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Starke Nerven und kalte Hände

130 junge Musiker der Region spielen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Döbeln um die Bestpunktzahl.

Von Dagmar Doms-Berger

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Eiskalte Hände, rote Wangen, kalter Schweiß auf der Stirn, die Beine zittern. Lampenfieber. Das kennen die Nachwuchsmusiker des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“. Die Aufregung ist allgegenwärtig. „Jugend musiziert“ gehört zu den wichtigsten Wettbewerben. In diesem Jahr ist Döbeln Hauptaustragungsort. Um die Regionalrunde an einem Wochenende zu meistern, sind die Musikschule als auch zwei Gebäude des Lessing-Gymnasiums Vorspielorte. 130 junge Musiker aus den Landkreisen Mittelsachsen, Erzgebirge sowie aus Chemnitz spielen um die bestmögliche Punktzahl, gestaffelt nach Instrumenten und Altersgruppen. Wettbewerbsatmosphäre ist konzentrierte Ruhe. Stille ist oberstes Gebot. Die Kandidaten im Wertungsraum dürfen nicht gestört werden. Helfer huschen über die Flure, um die Juroren zu beköstigen. Porzellanteller werden gegen Pappteller ausgetauscht, um unnötiges Scheppern zu vermeiden. Schüler der elften Klasse haben im Untergeschoss eine Cafeteria aufgebaut, verkaufen Sandwiches und Kuchen an die Wartenden. Die Kandidaten verspüren vor Aufregung keinen Appetit.

Bendiks Rehm und Eric Meyer waren aus Thum im Erzgebirge angereist. Sie spielen ein seltenes Instrument: Das Euphonium gehört zu der Instrumentenfamilie der Hörner.
Matti Simon, Mara Michel und Johann Kowalewicz boten den Teilnehmern des Wettbewerbs einen Imbiss an. Die Schüler der 11. Klasse des Gymnasiums hatten die Verpflegung der Gäste übernommen.

Hochkonzentriert warten die Schwestern Ancilla-Magdalena (15) und Rebecca-Maria (17) Piechaczek. „Ausnahmeathleten“ werden sie sportlich von Musikschulleiterin Margot Berthold genannt. Die beiden treten gleich mehrfach an. Rebecca startete am Sonnabend mit dem Fagott: „20 Punkte“, sagt sie und strahlt. Zufrieden? „Ja sehr.“ Sie spielt erst seit zweieinhalb Jahren. Ancilla hat am Vormittag die Flötistin Elsa Hegewald am Klavier begleitet. Das Resultat: 19 Punkte, ebenfalls ein zweiter Preis. Nun haben sie ihren gemeinsamen Auftritt. Ancilla an der Blockflöte, Rebecca am Klavier. Auch optisch sind sie ein Duo: Sie tragen schwarz mit orangefarbenem Tuch. Die Zeitspanne zwischen dem Einspielen und dem Vorspiel strapaziert die Nerven. Ancilla ist angespannt. Anmerken lassen will sie es sich aber nicht. Ihre Hände werden weiß. Sie sind eiskalt. Vor dem Klaviervorspiel am Morgen sei sie entspannter gewesen. Das Klavier ist eigentlich ihr Favorit. Mit vier Jahren habe sie angefangen, Unterricht zu nehmen. „Ancilla will alles perfekt machen“, weiß Flötenlehrerin Tina Bartel. Schwester Rebecca ist im Piechaczek-Duo der entspannte Pol. Aufgeregt? „Ja, aber in Maßen.“ Eigentlich sei sie recht gelassen, sagt die 17-Jährige und plaudert munter drauf los. In der spielfreien Zeit haben sich die Schwestern nicht auf dem Sofa getummelt. Sie waren mit vielen anderen Helferbienchen unterwegs, um für einen fließenden Ablauf zu sorgen. Das bringe sie auf andere Gedanken zwischen den Vorspielen.

Dann wird es ernst. Noch einmal die Haare aus dem Gesicht gestrichen, tief durchgeatmet. Sie spielen zwei Barockstücke von Giuseppe Sammartini und zwei moderne Werke. „Krimi“, heißt das Stück mit ungewöhnlichen Hörmomenten mit Clustern (entstehen, wenn man den Arm auf die Tasten haut), Spaltklängen, Schreien und Klopfgeräuschen. Mal sehen, wie die Jury auf das moderne Stück der zeitgenössischen Komponistin Agnes Dorwath reagiert. Nach dem Vorspiel fällt die Anspannung ab. Sie plappern und kichern. Die Hände sind wieder durchblutet und nicht mehr kalt.

Das Ergebnis gibt es erst reichlich zwei Stunden später. Wieder heißt es warten. Der Jury ist klar: Wer hier sein Talent unter Beweis stellt, kann was. Manchmal entscheiden kleine Nuancen über die Punktevergabe. Am Ende bekommen sie beide je 21 Punkte, das ist ein erster Preis. Jubelschreie!

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