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Stausee: Darum sind die Blaualgen zurück

Die letzten beiden Sommer war das Problem in dem Bautzener Gewässer gebannt, jetzt gibt es wieder eine Warnung. Das hat vor allem einen Grund.

Die grünliche Färbung des Wassers aus dem Bautzener Stausee ist zum Großteil auf Grünalgen zurückzuführen, erklärt Sebastian Fritze von der Landestalsperrenverwaltung. Aber auch Blaualgen sind im Wasser.
Die grünliche Färbung des Wassers aus dem Bautzener Stausee ist zum Großteil auf Grünalgen zurückzuführen, erklärt Sebastian Fritze von der Landestalsperrenverwaltung. Aber auch Blaualgen sind im Wasser. © Steffen Unger

Bautzen. Der Hut wirft Schatten in das Gesicht von Sebastian Fritze, als er den Bootssteg am Bautzener Stausee entlangläuft. Eine Hand hält der Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung schützend vor das Gesicht, mit der anderen deutet er auf das Wasser. „Sicher“, sagt er, „das Wasser hat eine grüne Färbung angenommen.“ Das seien aber zum Großteil Grünalgen und nur zum Teil Blaualgen.

Dennoch: Die Blaualgen im Bautzener Stausee sind zurück. Zwei Sommer blieb die Alge so gut wie fern, nun hat das Kreisgesundheitsamt wieder eine Warnung ausgesprochen. Es sei aktuell eine Massenentwicklung der Blaualge zu verzeichnen. „Dadurch wird insbesondere die Sichttiefe stark eingeschränkt“, heißt es in einer Mitteilung. Auch warnt das Gesundheitsamt, dass einige Blaualgenarten in der Lage sind, Toxine – also Gifte – zu bilden, die bei empfindlichen Menschen Hautreizungen hervorrufen oder Durchfallerkrankungen auslösen können. Das Amt habe die Algen am Ostufer des Sees entdeckt, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Aber was bedeutet das jetzt? Ist Baden im Stausee nun tabu?

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Blaualgen sinken nachts ab

„Den Hinweis sollte man ernstnehmen“, sagt Sebastian Fritze von der Landestalsperrenverwaltung, aber „es handelt sich dabei um eine Warnung – nicht um ein Badeverbot“. Und: „Die Menge macht das Gift. Eine maximale Massenentwicklung habe ich noch nicht beobachtet.“ Einige Kinder baden gerade im Stausee – und auch Fritze sagt, dass er seine Kinder trotz der Warnung ins Wasser lassen würde. „Auch am Strand liegen, Boot fahren oder Segeln – das ist kein Problem“, sagt er. „Es sollte sich eben jeder vorher das Wasser anschauen und überlegen, was er macht“, so Fritze. Gesunder Menschenverstand und ein wachsamer Blick seien gefragt. Schlimm sei die Lage erst, wenn die Algen als grüner Schlamm an den Strand gespült würden.

Und von diesem Zustand ist das Wasser am Donnerstagvormittag noch weit entfernt. „Blaualgen-Messungen sind immer eine Momentaufnahme“, erklärt Fritze. „Wenn die Sonne scheint, steigen die Algen auf, um Photosynthese zu betreiben.“ Nachts, wenn es kühler und dunkel ist, sinken sie ab. Das heißt: Auch wenn an einem Tag besonders viele Cyanobakterien da sind, kann das Wasser am nächsten Morgen dennoch wieder klarer sein.

Neues System braucht Mindestmenge an Wasser

Erst im Herbst 2017 hatte die Landestalsperrenverwaltung für fast eine Million Euro ein neues System installiert, das Blaualgen im Stausee vermeiden sollte. Dazu wird das Wasser, das aus dem Stausee in die Spree in Richtung Niedergurig geleitet wird, am Entnahmeturm nicht mehr aus der kalten Tiefe gespeist, sondern dafür warmes, algenreiches Wasser nahe der Oberfläche entnommen. Hat das System nun also doch versagt?

„Nein“, ist die klare Antwort von Sebastian Fritze. „Wir haben definitiv einen besseren Wasserzustand als in den Jahren vor dem neuen System.“ Aber es gebe Faktoren, gegen die das System wenig ausrichten kann: „Wir haben in den letzten Jahren ein Zufluss-Defizit von 80 Millionen Kubikmetern Wasser im Vergleich zum normalen Jahresdurchschnitt“, so Fritze. Die Menge des Wassers, das in den Stausee fließt, sei deutlich verringert. Grund dafür sind die langen Trockenheitsperioden. Dadurch sei der Wasseraustausch im Stausee stark verlangsamt worden. Das begünstige die Cyanobakterien. Die vereinzelten Regengüsse, die es in den letzten Wochen gegeben hat, genügen laut Fritze nicht, um das System wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auch die Wärme spielt den Sonne liebenden Blaualgen in die Hände.

Sollte es aber so warm und trocken bleiben, könnte das System tatsächlich kippen, warnt Fritze. Schon jetzt sei der Wasserpegel deutlich gesunken. Während der See normalerweise eine Tiefe von bis zu 17 Metern hat, liegt der Pegel an der tiefsten Stelle nun bei 15 Metern. Ist der Wasserstand zu flach, kann das System sein Abflusswasser nicht mehr aus der warmen, oberen Wasserschicht ziehen – und muss dieses doch wieder aus der kalten Schicht von unten speisen. „Wir hoffen aber“, erklärt Fritze, „den jetzigen Zustand noch bis Ende der Sommerferien halten zu können.“

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