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Storchenküken überlebt Sturz aus dem Nest

Mehr als 70 Jungtiere sind in diesem Jahr im Großenhainer Land ausgeflogen. Es gab tragische Einzelschicksale - aber auch Geschichten mit glücklichem Ausgang.

Der Wainsdorfer Jungstorch (r.) ist nicht der Erste im Rödergebiet, der mit Federmissbildungen aufwächst.
Der Wainsdorfer Jungstorch (r.) ist nicht der Erste im Rödergebiet, der mit Federmissbildungen aufwächst. © P. Reuße

Großenhain. Im Rödergebiet zwischen Großenhain und Radeburg brüteten in dieses Jahr 42 Storchenpaare. Davon waren 31 erfolgreich – insgesamt 76 Junge flogen aus. „Das ist noch kein Endergebnis“, erklärt Storchenschützer Peter Reuße aus Treugeböhla. Es stünden durchaus noch ein paar Jungstörche auf den Nestern. Gegenüber dem Vorjahr sind das bisher neun Junge mehr. Das bewege sich im normalen, also natürlichen Schwankungsbereich, so Reuße.

Was den Naturschützern hingegen Sorgen bereitet: Im Jahre 2020 gab es keine einzige Brut mit vier ausgeflogenen Jungstörchen. In vielen Nestern wurden Storchenkinder von den Eltern aus dem Nest geworfen. Das sind klare Anzeichen für eine sich weiter verschlechternde Nahrungssituation. „Angesichts des dritten ‚Dürresommers‘ in Folge ist das keine große Überraschung“, sagt der Treugeböhlaer. Ein Froschkonzert habe er dieses Jahr überhaupt noch nicht gehört.

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Die Storchenschützer können sowohl mit schönen als auch mit tragischen und rätselhaften Einzelschicksalen aufwarten. In Priestewitz zum Beispiel wurde Anfang Juni der kleinste von vier Jungstörchen aus dem Nest geworfen. Er überlebte den Absturz unverletzt und konnte nach einigen Tagen Pflege im Riesaer Tierpark ins Storchennest Leutewitz, wo es nur zwei Junge gab, zugesetzt werden. Eine Methode, die in der Region seit vielen Jahren erfolgreich angewendet wird.

Der kleinste von vier Jungstörchen stürzte im Juni in Priestewitz aus dem Nest. Er überlebte, kam in den Tierpark Riesa - und wurde später in Leutewitz zugesetzt.
Der kleinste von vier Jungstörchen stürzte im Juni in Priestewitz aus dem Nest. Er überlebte, kam in den Tierpark Riesa - und wurde später in Leutewitz zugesetzt. © P. Reuße

Das Görziger Storchenpaar hatte dieses Jahr vier Eier im Nest. Nachdem die Jungen geschlüpft waren, wurden nach und nach drei der insgesamt vier kleinen Störche abgeworfen. Der Letzte stürzte Anfang August bei Flugübungen ab, konnte aber unverletzt eingefangen und ins Nest zurückgesetzt werden. 

Dieser übrig gebliebene Jungstorch war entgegen allen Erwartungen nicht der Größte und Kräftigste, sondern in seiner Gesamtentwicklung eher zurückgeblieben. Insbesondere seine Beine und der Schnabel waren sehr kurz, weshalb er einen „zwergenhaften“ Eindruck machte. Am 11. August verließ er erstmals erfolgreich sein Nest.

Der Storchenzwerg von Görzig überlebte seltsamerweise seine drei Geschwister.
Der Storchenzwerg von Görzig überlebte seltsamerweise seine drei Geschwister. © P. Reuße

Federanomalie durch Vergiftung?

Im brandenburgischen Wainsdorf, nahe der sächsischen Grenze, schlüpften dieses Jahr drei Jungstörche. Einer davon fiel durch eine ausgeprägte Federanomalie auf. Beim Wachstum gingen die Fahnen aus den Federkielen nicht auf. „Leider wissen wir über die Ursachen so gut wie nichts“, sagt Peter Reuße.

 Auffällig sei, dass in den vergangenen Jahren in Frauenhain und in Raden ebenfalls derartige Federmissbildungen auftraten – die drei Orte liege liegen nur wenige Kilometer auseinander. Da liegt der Schluss nahe, dass es sich um eine Vergiftung handelt. Problem Nummer eins aber sei derzeit der Nahrungsmangel.

 „Wir dürfen nicht immer nur über den Klimawandel labern, sondern müssen etwas gegen seine Folgen tun“, sagt Peter Reuße. Es sei an der Zeit für Projekte, die das Wasser im Boden halten, statt es an der Oberfläche abzuleiten. In Feuchtgebieten fänden die Störche dann auch wieder genügend Nahrung.

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