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Stolpen kämpft um den Basalt-Mythos

Stolpen soll doch nicht auf Basalt gebaut sein? In der Burgstadt rumort es. Wird es wieder so heiß wie vor zig Millionen Jahren?

Basalt oder Basanit? Egal, Lea Zinke ist die 14. Basaltkönigin. Und schon in wenigen Monaten  wird die neue Basaltkönigin gewählt . Da ist man sich in Stolpen einig.
Basalt oder Basanit? Egal, Lea Zinke ist die 14. Basaltkönigin. Und schon in wenigen Monaten wird die neue Basaltkönigin gewählt . Da ist man sich in Stolpen einig. © Klaus Schieckel

Der Mythos Basalt hat die letzten hundert Jahre standgehalten – und er wird es weiter tun. Da ist man sich in Stolpen einig. Auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht daran rütteln. Allerdings könne man die neuesten Forschungen eben auch nicht wegdrücken, sagt Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP). Und die besagen: Die Basaltstadt Stolpen steht nicht auf Basalt, sondern auf einem Gestein, das sich Basanit nennt.

Auf der einen Seite steht der Mythos und auf der anderen Seite das Wissen. Und das entwickelt sich ständig weiter, ist auch dem Bürgermeister klar. Im Herbst letzten Jahres hatte er davon erstmals in einem wissenschaftlichen Vortrag gehört. „Das hat mich schon alles überrascht und auch erstaunt. Aber es ist nun mal so. Es wird immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben“, sagt Uwe Steglich.

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Geotop-Status noch unklar

In Stolpen wurde schon im vergangenen Jahr darüber diskutiert, dass sich vielleicht eine geologische Sensation anbahnt, damals noch hinter vorgehaltener Hand. Einigen Interessierten waren die neuen wissenschaftliche Erkenntnisse schon seit Herbst 2018 bekannt. Doch da die Veröffentlichung in die Zeit der Jubiläumsfeierlichkeiten von „Stolpen 800“ im vergangenen Jahr fielen, wurde das Ganze wohl etwas unter der Decke gehalten. Schließlich gab es damals schon genug Wirbel um den Zeitpunkt der Feierlichkeiten, den Anlass und die Entstehungsgeschichte. Doch nun ist der Basalt-Diskurs öffentlich und in aller Munde. Denn Fakt ist, Stolpen und sein Mythos Basalt sind weit über Sachsens Grenzen hinaus bekannt.

Der Basaltschlot des Stolpener Burgberges wurde im Mai 2006 von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover als eines der 77 bedeutendsten nationalen Geotope Deutschlands prädikatisiert. Bei Wikipedia wurden die Einträge zuletzt im November 2018 überarbeitet. Da heißt es jetzt über den Stolpener Basalt: Nach moderner petrologischer Klassifikation muss der Stolpener Basalt heute jedoch als Olivin-Augit-Nephelinit angesprochen werden.

Die Auswirkungen der Forschungen auf das Prädikat „Bedeutendes nationales Geotop“ sind derzeit unklar. Eine Aussage der Akademie für Geowissenschaften, die den Titel vergibt, steht dazu noch aus. Denn als „Typlokalität“ für Basalt darf Stolpen nun nicht mehr gelten.

Bürgermeister Uwe Steglich steht auch dem gelassen gegenüber. Es gebe auch andere Wissenschaftsbereiche, in denen Erkenntnisse widerrufen werden, und so werde es auch immer sein. Stolpen bilde da keine Ausnahme. Direkte Auswirkungen aufs Marketing als Basaltstadt sieht er unterdessen nicht. „Wir werden es nicht ändern, es sei denn, uns zwingt vielleicht jemand dazu“, sagt er. Sicherlich werde die Stadt auch ohne das Prädikat „Nationales Geotop“ weiterleben.

Schon in wenigen Wochen werden sich wieder Kandidatinnen für das Amt der Basaltkönigin zur Wahl stellen. Diesen Namen werde man auf jeden Fall nicht in Basanit-Königin oder noch schlimmer in Nephelinit-Königin umwandeln, verspricht Uwe Steglich. Denn ein bisschen Basalt ist ja auch nach den neuesten Erkenntnissen im Stolpener Gestein drin – zum Beispiel Schlackenbasalte, Graubenbasalte, plattige Basalte. Deshalb wolle die Stadt auch weiterhin den Basalt als Werbeträger nutzen. Nicht zuletzt, so denkt man im Rathaus, könnten die Veröffentlichungen auch interessiertes Publikum in die Burgstadt holen. Das wiederum wäre für die touristische Entwicklung von Vorteil.

Forscher noch nicht am Ende

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Geologe Thomas Scholle, der maßgeblich an den Forschungen beteiligt war, weist darauf hin, dass ungeachtet der neuen Erkenntnisse der Basalt/Basanit von Stolpen ein besonders sehenswertes Vorkommen ist, an dem seit dem 16. Jahrhundert maßgeblich Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde. In dem von ihm initiierten und von vielen Autoren verfassten Geschichtsband „Stolpen 2018“ äußert sich der Stolpener dazu: „Seit Jahrhunderten wird also über den Basalt von Stolpen geforscht. Man kann daher den Eindruck gewinnen, dass inzwischen alles über den Vulkanberg bekannt sein sollte. Aber wie die Forschungsgeschichte immer wieder zeigt, wird es nie ein Ende geben. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse, Methoden oder auch neue Modelle, wodurch ein altbekannter Gegenstand neue Informationen preisgibt oder neu interpretiert wird.“ Der Experte ist sich auf jeden Fall sicher: „Der Begriff Nationales Geotop bleibt selbstverständlich“, sagt Thomas Scholle.

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