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Streit um Asylstandort in Gorbitz

In dem Dresdner Stadtteil leben bereits 900 Flüchtlinge. Nun sollen in zwei ehemaligen Schulen noch einmal 600 einziehen.

Von Jana Mundus

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Den Gorbitzer Eltern bleibt nicht mehr viel Zeit. Bereits in der nächsten Woche wird der Stadtrat über einen Vorschlag der Verwaltung abstimmen. Das Rathaus schlägt darin neue Unter- bringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge vor. An einem Punkt im Papier stoßen sich die Gorbitzer jedoch: Gleich in Nachbarschaft zur Kita „Gorbitzer Früchtchen“ sollen ab April 618 Menschen einziehen. In zwei Häuser des ehemaligen Schulkomplexes an der Ginsterstraße. Nun hoffen die Eltern, dass sich das noch abwenden lässt. Mit ihrer Forderung stehen sie nicht allein.

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Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) kam am Donnerstagabend in den Cottaer Ortsbeirat, um das Konzept der Stadtverwaltung vorzustellen. Er machte deutlich: Bei durchschnittlich 400 zu erwartenden Flüchtlingen pro Woche muss Dresden alle freien Räumlichkeiten nutzen, die zur Verfügung stehen. Der Standort Ginsterstraße ist solch eine Möglichkeit. In einer Turnhalle auf dem Gelände leben bereits gut 60 Asylbewerber. In den beiden Schulgebäuden waren Mittelschulen untergebracht. Das ist jedoch schon lange her. Damit sie nun als Unterkunft genutzt werden können, sind bauliche Veränderungen notwendig. „Vor allem aus Gründen des Brandschutzes“, so Vorjohann. Insgesamt 2,5 Millionen Euro muss Dresden dafür investieren.

Angst um die Kinder

Dass die Stadt unter Druck steht und dringend neue Asylstandorte braucht, dafür hatten in der Ortsbeiratssitzung viele Bürger Verständnis. „Kritisch ist allerdings, dass sich die Flüchtlinge dann in einer Ecke von Gorbitz ballen“, sagte Grünen-Ratsmitglied Alexander Bigga. Nur wenige Hundert Meter entfernt sind viele bereits in Wohnungen untergebracht. Insgesamt leben schon 900 Flüchtlinge in Gorbitz. „Das wären gleich 1 500 auf so einem kleinen Gebiet“, fügte Torsten Nitzsche (CDU) hinzu. Er forderte eine gerechtere Verteilung über ganz Dresden. Größter Kritikpunkt war jedoch wieder einmal die Informationspolitik der Stadt.

„Wir haben nur durch Zufall von den Plänen erfahren“, sagte die Mutter eines Kitakindes. Viele anwesende Eltern kritisieren ebenfalls die vorgesehene Anzahl der Plätze. „Bei 600 Menschen ist mir egal, ob das Deutsche, Iraner oder Syrer sind“, äußerte sich eine andere. „Wenn sie auf so engem Raum zusammenleben, kommt es automatisch zu Konflikten.“ Die Kita ist nur durch einen Zaun vom ehemaligen Schulgelände getrennt. Dass die Kinder solche womöglich sogar handgreiflichen Streitigkeiten mitbekommen könnten, stört viele am meisten. „Das ist einfach eine psychische Belastung für die Kleinen“, so eine Mutter. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung würden sich solche Gedanken anscheinend gar nicht erst machen.

Das wies Hartmut Vorjohann allerdings zurück. Er hatte das Gefühl, dass in Sachen Asylbewerber auch gern mal übertrieben wird. „Sie tun fast so, als wären das alles Kinderfresser“, antwortete er etwas ungehalten.

Auch die Gorbitzer Quartiersmanagerin Nicole Kreißl meldete sich zu Wort. Sie sieht noch ein anderes Problem. Eigentlich war die Fläche schon seit Längerem für die Entwicklung eines Sportkomplexes im Gespräch. Der soll Gorbitz bereichern und den Anwohnern neue Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bieten. Eine solche Anlage fehlt im Stadtteil noch. „Ich würde gern an die Verwaltung appellieren, noch einmal über die Verteilung der Flüchtlinge nachzudenken“, sagte sie. Wenn beispielsweise nur ein Gebäude genutzt werden würde, könnten auch die Pläne für die große Sportanlage weiterverfolgt werden. Diesen Vorschlag unterstützt auch Jürgen Hesse, Vorstand der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft, der viele Wohnungen im Bereich Ginsterstraße gehören. „Es gibt bereits konkrete Vorstellungen“, erklärte er zum Projekt. Der Dresdner Sportclub und auch das Stadtplanungsamt unterstützen die Idee. „Mit Blick auf die Asylunterkunft wären auch Integrationsprojekte im sportlichen Bereich denkbar“, so Hesse.

Stadt soll Zahl korrigieren

Den Cottaer Ortsbeiräten gefiel die Idee offenbar ebenfalls. Sie legten eine kurze Sitzungspause ein. Danach schlugen sie dem Stadtrat über Parteigrenzen hinweg einen ergänzenden Beschluss vor. Demnach soll am Standort lediglich das Gebäude Ginsterstraße 3 als Unterkunft genutzt werden. „Das wäre das Haus, das am weitesten von der Kita entfernt ist“, erklärte eine Mutter. Außerdem soll die Stadt für eine ordentliche Betreuung der Bewohner und ein Sicherheitskonzept für die Einrichtung sorgen. Zudem forderten die Ortsbeiräte, dass die Bürger in Zukunft zeitig und umfassend über alles informiert werden. Diese zusätzlichen Punkte liegen dem Stadtrat nächste Woche zur Abstimmung vor.

Bis dahin wollen auch die Eltern der Kita „Gorbitzer Früchtchen“ mit möglichst vielen Stadträten ins Gespräch kommen. Auch der Träger der Kita, der Verein Omse, hat seine Unterstützung zugesichert. „Auch wir werden uns an die Kommunalpolitiker wenden“, sicherte Kerstin Reetz-Schulz, eine der geschäftsführenden Vorstände, zu.