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Strom-Autobahn an der Gläserstraße

Energieversorger Enso-Netz hat im Radeberger Süden fünf Millionen Euro investiert. In ein gewaltiges Projekt.

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© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Parallel zur Heinrich-Gläser-Straße im Radeberger Süden verläuft die Autobahn. Eine Strom-Autobahn jedenfalls. Denn Energieversorgung, sagt Dr. Steffen Heine – Geschäftsführer von Energieversorger Enso-Netz – funktioniert wie eine Autobahn. „Man hat zwei Fahrspuren, wenn eine gesperrt ist, rollt es auf der zweiten Fahrbahn einfach weiter“, beschreibt er. Und an der Heinrich-Gläser-Straße hat die Enso in den vergangenen Monaten nun sozusagen eine solche Autobahn gebaut. Für rund fünf Millionen Euro ist hier das bestehende Umspannwerk erneuert und ausgebaut worden. Hier stehen nun zwei sogenannte Mittelspannungsschaltanlagen, die von Radeberg aus die Region bis Großröhrsdorf, Arnsdorf und Leppersdorf versorgen. Privathaushalte, aber auch zahlreiche Großkunden. „Wie Müllermilch zum Beispiel“, beschreibt der Geschäftsführer. Am gestrigen Donnerstag ist der Umbau offiziell eingeweiht worden.

Blick ins Innere.
Blick ins Innere. © Thorsten Eckert

Dazu ist in den vergangenen Monaten auf dem Grundstück neben dem Karosseriewerk eine Menge gebaut worden. Neue Masten zum Beispiel und auch rund sieben Kilometer neue Leitungen zum Beispiel. Leitungen, die künftig statt bisher 10 000 Volt das Doppelte auf die „Autobahn“ schicken können. „Das macht die Energieversorgung sicherer und auch effektiver“, stellt Dr. Carsten Protze klar, der bei der Enso für den Netz-Ausbau zuständig ist. Der erste Schritt war dabei eine neue Leitung von Radeberg in den Ortsteil Großerkmannsdorf. „Weitere solche Leitungen folgen nun“, macht er deutlich, dass hier ein wichtiger Baustein für die Zukunft gesetzt worden ist. Denn langfristig, weiß Geschäftsführer Steffen Heine, wird das Thema Elektro-Energie immer wichtiger werden. „Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist dabei ja nur ein Aspekt von vielen“, unterstreicht er. So wolle die Politik bekanntlich auch, dass schrittweise auf erneuerbare Energie umgestiegen wird. Weg von Kohle, weg von Gas und Öl. Bis 2050, so das vorgegebene Ziel, soll der Kohlendioxid-Ausstoß zur Energiegewinnung um bis 95 Prozent gegen 1990 reduziert werden. Also quasi auf null gefahren sein. Und das stellt dann natürlich auch immer neue, immer größere Ansprüche an die Stromnetze. „Darauf müssen wir vorbereitet sein; und hier in Radeberg sind wir es nun“, freut er sich.

Anlage ist wirtschaftlicher

Auch in Sachen Versorgungssicherheit. Die neue Anlage ist nicht nur wirtschaftlicher, sondern verbessert auch die Spannungsqualität, unterstreicht Steffen Heine. Und verweist wieder auf den schon erwähnten Vergleich mit der Autobahn. In Sekundenbruchteilen wird beim Ausfall der einen Schaltanlage die zweite ans Netz gehen und für Strom sorgen. „Die Anlagen unserer Kunden werden also jederzeit funktionieren!“

Wobei – und das interessierte natürlich nicht zuletzt Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) und seinen Wachauer Amtskollegen Veit Künzelmann (CDU) – diese Millionen-Investition nicht zuletzt auch für die weitere Entwicklung der ansässigen Industrie wichtig ist. „Die Firmen können aus unserer Sicht durchaus weiter ausbauen, beim Thema Strom können wir da in jedem Fall mithelfen“, so Dr. Heine. Denn sicher wird auch der Energiebedarf der Industrie weiter wachsen. Denn auch die schon jetzt zu den Enso-Kunden gehörenden Firmen im Raum Radeberg, Arnsdorf und Wachau haben in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Zahlreiche Lebensmittelproduzenten gehören dazu, Medizintechnikfirmen oder auch Automobilzulieferer.

Zudem sind die neuen, effizienteren Leitungen auch beim Thema Einspeisung ein wichtiger Zukunftsfaktor. „Auch da gibt es nun noch viel Luft“, macht der Geschäftsführer deutlich, dass nicht wenige Unternehmen zum Beispiel auf Solarenergie-Erzeugung setzen und Strom-Überproduktionen dann ins Netz einspeisen.

Profitieren werden dabei auch die privaten Haushalte. Denn natürlich gibt es auch für sie nun eine stabilere Versorgung; durch die neue Autobahn gleich neben der Heinrich-Gläser-Straße …