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Stricken für verletzte Wildtiere in Australien

Die Radebeuler Parfümerie Ast unterstützt eine Hilfsaktion für Koalas und Co, die vor den Buschbränden gerettet wurden.

Von Nina Schirmer
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Gudrun Ast (l.) und Yvonne Mittelstaedt haben eine Sammelstelle für Sachspenden eingerichtet. Aus ganz Sachsen schicken Leute selbst gemachte Nester und Beutel für Tiere, die vor den Buschfeuern fliehen mussten.
Gudrun Ast (l.) und Yvonne Mittelstaedt haben eine Sammelstelle für Sachspenden eingerichtet. Aus ganz Sachsen schicken Leute selbst gemachte Nester und Beutel für Tiere, die vor den Buschfeuern fliehen mussten. © Norbert Millauer

Radebeul. Die Bilder gingen um die Welt: Koalas, die festgeklammert an Bäumen jämmerlich verbrannt sind, verkohlte Kängurus, die nicht schnell genug vor den Flammen fliehen konnten, und Vögel, die tot von den Bäumen fallen, weil sie die extrem hohen Temperaturen nicht mehr aushalten. 

Den über Wochen lodernden Buschbränden in Australien sind unzählige Tiere zum Opfer gefallen. Experten der Universität Sydney schätzen, dass eine Milliarde Säugetiere, Vögel und Reptilien in den Flammen umgekommen sind. Tiere, die gerettet werden konnten, haben zum Teil schwerste Verletzungen davongetragen und müssen nun in überfüllten Auffangstationen behandelt werden.

Zu den Unterstützern der freiwilligen Helfer in Australien gehört die Radebeuler Parfümerie Ast. Dort stapeln sich seit Tagen die Kisten und Kartons, denn das Geschäft in der Bahnhofstraße ist als Sammelstelle für eine besondere Hilfsaktion registriert. 

Auf Facebook haben Frauen die Gruppe „Deutschland hilft Australiens Wildtieren“ gegründet und dazu aufgerufen, zu nähen, stricken, häkeln und filzen. Gebraucht werden vor allem Beutel und Nester, in denen die geretteten Tiere, vom Wombat über Fledermäuse bis zum Ameisenigel, Unterschlupf finden.

Alle Teilnehmer der Hilfsaktion, die aus Sachsen kommen, schicken ihre selbst gemachten Spenden in die Radebeuler Parfümerie. „Es ist einfach praktisch, weil bei uns immer jemand da ist, der die Pakete annehmen kann“, sagt Gudrun Ast. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Yvonne Mittelstaedt hat sie die Aufgabe übernommen. 

„Ich fand es eine schöne Sache, weil damit ganz konkret geholfen wird und die Spender auch erfahren, wo es ankommt“, erklärt die Kosmetikerin. Die fertigen Teile gehen an eine kleine Organisation aus ehrenamtlichen Wildtierhelfern im Brandgebiet. 

Die Organisation kümmert sich seit 1987 um verletzte und verwaiste Wildtiere, die zunehmend aus ihren Lebensräumen vertrieben werden. Im Moment pflegen 80 ehrenamtliche Tierhelfer rund um die Uhr über 600 verletzte Tiere, täglich werden es mehr.

Ein Helfer in Australien rettet einen Koala. 
Ein Helfer in Australien rettet einen Koala.  © David Mariuz (dpa)

Jedes einzelne Paket, das in der Parfümerie ankommt, wird geöffnet und die Sendung streng unter die Lupe genommen. „Wir haben einen genauen Plan bekommen, wie wir die Sachen kontrollieren müssen“, sagt Gudrun Ast. Das geht vom Material der Spenden, das geprüft wird, bis zum Geruch.

Jedes Paket wird mit einem Zettel versehen, auf dem steht, um was es sich handelt, bis hin zur Sorte der Wolle mit der gestrickt wurde. Das ist wichtig, weil die Zollbestimmungen in Australien streng sind.

Die Organisatoren wollen mit penibler Ordnung verhindern, dass Spenden am Flughafen hängen bleiben und nicht dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden. Und auch, dass die zum Teil winzigen Tiere sich durch lose Fäden oder andere Unachtsamkeiten verletzten könnten.

Gudrun Ast und ihre Mitarbeiterin verpacken jedes Stück einzeln in Folie und dann weiter in große 30-Kilo-Kartons. So bald einer voll ist, geht der mit der Post nach Frankfurt am Main und von dort weiter nach Australien.

Weit über 100 Pakete werden insgesamt aus ganz Deutschland zusammenkommen. Die Organisatoren konnten die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo als Unterstützer gewinnen, welche die Pakete nach Down Under bringt.

In der Parfümerie Ast kommen jetzt noch zwei Tage lang Pakete an, bis zum Donnerstag muss dann alles rausgeschickt werden. Seit Tagen klingelt das Handy von Gudrun Ast fast ununterbrochen, bis zu 300 Nachrichten bekommt sie am Tag.

Viele wollen wissen, wie sie noch mitmachen können. Doch es darf nur verschickt werden, was vorher angemeldet wurde. Ein großer organisatorischer Aufwand, den alle Helfer freiwillig stemmen. „Wir verdienen nichts daran, die Organisatoren auch nicht, niemand“, sagt Gudrun Ast.

Inzwischen haben sich so viele Spender gemeldet, dass vorerst keine gestrickten Dinge mehr für Australien angenommen werden. Wer trotzdem helfen und Geld für Tierarztbehandlungen und Futter spenden möchte, kann sich in der Facebook-Gruppe „Deutschland hilft Australiens Wildtieren“ informieren. Auch die Radebeuler Igelhilfe braucht regelmäßig ähnliche selbst gemachte Nester für ihre Schützlinge.

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