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St. Filomena hilft und weckt Hoffnung

Der Schmerlitzer Verein ist vielfältig sozial engagiert. Vorsitzender Gerhard Robel zieht vor den Festtagen eine Bilanz.

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Gerhard Robel ist Vorsitzender des St. Filomena Vereins. Seit Jahren unterstützen die Mitglieder Notleidende. Hilfstransporte führen nach Polen, Tschechien, in die Ukraine, nach Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Bulgarien.
Gerhard Robel ist Vorsitzender des St. Filomena Vereins. Seit Jahren unterstützen die Mitglieder Notleidende. Hilfstransporte führen nach Polen, Tschechien, in die Ukraine, nach Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Bulgarien. © Andreas Kirschke

Schmerlitz. Seine Hilfstransporte führen nach Polen, Tschechien, in die Ukraine und bis nach Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Bulgarien. Seit 17 Jahren unterstützt der St. Filomena Verein Notleidende. Die SZ sprach kurz vor den Festagen mit dem Vereinsvorsitzenden Gerhard Robel. Er zieht seine Jahresbilanz und wagt einen Ausblick.

Herr Robel, wie schauen Sie jetzt zum Jahresende auf 2018 zurück?

Das Jahr war sehr intensiv und ereignisreich. Wir konnten viele Menschen mit unserer Hilfe erreichen. Wir weckten neue Hoffnung in ihnen, neues Vertrauen, neuen Mut. Darauf lässt sich weiter aufbauen.

Ein Höhepunkt war wieder das Benefizkonzert im Lasker Auenwald. Wie fällt ihre Bilanz aus?

Sehr gut. Weit mehr als 1 000 Besucher aus nah und fern kamen. Wir organisierten ein vielfältiges Programm. Die Sorbische Volkstanzgruppe Schmerlitz, die Folkloregruppe Sprjewjan, der Sorbische Männerchor Delany, die Sorbische Laientheatergruppe Schönau-Cunnewitz, die Crostwitzer Blasmusikanten, die Dichter Mónika Kochowa und Beno Budar – beide sind ja gebürtige Lasker– sowie Solistin Jana Eykowa erfreuten das Publikum.

Wie war der Erlös? Wo fließt er hin?

Wir hatten mehr als 5 000 Euro eingenommen. Zugute kommt das Geld jetzt dem Verein „Odyssee“ im bulgarischen Razgrad. Er unterstützt vor Ort tatkräftig mehrere Pflege-, Alten-, Kinder- und Behindertenheime. Dort werden dringend vor allem Ausstattungen und Mittel zur Pflege, Hygiene-Artikel und Inkontinenz-Material gebraucht. Der Verein „Odyssee“ bringt unsere Güter dann in jene Heime, die es am nötigsten haben.

Sind das Tropfen auf heiße Steine oder gibt es auch eine Vision für Razgrad?

Wir haben jetzt zwei Jahre Informationen vor Ort gesammelt. Wir wollten zunächst eine Pflege-Einrichtung aufbauen. Doch davon sind wir abgekommen. Es ging darum, sozial Schwache aufzunehmen. Eine solche Einrichtung muss sich aber finanziell tragen. Sie braucht einen Träger vor Ort und zuverlässige Partner. Das alles war so nicht zu leisten. Wir gehen jetzt neue Wege.

Welche denn?

In einem Dorf bei Razgrad möchten wir zwei Grundstücke erwerben. Wir wollen dort eine kleine Tischlerei und ein kleines mobiles Sägewerk aufbauen. Wir wollen auch Tierzucht fördern. Sozial benachteiligte Jugendliche sollen etwas Sinnvolles, Wertschöpfendes lernen. Sie sollen sich selbst verpflegen. Wenn wir das schaffen, wollen wir ein drittes Grundstück erwerben. Dort soll ein Betreutes Wohnen für sozial schwache Jugendliche entstehen. So schließt sich der Kreislauf.

Und das alles ist allein mit Spenden zu bewerkstelligen?

Natürlich nicht. Wir brauchen auch Mittel der Einheimischen und auch EU-Zuschüsse. Wir brauchen die Gemeinderäte, Bürgermeister und Landwirte vor Ort. Träume wie unsere brauchen einen langen Atem. Doch wer nicht anfängt zu träumen, kann keine Ideen realisieren. Das Projekt wird viel Kraft, Zeit und Fachwissen kosten.

Was hat der Verein 2018 in Dolni Podluži in Tschechien gemacht?

Dort ging es um den Bau der Behinderten-Werkstatt und zweier Wohnungen. Die Werkstatt mit Bäckerei soll im Januar starten. Und auch die Wohnungen sind fertig und werden jetzt bezogen, beziehungsweise sind es schon. Junge alleinstehende, psychisch kranke Mütter mit Kindern sollen lernen, ihr Leben zu meistern. Und das in jeder Hinsicht, vom Wäschewaschen bis zur Erziehung und Ausbildung der Kinder.

Lausitzer Firmen waren vor Ort in Tschechien. Uneigennützig?

Geradezu großherzig. Die Firma Elektro Schuster Kamenz hat für 15 000 Euro die gesamte Installation verlegt und Elektro-Material geliefert. Die Firma Sachsenfenster Kamenz war mit Fenstern und Außentüren zum halben Preis dabei. Die Firma Creaton aus Bautzen hat die Dachziegel und einiges Baumaterial gesponsert. Der Missionshof Lieske hat mit Zimmerern und Tischlern kostenlos den Dachstuhl aufgebaut. Das war drei Tage lang harte Arbeit. Dachdecker Martin Hrjehor aus Cunnewitz und seine Mitarbeiter sorgten für die Eindeckung. Es kamen auch viele Geldspenden – für Mauer-Ziegel, Innen-Ausstattung, sanitäre Einrichtungen. Alles zusammengerechnet kommen wir in Dolni Podluži auf etwa 100 000 Euro an Wertumfang. Allen Unterstützern gebührt großer Dank.

Was nimmt sich der Verein 2019 vor?

Wir müssen mit unseren Kräften haushalten. Sattelzüge nach Bulgarien, Rumänien oder Polen sind nicht mehr vorgesehen, auch das Benefiz-Konzert am Lasker Auenwald nicht mehr. Wir konzentrieren uns jetzt auf das Jugendprojekt bei Razgrad.

Haben Sie einen Wunsch für 2019?

Dass Politiker in verantwortlichen Positionen nicht nur warmherzige Worte spenden. Dass sie den Blick wirklich frei haben für die seelischen Nöte der Menschen. Dass sie bereit sind, auch echte Veränderungen einzuleiten. Allen Helfern des Vereins danke ich noch einmal für ihr Engagement.

Gespräch: Andreas Kirschke