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Stirbt die Oberlausitzer Mundart aus?

Johannes Kletschka befürchtet, dass der Dialekt immer weniger gesprochen wird. Und er hat eine Idee, wie man die Heimatsprache retten könnte.

Von Jan Lange
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Johannes Kletschka hat vor drei Jahren Mundartliches für Kinder verfasst und zusammengetragen. Damit will er seinen Beitrag fürs Überleben der Oberlausitzer Sprache leisten.
Johannes Kletschka hat vor drei Jahren Mundartliches für Kinder verfasst und zusammengetragen. Damit will er seinen Beitrag fürs Überleben der Oberlausitzer Sprache leisten. © Thomas Eichler

Das Rulln und Quirln sind typisch für den Oberlausitzer Dialekt. Zu hören ist das rollende R allerdings immer weniger, findet Johannes Kletschka. Der Neueibauer macht das vor allem an der Entwicklung der Oberlausitzer Kultur- und Mundartgruppen fest. Deren Zahl reduziert sich nach seinen Worten seit Jahren. So habe sich die Männergruppe "De Nußhacksche" aus Cunewalde bereits vor längerer Zeit aufgelöst, sagt Kletschka. Auch die Mundartgruppe der "Natur- und Heimatfreunde" Kottmarsdorf gibt es seit 2009 nicht mehr, 55 Jahre hatte sie bestanden. Noch länger, 65 Jahre, pflegten "De Rutkatl" aus Cunewalde die heimische Mundart. Für sie ist 2013 Schluss gewesen. Und das "Dorfensemble Walddorf" löste sich 2017 auf. Für die Gruppen und Ensembles sei es schwer, Nachwuchs zu finden. Oder auch neue Leiter. Die eine oder andere Mundartgruppe habe sich genau deshalb aufgelöst, weil niemand die Leitung übernehmen wollte, weiß Kletschka. Der Neueibauer will die Entwicklung nicht einfach so hinnehmen. Er veröffentlichte bereits mehrere Geschichts- und Gedichtsbände in der Oberlausitzer Heimatsprache, tritt auch regelmäßig als Mundartkünstler auf und brachte vor drei Jahren das Büchlein "Gedichte fer de Goaatche" ("Gedichte für die Kinderschar") heraus, das er kostenlos an Kindereinrichtungen verteilte. Gerade auch unter Kinder und Jugendlichen werde nur noch selten Mundart gesprochen, beklagt der Neueibauer. Auch deshalb habe er das Heft speziell für den Nachwuchs geschrieben. Die 400 Exemplare des kleinen Mundartbuches seien mittlerweile verteilt, berichtet Kletschka, der auch eine Mundartgruppe im Eibauer Hort leitet. "Nur die jungen Leute können unsere Sprache erhalten", findet der 79-Jährige.

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