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Zittauer Stadtring wird zur Teststrecke

Ab 15. Juli wird die Verkehrsführung an der Kreuzkirche geändert, um Unfälle zu vermeiden. Autofahrer und Fußgänger müssen umlernen.

Nach einem Unfall auf der Ring-Kreuzung am Klienebergerplatz in Zittau fuhr das rote Auto noch bis zum Theater, wo die Feuerwehr die beiden Insassen befreien musste.
Nach einem Unfall auf der Ring-Kreuzung am Klienebergerplatz in Zittau fuhr das rote Auto noch bis zum Theater, wo die Feuerwehr die beiden Insassen befreien musste. © xcitepress/tb

Rund 20.000 Euro Sachschaden und zwei Verletzte sind die Bilanz eines Unfalls im Dezember 2019 auf der Kreuzung Stadtring/Klienebergerplatz/Frauenstraße in Zittau gewesen. Der Fahrer eines roter Mitsubishi war von der Rosa-Luxemburg-Straße kommend auf den Ring gefahren und hatte einen Bus gestreift. Er war dann noch bis zum Theater weitergerollt, wo die Feuerwehr ihn und seinen Beifahrer auf dem Auto befreien musste.

Das ist aber bei Weitem nicht der einzige Unfall, den die Polizei in letzter Zeit an der sechsarmigen Kreuzung aufgenommen hat. Sie ist schon seit Jahren ein Unfallschwerpunkt. Allein 2017 knallte es dort elf Mal. Neben der Ausfahrt aus der Rosa-Luxemburg-Straße auf den Ring ist vor allem die Fahrt über die Zittauer Hauptverkehrsader von Frauenstraße zur Rosa-Luxemburg-Straße ein Problem. Die aus der Frauenstraße kommenden Fahrer müssen im spitzen Winkel nach hinten sehen, um den Verkehr auf dem Ring einschätzen zu können, übersehen dabei manchmal die heranfahrenden Autos auf der Rosa-Luxemburg-Straße - und schon knallt es. Die Verkehrsunfallkommission aus Vertretern der Polizei, der Stadt, des Landkreises und des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr haben in den vergangenen Jahren verschiedene Vorschläge gemacht, wie die Problemkreuzung entschärft werden könnte. Einer hieß: Umbau zum Kreisel. Ein anderer: Die Frauenstraße zur Einbahnstraße machen. 

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Nun kommt es noch anders: Die Stadt und ihre Partner starten auf Basis einer neuen Empfehlung der Kommission voraussichtlich am 15. Juli einen Test mit einer anderen Verkehrsführung. Die zweite, die linke Fahrspur des Rings soll ab der Kurve hinter der Krokusselwiese mit Warnbaken gesperrt werden. Damit würde sich der einspurige Abschnitt vor der Fleischerbastei bis hinter den Klienbergerplatz verlängern. Auch die Frauenstraße wird ein kleines Stück länger - um die Breite der zweiten Ring-Fahrspur. Sie soll mit einer Leitplanke von der Spur getrennt werden. Das Stoppschild und das blau-weiße für die erlaubten Fahrtrichtungen rückt um die Spurbreite nach vorn.

© SZ Grafik

Die Kreuzung Klienebergerplatz wird mit der Einengung des Rings auf eine Spur  übersichtlicher: Die Fahrer in der Frauenstraße haben einen besseren Überblick und verlieren nicht mehr so oft den Gegenverkehr in der Rosa-Luxemburg-Straße aus den Augen. "Der Vorteil ist, dass wir hoffentlich den Unfallschwerpunkt entkrampfen", sagt Heike Kubiak, Verkehrsexpertin der Stadtverwaltung. Sie gibt aber auch unumwunden zu, dass diese Lösung ein Kompromiss ist und Nachteile hat. "Die Leistungsfähigkeit des Rings wird beeinträchtigt", sagt sie. Außerdem könnte es gerade in den Berufspendlerzeiten passieren, dass Autos in der Rosa-Luxemburg-Straße länger warten müssen, bis sie auf die verbliebene Ringspur biegen können. 

Auch, dass die Frauenstraße nicht wie die Mandaustraße eine mit Warnbaken abgetrennte, direkte Einfahrt auf die linke Ringspur bekommt, sondern mit einer Leitplanke von der Spur ferngehalten wird, hat einen Grund: Die Entfernung zur Goethestraße ist so kurz, dass die Fahrer von der Frauenstraße keine Chance mehr hätten, verkehrssicher die Spur wechseln und Richtung Zittau-Nord abbiegen zu können. Die Frauenstraße ohne Warnbaken in die Ringspur einbiegen zu lassen, geht auch nicht so einfach. Dann könnten die Fahrer auf dem Ring so früh wieder auf die linke Spur wechseln, dass die erhofften Sicherheitseffekte verpuffen würden.   

Test soll ein Jahr lang laufen

Für die Fußgänger dürfte es schwieriger werden, auf dem Weg von der Kreuzkirche zur  Hillerschen Villa eine Lücke in dem dann auf der einen Ringspur verdichteten Fahrzeugstrom zu finden. Allerdings sollen sie ohnehin schon lange nicht mehr an dieser Ecke den Ring queren, sondern den kleinen, aber sicheren Umweg über die Verkehrsinsel im Südosten der Kreuzung und die Rosa-Luxemburg-Straße nehmen. 

Noch ist nicht ganz sicher, ob der Versuch wirklich am 15. Juli starten kann oder ein paar Tage später beginnt. Das hängt laut Frau Kubiak unter anderem davon ab, ob wirklich alles Material wie die Warnbaken bis dahin beschafft werden kann. Auf alle Fälle soll der Test ein Jahr lang laufen. Es sei denn, es stellen sich bis dahin große Probleme heraus. "Dann kann es sein, dass wir ihn eher abbrechen", sagt Heike Kubiak. Sie wird sich selber immer wieder stichprobenartig die Situation an der Kreuzung ansehen. Außerdem sollen Verkehrsaufkommen und -fluss untersucht werden. 

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Sollte die Unfallkommission nach dem Test zu dem Schluss kommen, dass er erfolgreich war und die Kreuzung sicherer geworden ist, wird aus dem Versuch eine Dauerlösung. Dann werden die neuen Warnbaken vor dem Schleifermännchenbrunnen wie die in der Mandaustraße fest installiert.

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