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Stahlharter Neustart in Görlitz

Frank Hoffmann kam aus der Schweiz zurück. Er baut besondere Möbel – aber nicht nur.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Egon heißt er. In dem Fall ist es genauer gesagt: Egon der Erste. Nur noch neun weitere Exemplare wird es von seines Gleichem geben. „Die jeweilige Nummer steht hier.“ Frank Hoffmann zeigt auf ein kleines Metallschild. Das ist im Inneren von Egon angebracht, Egon in limitierter Auflage eben. Stahl und Glas, daraus besteht Egon, dessen Name nicht zufällig an den Chef der Olsenbande erinnert. Egon ist ein Bar-schrank, der mehr oder weniger einem Tresor ähnelt. Stählerne Einfassung, ein großes Rad zum Öffnen und Schließen an der Vorderseite. Frank Hoffmann hat ihn gebaut. Er ist Möbeldesigner. „Metall, Holz, Glas, Stein“, zählt Frank Hoffmann auf, damit arbeitet er.

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Sein Büro im Gewerbe-Center Am Klinikum ziert ein mächtiger Eichentisch mit einer Stahl-Unterkonstruktion. „Sehen Sie: Das Thema Metall wurde in der Tischplatte wieder aufgenommen.“ Der Designer zeigt auf Einschlüsse in der Platte: Zinn ersetzt dort fehlendes Holz. Dazu bekam die Platte eine Oberflächenveredelung verpasst. Altes und Neues vereint zu etwas Besonderem – das mag Frank Hoffmann, das zeigt sich in seinen Arbeiten. „Nietenschlag & Eisenklang“ heißt seine – derzeit – noch Ein-Mann-Firma.

Frank Hoffmann ist gebürtiger Görlitzer. 1985 kam er hier zur Welt. Er absolvierte eine Lehre zum Metallbauer, Schlosser. Als beim Waggonbau Kurzarbeit angesagt war, verließ er die Stadt, zog 2009 in die Schweiz, nach Zürich, schulte um, arbeitete als Projektleiter Metall- und Stahlbaukonstruktion. Nun ist Frank Hoffmann zurück in Görlitz. „Irgendwann muss man sich eben entscheiden, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet“, sagt er. Für ihn ist das Görlitz. Seine Freundin wohnt hier, seine Familie. „Immer wenn ich frei hatte, in den Ferien, kam ich Heim nach Görlitz“, erzählt der junge Unternehmer. Die 860 Kilometer wurden ihm dann aber schließlich zu viel, es zog ihn „zurück zu den Wurzeln“. „Geld ist am Ende nicht alles“, sagt Frank Hoffmann. Natürlich könne man Zürich nicht mit Görlitz vergleichen, müsse man Abstriche beim Lebensstandard in Kauf nehmen. Bereut hat Frank Hoffmann die Rückkehr jedoch nie.

„Ich dachte allerdings, es ist einfacher in Görlitz geeignete Räumlichkeiten für meine Firma zu finden“, sagt er. Ihm hatte die Idee eines alten Klinkerbaus vorgeschwebt, in dem er sein Unternehmen und Ausstellungsräume unterbringen konnte. So einfach war es dann aber nicht. „Städte wie Dresden oder Leipzig schaffen da schon ganz andere Bedingungen für Start-ups“, findet Frank Hoffmann. Mit seinen jetzigen Räumen im Gewerbe-Center gegenüber dem Klinikum ist er sehr zufrieden. Unten die Werkstatt, eine Etage darüber das Büro.

In einem von ihm favorisierten Görlitzer Klinkerbau hätte er als Jungunternehmer viel investieren müssen. „Das kann in der Gründungsphase tödlich für die Firma sein“, sagt Frank Hoffmann. Im März vergangenen Jahres gründete er sein Unternehmen.

„Möbel waren schon immer eine meiner Leidenschaften“, sagt Frank Hoffmann und erinnert sich an seine Kindheit. Damals stand er schon beim Vater am Schmiedefeuer. Metall, das ist auch heute noch sein Metier. „Bei anderen Materialien arbeite ich mit Kollegen zusammen“, schildert Frank Hoffmann. Holz lässt er von einem Tischler bearbeiten, Leder von einem Sattler. „Alle kommen aus der Region“, sagt der Unternehmer. Die Zuarbeiten werden dann mit seinen Stahlkonstruktionen verbunden.

Im Januar hatte Frank Hoffmann mit seinen Produkten den ersten Messeauftritt in Dresden, bei der Room & Style. Ein Erfolg, wie er sagt. „Da war das Publikum, das ich mir als Kunden vorstellen kann“, sagt Frank Hoffmann. Billig sind seine Möbel nicht. Barschrank Egon etwa kostet rund 5 500 Euro. Aber das seien Einzelexemplare, sagt der Designer. Er baut so gut wie alles, was aus Metall ist. Exklusivität auf der einen, Alltagsgegenstände, aber eben auch maßgefertigt, auf der anderen Seite, so sieht Frank Hoffmann sein Unternehmen. „Am Besten ist, die Leute kommen zu mir und wir reden über einen Auftrag“, sagt er.

Für dieses Jahr hat der Jungunternehmer noch etliches vor. Er möchte in den Kreis Deutscher Manufakturen aufgenommen werden, will auf Messen reisen, etwa nach München, nach Dänemark. Ein Verkaufsraum wird gesucht, bevorzugt in Dresden. Die Produktion soll aber in Görlitz bleiben. Und Frank Hoffmann sucht einen Mitstreiter, einen Metallbauer, eine Metallbauerin mit Berufsabschluss. „Sie oder er muss mit Herzblut an die Arbeit gehen, mit der Leidenschaft, etwas Neues entstehen zu lassen“, sagt Frank Hoffmann. Ab Juni können sich Interessenten bewerben.

Kontakt: 03581 361111

www.nietenschlag-eisenklang.de

[email protected]