Ziesch sah die Entwicklung mit Blick auf die eh schon kritische Alterspyramide jüngst zwar auch mit einem leicht weinenden Auge, gestern aber überwog natürlich die Freude. Pulsnitz ist wahrlich nicht nur eine Pfefferkuchenstadt ...