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Spezialisten bauen für Grufthaus historische Türen nach

Das Gebäude hat endlich neue Türen. Die Tischler, die sie gefertigt haben, bekommen sogar Aufträge aus Brasilien.

© SZ Thomas Eichler

Von Susanne Sodan

Weg mit den Brettern, die seit einigen Wochen den Zugang zur Grabstätte versperrten. Mit Bohrern, Schrauben, Nägeln und einem Glas Ersatzfarbe sind Markus und Richard Schneider gestern auf dem Ruppersdorfer Friedhof angetreten, um zwei neue Türen am Grufthaus anzubringen. Die alten Türen links und rechts des Haupteinganges hatten ihre Zeit hinter sich gebracht. „Das Holz war morsch, vor allem im unteren Bereich“, erklärt Tischler Markus Schneider. Feuchtigkeit und Ameisen hatten sich zu schaffen gemacht. Mit dem Bau der neuen Türen hatte die Kirchgemeinde die Obercunnersdorfer Tischlerei Schneider beauftragt und damit Spezialisten beim Nachbau historischer Türen.

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Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten die Tischler die Farbe nicht recht getroffen. Ein wenig dunkler ist der beige-grüne Ton. „Das ist die Original-Farbe“, erklärt Markus Schneider. „Der Haupteingang wurde über die Jahre von der Sonne ausgebleicht.“ Rund 100 Jahre, so schätzt Ullrich Schneider, Inhaber der Tischlerei, hingen die alten Türen in ihren Angeln im Grufthaus.

Bereits in den 1990er Jahren wurde die Grabstätte saniert. „Eine nochmalige Aufarbeitung hätte hier nichts mehr genützt“, erzählt Schneider. Also wurden die beiden Türen vor rund einem Monat ausgebaut und in Obercunnersdorf mit all ihren Verzierungen auf den Millimieter genau nachgebaut. Auf der Innenseite der Türen ließ sich noch die ursprüngliche Farbgebung erkennen. Um den Ton ganz genau zu treffen, haben Schneiders sogar mit einem elektronischen Messgerät gearbeitet. Die alten Metallbeschläge und Kasten-Schlösser wurden für die neuen Türen wiederverwendet. „Das einzige, was jetzt anders ist, ist die Holzart“, sagt Schneider. „Für die Haltbarkeit haben wir Eiche statt Kiefer verwendet.“ Finanziert werden die Arbeiten von der Kirchgemeinde Ruppersdorf.

Dass sie Aufträge aus der Region bekommen, ist für Schneiders und ihre vier Mitarbeiter nichts Neues. Denn mit dem Bau von Türen für Umgebindehäuser fing für sie alles an. „Nach einem Auftrag von einer Bekannten haben wir uns mehr und mehr auf historische Nachbildungen spezialisiert.“ Noch heute darf bei keinem Urlaub die Kamera fehlen – um interessante Türen abzulichten.

Vor wenigen Wochen aber ging ein Auftrag aus weiter Ferne ein, aus Brasilien. Für die Unterkunft der Nationalelf haben Schneiders zwar nicht getischlert, dafür aber für einen Brasilianer, der lange in Deutschland lebte und nun zurück in Brasilien ein neues Haus baut. Direkt am Meer wird es entstehen, soviel wissen Schneiders. Entsprechend werden die Türen azurblau sein. Warum er ausgerechnet deutsche Türen für sein neues Heim wünscht, hat der Auftraggeber den Tischlern nicht erzählt. „Vielleicht sind sie ein Stück Erinnerung“, vermutet Ullrich Schneider.