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Spielen mit dem Marienthaler Kloster

Das Ordenshaus in Ostritz hat es in ein weltweit bekanntes Spiel geschafft – und mit ihm fünf weitere Klöster.

Von Irmela Hennig

Ein Abt als Chef vom Frauenkloster St. Marienthal?! Wo gibt es denn so was? Seit Kurzem im weltberühmten Legespiel Carcassonne. Der verantwortliche Verlag „Hans im Glück“ mit Sitz in München hat eine Erweiterung für das Spiel des Jahres 2001 herausgebracht. Sie kann gegen die im Spiel enthaltenen Fantasie-Klöster ausgetauscht werden. Dann kann ein Spieler solch ein Konvent für sich beanspruchen und mit einem Abt besetzen – so heißt der Klosterleiter in der Kirchensprache.

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Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

„Man darf im Fall von Marienthal aber auch Äbtissin sagen, muss man ja sogar“, meint Udo Schmitz von Forum-Spiel, einem Institut für Spielepädagogik in Dohna bei Pirna. Zusammen mit dem Internationalen Begegnungszentrum im Ostritzer Kloster führt er seit Jahren Familien-Spiele-tage durch. Und er hatte zusammen mit seinem Team die Idee für die Carcassonne-Erweiterung. „Uns war aufgefallen, dass bei dem Spiel gar keine echten Klöster auftauchen. Deswegen haben wir dem Verlag vorgeschlagen, das doch zu ändern“, so Udo Schmitz. Bei „Hans im Glück“ in München rannte man offene Türen ein. Marienthal war gewissermaßen als Ursprungsort der Idee gesetzt für die Ergänzung um sechs Karten. Zu den übrigen Ordenshäusern gehören unter anderem das Benediktinerkloster Andechs in Bayern sowie das ehemalige Zisterzienserkloster Eberbach im Rheingau in Hessen.

Im Handel ab 2015

Die Nachfrage sei riesig. Die ersten 2 000 Kartensets waren im Nu weg. Mittlerweile gebe es Anfragen aus aller Welt. Regulär auf den Markt kommt die Erweiterung „Klöster in Deutschland“ erst ab 2015 für circa fünf Euro. Eine erste Verkaufsaktion durch den Verlag sei an ein Benefizprojekt angeknüpft gewesen. „Hans im Glück“ unterstützt damit die Finanzierung von Schulen im afrikanischen Ghana. Momentan erhalten Interessierte die Klöster-Karten nur auf Aktionstagen des Verlages, bei Spieleaktionen im Kloster St. Marienthal wie den „Verspielten Tagen“ für Familien oder bei Ebay. Dort werden sie laut Udo Schmitz hoch gehandelt. Inzwischen gebe es übrigens auch Interesse aus Polen und Frankreich für landeseigene Kloster-Erweiterungen. In Polen hat das Spiel viele Fans, nach einer französischen Stadt ist es benannt. Ob es zu weiteren Kloster-Varianten kommt, an denen auch andere deutsche Ordenshäuser interessiert sind, ist offen.

Die Spielekarte zeigt das Kloster von der Seite und aus Vogelperspektive. Carcassonne-Zeichnerin Doris Matthäus hat die sechs Karten eigens neu gezeichnet. In der Erweiterung enthalten sind auch ein paar kurze Informationen zur Anlage sowie zur geografischen Lage. Außerdem gibt es die Internetadresse. Man könne so ja auch ein bisschen Werbung machen für Marienthal, sagte Steffen Blaschke, Projektleiter Familienbildung im Internationalen Begegnungszentrum vor Ort. Das IBZ ist gewissermaßen Mitwegbereiter der Karten. Denn es hat 2004 Forum-Spiel als Partner für Familienbildungsaktionen ins Kloster geholt. Seitdem veranstaltet das IBZ mit den Referenten von Forum-Forum Spiel und weiteren Partnern mehrere „Verspielte Tage“ pro Jahr. Anfangs waren es drei, nun sind es zwölf mit je 50 Teilnehmern, sagte Projekt-Koordinatorin Annett Schröter. Über mehrere Tage kommen Familien dazu ins Kloster, übernachten hier und spielen, was das Zeug hält. Im Freien, im Haus, mit Karten, Würfeln, Brettspielen.

Die Nachfrage sei riesig, die Kurse immer schnell ausgebucht. 2014 gebe es nur noch wenige freie Plätze für einen Termin im August. Man wolle Familien intensiver ans Spielen heranführen, weil dabei so viel gelernt werde – sich an Regeln halten, Partner suchen, verlieren, konzentrieren und mehr. Carcassonne sei als einfaches und abwechslungsreiches Gesellschaftsspiel oft mit von der Partie. Und so gab eins das andere. Die Klosterschwestern haben übrigens kein Problem mit ihrer „Teilhabe“ am Kartenspiel. Sie bekamen nun eine große Ausgabe der Spielkarte als Geschenk.