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Spannungswechsel: Trafobau Heinz Lindner

Die alten Pirnaer kennen das Werk auf der Langen Straße Nr. 19 in Pirna noch. Mitten im Wohngebiet gründete Heinz Lindner 1946 ein Handelsunternehmen für Elektroartikel, aus dem sich ein Reparaturbetrieb und schließlich ein Produktionsbetrieb entwickelte.

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Von Dirk Benedikt Tita, Dietmar Fritzsche und Erhard Keller

Die alten Pirnaer kennen das Werk auf der Langen Straße Nr. 19 in Pirna noch. Mitten im Wohngebiet gründete Heinz Lindner 1946 ein Handelsunternehmen für Elektroartikel, aus dem sich ein Reparaturbetrieb und schließlich ein Produktionsbetrieb entwickelte.

Bereits 1932 hatte Heinz Lindner in Pirna ein Elektrogroßhandelsgeschäft mit Werkstatt aufgebaut. Seine Tätigkeit wurde durch den Einsatz an der Front während des Zweiten Weltkrieges unterbrochen. Nach dem Krieg folgte der Neuanfang. Es wurde zum Aufbau des Landes alles gebraucht.

Heinz Linder spezialisierte sich auf die Herstellung verschiedener Transformatoren. Er begann mit der Produktion von Klingeltransformatoren sowie Schweißtransformatoren, die vor allem bei Handwerkern der Umgebung zum Einsatz kamen.

Bedarf steigt nach dem Krieg

Mit dem Einzug der Fernsehapparate in die privaten Haushalte entwickelte sich der Bedarf an Regeltransformatoren für Fernsehgeräte, da die notwendige Netzspannung von 220V nicht immer erreicht wurde. Seit 1964 produzierte der Betrieb auch Transformatoren zum Auftauen von Rohrleitungen, die den Firmen des Bezirkes Dresden bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden konnten. Zur Herstellung kamen über die Jahre weiterhin Transformatoren zur Stromversorgung der elektrischen Steuerung von Werkzeugmaschinen, galvanischen Anlagen, Datenverarbeitungsanlagen, Kranen, Hebezeugen und Fördergeräten sowie Schlaf- und Speisewagen. Für die Reichsbahn stellte die Firma außerdem Geräte für die elektrische Weichenbeheizung her und produzierte für wissenschaftliche Einrichtungen Spezialtransformatoren.

Nur ins Inland geliefert

Der Betrieb belieferte ausschließlich Firmen in der DDR. Viele dieser Betriebe exportierten ihre Produkte jedoch in das sozialistische aber auch nichtsozialistische Ausland. So gelangten die Transformatoren von der Langen Straße in Pirna auch in andere Länder.

Im Jahre 1957 nahm Heinz Lindner für seinen Betrieb staatliche Beteiligung auf. Das Unternehmen gehörte damit zu einer der ersten Kommanditgesellschaften dieser Art in Pirna. Es waren danach höhere Investitionen möglich. Außerdem erhielt Heinz Lindner ein größeres Bilanzvolumen. So konnte die Produktion von 1957 bis 1959 um 66 Prozent gesteigert werden.

Heinz Lindner trat die Geschäftsführung zum 1.Januar 1971 an den ehemaligen Technischen Leiter, Erhard Keller, ab. Bis zur Verstaatlichung 1972 war er haftender Komplementär der Gesellschaft, danach, bis zum Erreichen des Rentenalters 1973, nur noch Angestellter des Betriebes. Im Jahre 1981 wurde der VEB Trafobau Pirna in das Kombinat Robotron eingegliedert. In dieser Struktur arbeitete er bis 1990. Zu dieser Zeit waren etwa 100 Mitarbeiter im Pirnaer Trafobau beschäftigt, davon fünf Meister, 65 bis 70 Produktions-, acht Hilfsarbeiter für Lager, Transport und Kantine sowie 20 Angestellte.

Die Treuhand übergab den Betrieb Trafobau Pirna im Juli 1990 an den Erben von Heinz Lindner. Der Betrieb blieb bis zum Verkauf im Jahre 1999 Eigentum des Sohnes Christian Lindner. Nach dem Verkauf des Unternehmens arbeiteten noch vier Mitarbeiter bis 2005 im Trafobau Sachsen, der nach Lohmen umgezogen war.

Zwei Mitarbeiter blieben übrig

Ab September 2005 wechselten die zwei letzten Mitarbeiter nach Dürrröhrsdorf-Dittersbach und bauten als Betriebsteil einer Elsterwerdaer Firma Spezialtransformatoren. Im Oktober 2008 gründeten sie nach Kündigung ein eigenes Unternehmen: die Trafobau Gäbler/Krell GbR. Sie sind damit die letzten Vertreter eines traditionsreichen Pirnaer Unternehmens.

Der Text entstammt aus einer Reihe von Forschungsarbeiten des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Pirna zur städtischen Industriegeschichte. Das Stadtmuseum präsentiert diese Erkenntnisse bis 24. Oktober in der Sonderausstellung „Gläser, Lacke, Marmeladen“.