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Stadtrat Freital gibt Bewerbung für Landesgartenschau auf

Am Ende fiel die Entscheidung sehr knapp aus. Doch die Angst vorm finanziellen Ruin war bei der Mehrheit stärker. Zu Recht?

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Von Matthias Weigel

Es war ein schöner Traum vom blühenden Freital, den die Stadträte vergangene woche platzen ließen. Mit 18 Stimmen wurde beschlossen, sich nicht für die Landesgartenschau 2019 zu bewerben. Lediglich 14 Räte stimmten für die Schau, es gab eine Enthaltung. Damit ist die Schau bereits ein zweites Mal gestorben, denn die Initiative mit Tharandt im Jahr 2004 für die Schau 2009 scheiterte ebenso.

Dabei hatte das Dresdner Landschaftsarchitekturbüro Grohmann im Auftrag der Stadt federführend ein schlüssiges Konzept vorgelegt. Der Bereich zwischen Schloss Burgk, Osterbusch und Platz des Friedens sollte zum Festgelände werden. Schloss Burgk hätte sein Torhaus und die alte Schlossgärtnerei wiederbekommen. Für den Festplatz war eine Mehrzweckhalle geplant. Das Areal des alten Bauhofes wäre neu angelegt worden. Entlang der Weißeritz hätte man üppige Grün-, Freizeit- und Erholungsflächen gestaltet – und das alles im gesamten Festgelände mit Pflanzen und Gartenthemen garniert. Doch all die Pläne sind nicht umsonst zu haben. Mehr als elf Millionen Euro, so die Schätzung, wären an Investitionen in die Bauwerke, Parkplätze, Grünflächen und Gestaltungsmaßnahmen nötig gewesen. Die Durchführung hätte nochmals mit gut 6,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen – für Werbung, Personalkosten, Veranstaltungen, Technik und Ausstattung. Auf der Einnahmeseite stünden lediglich sieben bis acht Millionen Euro – der Zuschuss des Freistaates über 3,5 Millionen Euro, Eintrittsgelder, Verkaufserlöse, Sponsoren- und Spendengelder. Unterm Strich würden zehn bis elf Millionen Euro für die Stadt bleiben. Nicht zu vergessen die Folgekosten: Bis zu 800 000 Euro pro Jahr wären für Pflege, Betrieb und vor allem Abschreibungen als Belastungen geblieben.

Für die Stadtspitze stand deswegen fest: Eine Landesgartenschau in der Preisklasse ist für Freital nicht zu stemmen. Derzeit, so der 1. Bürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan, habe man schon große Sorgen, den Haushalt auszugleichen. Wie man da noch zusätzliche Defizite aus der Gartenschau stemmen wolle, wisse er nicht. Neue Kredite und noch mehr Einsparungen wären die Folge. „Das ist traurig , aber die Wahrheit“, sagte Kretschmer-Schöppan. Und was nütze es, 2019 ein tolles Fest zu feiern, was Freital dann finanziell knebele und keinen Spielraum mehr für Schulen, Kitas, Straßen oder Soziales, Sport und Kultur lassen würde.

Gegen den Ansatz, die Schau allein aufs Finanzielle zu reduzieren, stellten sich vor allem Linke, Teile der CDU und die FDP. Zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze und die sprunghafte Stadtentwicklung seien wichtige Effekte. Nicht zu vergessen das neue, positive Image und die Werbung, die Freital mit der Schau bekommen könne. „Ich hatte den Eindruck, das Projekt war nicht gewollt, weswegen hier extra hohe Kosten angehäuft wurden, um eine Begründung zu haben“, sagt Klaus Wolframm (SPD). Auch habe die Stadt das Konzept erst so spät vorgelegt, sodass Alternativen kaum möglich sind. Kommentar